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Altersvorsorge

Für das Alter richtig abgesichert?

Wer nicht rechtzeitig an seine Altersvorsorge denkt, hat später schlechte Karten. Jeder Handwerksunternehmer sollte das Thema auf seiner Agenda haben.

von Martina Jahn

Vorsorge Ordner
 - Foto: Bilderbox
Foto: Bilderbox

Wenn es um Altersvorsorge geht, ist Petra Blietschau-Rohlfs gut aufgestellt. In ihrem Familienbetrieb wird das Thema großgeschrieben. "Wir reden offen darüber. Meine Mutter geht mit gutem Beispiel voran und hat für ihre Zeit nach dem aktiven Arbeitsalltag vorgesorgt", sagt sie.

Auch abschreckende Beispiele unter Kollegen haben Blietschau-Rohlfs sensibler gemacht. "Man hört von den unmöglichsten Fällen. Viele Handwerker legen für das Alter zu wenig zurück", sagt die Unternehmerfrau aus Marklohe. Deshalb hat sie schon bevor sie 1985 in den Betrieb eingestiegen ist, vorgesorgt. Dabei ist die private Rentenversicherung nur ein Pfeiler ihrer Altersvorsorge.

Handwerker verdrängen das Thema
Damit ist die 49-Jährige eher eine Ausnahme. In Gesprächen mit Existenzgründern und Betriebsinhabern stellt Wolfgang Miethke häufig fest, dass das Thema nicht ernst genommen wird: "Handwerksunternehmer verdrängen es", betont der betriebswirtschaftliche Berater der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen. Problem: Die marktüblichen Altersvorsorgeprodukte werden nicht verstanden, zu schnell unterschreiben Handwerker undurchsichtige Verträge.

Außerdem haben lange nicht mehr alle Betriebsinhaber eine Handwerkerpflichtversicherung. Alle zulassungsfreien Gewerke fallen heraus. Bleibt laut Miethke noch die gesetzliche Rentenversicherung. In die zahlen zwar viele Chefs ein, jedoch nur den Mindestbetrag. "Wer da nicht noch freiwillig was draufpackt, kommt im Alter nicht aus."

Mehrere Säulen sind ein Muss
Gibt es die "perfekte Absicherung" für Handwerker? Miethke: "Nein! Das muss für jeden Unternehmer individuell entwickelt werden." Er empfiehlt seinen Klienten eine unabhängige Beratung bei der Deutschen Rentenversicherung. Da liege der gesamte Versicherungsverlauf vor und die Anforderungen können passgenau erarbeitet werden. Sein Tipp: "Verteilen Sie Ihre Altersvorsorge auf mehrere Säulen." Voraussetzung dafür sei natürlich die Liquidität des Betriebs in der aktiven Zeit des Unternehmers.

Petra Blietschau-Rohlfs

Petra Blietschau-Rohlfs Portrait
 - Foto: Privat
Foto: Privat

Petra Blietschau-Rohlfs hat genau das getan. "Ich verzichte lieber jetzt auf das Geld und habe später noch etwas davon", betont die Chefin von acht Mitarbeitern. Mit ihrem Versicherungsberater ist sie ständig im Kontakt. "Sollte sich etwas für mich ändern, informiert er mich. Nach intensiven Gesprächen überlegt sie, ob und wie sie ihre Anlagen anpassen.

Dass Altersvorsorge keine punktuelle Angelegenheit ist, weiß auch Claudia Schlembach. Die Unternehmensberaterin aus München hat sich auf Unternehmerfrauen spezialisiert. Mitarbeitenden Partnern im Handwerk rät sie, auf eine angemessene Bezahlung zu achten. "Wer auf Minijob-Basis angestellt ist, zahlt nur minimale Beträge in die Rentenversicherung ein und kann nichts zurücklegen." Schlembachs Tipp: Bei der Vorsorge regelmäßig nachjustieren! "Manche Anlagen verlieren im Laufe der Zeit an Wert. Der Markt verändert sich ständig." Miethke rät dennoch davon ab, auf kurzfristige Trends zu setzen. "Das kann ganz schnell wieder vorbei sein und dann ist das Geld weg", betont der Experte.

Welche Vorsorge-Mischung für Handwerker Sinn macht, lesen Sie auf der nächsten Seite.

Der Anlagen-Mix macht´s

Altersvorsorge sollte aus mehreren Säulen bestehen, sagt Wolfgang Miethke. Folgende Möglichkeiten der Vorsorge sieht er für Handwerksunternehmer:

Rechtzeitig anfangen: Unternehmer im Handwerk sollten früh ihre Altersvorsorge im Blick haben. Erst einige Jahre vor der Rente damit zu beginnen, reicht nicht aus.

Gesetzliche Rentenversicherung: Als Grundbaustein emp­fiehlt Miethke, in die gesetzliche Versicherung einzuzahlen, und zwar eindeutig mehr, als der Mindestbetrag es vorschreibt. Außerdem sinnvoll: Nutzen Sie die gesetzliche Förderung (z. B. Riester-Rente).

Lebensversicherung: Als „Klassiker“ bezeichnet Miethke die Lebensversicherung. Er rät auch hier dazu, auf mehrere Anbieter zu setzen und das Geld gut zu verteilen. Das verringert das Risiko.

Private Vorsorge: Produkte für den privaten Vorsorgebereich gibt es viele. Hier gilt: Prüfen Sie genau, worauf Sie setzen, holen Sie mehrere Angebote ein und vergleichen Sie. Auf keinen Fall den erstbesten Vertrag unterschreiben!

Sparanlage: Handwerksunternehmer sollten auf jeden Fall darauf achten, dass im Alter ausreichend Geld vorhanden ist. Anlegen können sie es vorher beispielsweise in Aktien, Investmentfonds, Festgeldkonten, Sparbüchern etc.

Prognosen prüfen: Jeder sollte regelmäßig überprüfen, ob die Anlageformen zeitgemäß sind.

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