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Klicks über Nacht

Lohnt es sich, Fans und Follower zu kaufen?

Fans und Follower sind die wichtigsten Größen in sozialen Netzwerken. Agenturen haben das verstanden und bieten Fans zum Kauf an. Doch können sich Handwerker damit das mühsame Netzwerken sparen?

Gekaufte Fans
Facebook Euro
Gekaufte Fans -

Das Geschäft blüht mit den Klicks im Web 2.0: Der Anteil an gekauften Fans, Followern und Bewertungen werde 2014 bei 10 bis 15 Prozent liegen, schätzt das Marktforschungsunternehmen Gartner. Der Trend: Aufmerksamkeit gegen Bezahlung.

Fans bei Ebay ersteigern?
Zahlreiche Agenturen und Firmen sind in den Handel mit den Klicks eingestiegen. Selbst bei Ebay können Sie Twitter-Follower ersteigern, ebenso Twitter-Postings, Facebook-Fans, Youtube-Views, Google +1-Klicks – Sonderangebote und Pakete inklusive.

Ab 15 Euro sind Sie dabei, nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Es kommt darauf an, wie viele Klicks oder Fans Sie über Nacht haben wollen.

Das Verkaufsargument der Anbieter: Die Masse macht‘s
Die Anbieter greifen damit das größte Problem kleiner Unternehmen auf – die fehlende Zeit für das Netzwerken.

Ihr Angebot: Möglichst viele Menschen in kurzer Zeit für kleines Geld erreichen. Mehr Fans und mehr Bewertungen locken weitere Neugierige an … ein paar passende Kunden werden schon darunter sein.

Nächste Seite: Was bringt das für den Betrieb – und wie seriös sind die Angebote?

Was der Kauf wirklich bringt

Woher kommen die Klicks?
Manche Anbieter bezahlen Menschen ein paar Cent für jeden Klick auf "Gefällt mir". Manchmal stecken auch von Software gesteuerte Accounts dahinter, die automatisiert auf "Gefällt mir" drücken. Andere Anbieter setzen auf Werbeanzeigen und schiere Masse – irgendwo wird schon jemand hängen bleiben.

Risiko Abzocke?
Nüchtern betrachtet handelt es sich bei solchen Angeboten um eine Form der Werbung – und die ist nicht per se unseriös.

Dennoch sollten Sie aufpassen, mit wem Sie sich einlassen. Unser Tipp: Schauen Sie ins Impressum und googlen Sie dann das Unternehmen und/oder den Betreiber der Website. Ist derjenige vielleicht andernorts schon aufgefallen?

Ganz praktisch: Was bringt der Fan-Kauf?
Besonders klar formuliert es den Anbieter "Promokoenig.de": "Nichts hält ewig, so auch nicht die geworbenen Fans." Dagegen helfe nur "dauerhafte Werbung". Ob aber die so gewonnen Fans auch aktiv sind, "hängt maßgeblich von Ihren Inhalten und dem Ansporn der Mitglieder ab, sich zu beteiligen".

"Sie schaden sich selbst"
Das kann man auch anders sehen: "Mit gekauften Fans schaden Sie sich selbst. Denn wer sich nicht für die Seite interessiert, bringt Ihnen gar nichts", warnt Annette Schwindt, Autorin und Bloggerin aus Bonn.

Nächste Seite: Gekaufte Fans – diese Gefahren gehen Sie damit ein!

Falsche Interessenten bringen nichts 

"Es ein gefährliches Spiel, sich aufgrund der Ungeduld für viel Geld Fans zu kaufen. Das ist schlichtweg Manipulation und kann Ihr Unternehmen in eine wirtschaftliche Schieflage transportieren“, schreibt Malermeister Matthias Schultze in seinem Blog

"Kurzfristig viele Fans zu haben, wird langfristig ein Negativimage produzieren", fügt er hinzu.

Dass sich die Situation mit dem Kauf von Klicks nur verschlimmert, bestätigt Expertin Annette Schwindt.  

Keine Aktivität von unechten Fans
Personen, die sich wirklich für Ihre Seite interessieren, klicken "Gefällt mir" unter Beiträgen. Sie retweeten Ihre Posts oder geben Ihnen bei Google+ ein 1+.

Das bedeutet: Echte Fans verbreiten Ihre Inhalte, sind potenzielle Kunden und tragen Ihre Posts zu Ihren Freunden weiter. So wird Ihr Betrieb bekannter und Sie erschließen sich neue Zielgruppen. Gekaufte Fans hingegen sind nur "totes Material" und bringen Ihnen auf lange Sicht nichts.

Der Ruf ist ruiniert
Wenn Kunden, Geschäftspartner, Kollegen und echte Fans erkennen, dass Sie falsche Interessenten für Ihre Seite gekauft haben, spricht sich das schnell rum. Sie müssen sich fragen, wieso Sie es nicht aus eigener Kraft schaffen, Fans und Follower zu generieren.

Sinnvolle Werbung: Wie Sie auf diesem Wege zu mehr Fans kommen, lesen Sie auf der nächsten Seite.

Gute Inhalte bewerben lohnt sich


Voraussetzung für Werbung mit Inhalten bei Facebook ist, dass Sie mit Ihrer Fanseite etabliert. Außerdem sollten Sie Beiträge produzieren, die Lesern eindeutigen Mehrwert bieten und von denen Sie sicher sind, dass sie von anderen gelesen werden.

Und: Sie brauchen eine Reihe von Fans, in deren Neuigkeiten-Strom die Texte, die Sie bewerben, angezeigt werden können.

Werbung auf Facebook
Einzelne, besonders gute Texte können über den Button "Beiträge bewerben“ verstärkt im Neuigkeiten-Strom der bestehenden Fans und deren Freunde auftauchen. Schon mit kleinen Beträgen können Sie die sogenannten "Sponsored Posts" auf den Weg bringen.

Durch diese Art der Inhaltsvermarktung erhöht sich die Reichweite Ihrer Texte. Damit steigt auch die Chance, dass sich mehr Menschen für Ihre Fanseite interessieren – vorausgesetzt, die Beiträge bekommen ausreichend Aufmerksamkeit. Deshalb eignen sich auch nur Texte für die Werbung, von denen Sie sicher sind, dass Ihre Fans sie interessieren.

Vorsicht: Übertreiben Sie die Werbung nicht. Bleiben Sie bei ausgesuchten Texten in längeren zeitlichen Abständen. Denn zu viel Werbung kann auch schnell nach hinten losgehen.

Erst Inhalte, dann Werbung:
Warum Sie nur mit einer Strategie mehr Klicks erzielen, lesen Sie auf der nächsten Seite.

An erster Stelle stehen Mehrwert und Interaktion

"Das Problem ist, dass viele Betriebe ohne einen Plan und ein Ziel vor Augen in soziale Netzwerke einsteigen", sagt Annette Schwindt. Sie melden sich nur an, weil sie denken, sie müssen da mitmachen.

Davon rät die Beraterin für Kommunikation ab: Wer keine Ressourcen für diese Aktivitäten hat, sollte die Finger davon lassen oder sich professionelle Beratung holen. Facebook geht inzwischen auch verstärkt gegen gekaufte Fans vor.

Auf folgende Punkte sollten Sie bei Ihren Social-Media-Aktivitäten achten:

1. Präsenz planen – Mehrwert bieten
Vor dem Einstieg in Social Media brauchen Sie einen inhaltlichen Plan, was Sie veröffentlichen wollen, wer Ihre Zielgruppe ist etc. Wichtig besonders: Bieten Sie den Nutzern Mehrwert! Bei Facebook, Twitter oder Google+ muss mehr stehen als beispielsweise nur auf Ihrer Website. User kommen nur, wenn Sie Ihnen etwas Besonderes anbieten.

2. Präsenz erstellen und leicht auffindbar machen
Beim Erstellen der Präsenz sollten Sie darauf achten, dass sie gut auffindbar ist. Hinweise auf Ihrer Website, im Briefkopf und in der E-Mail-Signatur sind eine Voraussetzung dafür. Achten Sie auch darauf, dass Sie in anderen Präsenzen wie zum Beispiel Xing gut sichtbar verlinkt sind.

3. Fans und Follower generieren
Aus bestehenden Kontakten zu Kunden, Geschäftspartnern und Kollegen laden Sie dann über die sozialen Netzwerke neue Kontakte ein. So bauen Sie Schritt für Schritt die Anzahl von Fans und Followern auf.

4. Interessante Inhalte posten
Veröffentlichen Sie in sozialen Netzwerken Inhalte, die weitersagenswert sind. Dann sind die Chancen höher, dass Sie einerseits bekannter werden und andererseits mehr Fans und Follower auf Ihre Seiten kommen.

5. Interaktion ist wichtig!
Dazu gehört, dass Sie ansprechbar und erreichbar sind, zeitnah auf Kommentare und Fragen reagieren, sich für Beiträge von Fans bedanken und selbst aktiv auf Seiten anderer sind.

Stellen Sie selbst mal Fragen oder bringen Sie Themen ein, die nicht nur von Ihnen kommen. Schauen Sie dann, wie die Themenmischung von den Usern angenommen wird. Regen Sie zur Diskussion an, das bringt Aktivitäten auf Ihre Seite. Und die sind viel wichtiger als die reine Zahl an Followern oder Fans.

Mehr zum Thema Interaktion können Sie im Blog von Annette Schwindt lesen.

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(ja)

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