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Moderatoren für Millionen – und umgekehrt

GEZ: Des Gebührenkönigs neue Kleider

Diverse Neuigkeiten: Die Gebühreneinzugszentrale hat jetzt einen noch längeren Namen. Und es gibt sie tatsächlich, eine Hymne über die GEZ und Ihre Mitarbeiter – die Gebührenbeauftragen, die bestimmt auch schon bei Ihnen geklingelt haben.

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Ein neuer Name muss her. Schließlich stellt die GEZ ab 2013 auch Ihr Beitragssystem um. Gebühreneinzugszentrale war gestern, die Zukunft heißt: "ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice". Das ist allerdings, wie der Spiegel schreibt, etwas "sperrig" und lässt sich nicht gut abkürzen.

Beitragsservice? Laut Spiegel soll der Begriff die Tatsache bemänteln, dass es sich bei den GEZ-Beiträgen um eine Zwangsabgabe handelt. Diese Wortschöpfung liege auf einer Linie mit verschleiernden Sprachkreationen wie Gewinnwarnung, Unterbindungsgewahrsam oder Fähigkeitslücke.

Fähigkeitslücke! Auf Seite 2 kommt’s noch besser!

Keine Gebühren für Volksmusik-Sendungen

volksmusik tuba berge
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Foto: BilderBox.com

Wir haben die Noch-GEZ gefragt: Wie kommentieren Sie die Spiegeleinschätzung? Die Antwort fällt wirklich mal sachlich aus: "Der Beitragsservice ist die Servicestelle von ARD, ZDF und Deutschlandradio, die ab 2013 den Rundfunkbeitrag erhebt. Genau das spiegelt der Name wider." Eine offizielle Abkürzung sei nicht vorgesehen, es zeichne sich aber ab, dass sich im Sprachgebrauch die Kurzform "Beitragsservice" durchsetzen wird.

Genau, Fähigkeitslücke hat sich ja auch durchgesetzt. Schulabgänger, die 2 und 5 zu 8 addieren, sind nicht mehr tumb, sondern haben einfach lückenhafte Fähigkeiten. Da geht auch die Ausbildung gleich besser von der Hand.

Kennen Sie den Kabarettisten Volkers Pispers? Der hat Folgendes verfügt: "Von meinen GEZ-Gebühren dürfen keine Volksmusik-Sendungen finanziert werden." Und wo hat er er‘s gesagt? Im öffentlich-rechtlichen WDR. Alle Achtung. "Auch die Honorare der Herren Reinhold Beckmann, Wolf-Dieter Poschmann und Peter Hahne", sagt Pispers, "dürfen unter gar keinen Umständen aus Geldern bestritten werden, die ich zwangsweise überwiesen habe."

Klingt erst mal lustig, hat aber einen ernsten Kern. Auf der Seite online-boykott.de ärgern sich Gegner der GEZ ebenfalls darüber, dass sie mit Ihrem Geld  "astronomische Moderatoren-Gehälter" finanzieren. Was sagt die GEZ zu solchen Vorhaltungen? Unsere Frage hat die dortige Pressestelle an den WDR weitergeleitet. Leider hat der WDR die Frage nicht an Volker Pispers weitergeleitet.

Nächste Seite: 10,5 GEZ-Mio. für Jauch – eine "marktübliche Vergütung".

Das haben Jauch und Castor-Transporte gemeinsam

Traktor Jauche
 - Für ein Foto von Günther Jauch fehlt uns leider das Geld.
Für ein Foto von Günther Jauch fehlt uns leider das Geld.
Foto: BilderBox.com

Ohne eine "marktübliche Vergütung", schreibt eine WDR-Sprecherin, könne die ARD "entsprechendes Spitzenpersonal" für das Programm nicht mehr gewinnen. Und eines werde oft vergessen: "Die im Umlauf befindlichen Summen für Gehälter von Talkshowmoderatoren sind irreführend. So werden diese in der Regel für die gesamte Produktion einer Sendung gezahlt und decken damit auch die Produktionskosten der Sendungen ab."

Genug hängen bleiben dürfte dennoch. Rückblend. Im März hatte sich Bremens Ex-Bürgermeister Henning Scherf den "armen" Günther Jauch in dessen eigener ARD-Sendung vorgeknöpft: "Sie verdienen das Vielfache von dem, was die Bundeskanzlerin verdient und halten das für gerecht!" Die Bildzeitung schrieb danach, dass die ARD Jauchs Produktionsfirma "I amp; U" allein für die Talk-Sendungen 10,5 Millionen Euro überweist. Nach "Branchenschätzungen" könne Jauch davon mehr als 1 Million selbst einsacken.

Es ist anzunehmen, dass Jauch zu den Kandidaten gehört, denen Volker Pispers seine persönlichen GEZ-Gebühren verweigern würde. Der Kabarettist räumt zwar ein, dass es für die GEZ ein Riesenaufwand sein dürfte, die eingehenden Gebühren auf die verschiedenen Töpfe zu verteilen, aus denen bestimmte Sendungen NICHT finanziert werden dürfen. Aber: "Das machen die da gerne. Genauso wie mein Finanzamt, ohne mit der Wimper zu zucken, zur Kenntnis genommen hat, dass ich nicht möchte, dass von meinen Steuergeldern Diäten von Abgeordneten der FDP beziehungsweise Polizeieinsätze von Castor-Transporten oder Fußballspielen des FC Bayern München bezahlt werden."

Apropos Bayern München: Für die Übertragungsrechte der Bundesligaspiele wollen Fernsehsender in den kommenden drei Jahren 2,5 Milliarden Euro ausgeben, mehr als 400 Millionen werden allein ARD und ZDF auf die Überweisungsträger schreiben. Da jubeln Deutschlands Fußballmillionäre. Aber wer jubelt eigentlich mit?

Ein Lied über "die Spitzel von der GEZ" – lesen (und hören) Sie die nächste Seite.

Randsportarten hinter der Bezahlschranke

Fußball mit Rasen
 - MEV/Sauvaget
MEV/Sauvaget

GEZ-Millionen für Bundesligarechte – ist das in Ordnung? Diese Umfrage haben mehr als 75 Prozent der handwerk.com-Leser unlängst so geantwortet: "Nein, überlasst den Fußball den Bezahlsendern – und senkt die GEZ-Beiträge." Die WDR-Sprecherin kommentiert das so: "Die Sportangebote im Programm der ARD stellen sicher, dass große Sportereignisse ebenso wie Veranstaltungen aus dem Bereich von Randsportarten der ganzen Bevölkerung frei zugänglich sind und nicht hinter einer Bezahlschranke im Pay-TV verschwinden. Gerade jetzt zeigt sich bei der Fußball-EM in Polen und der Ukraine wieder, dass die Sportberichterstattung der ARD in hohem Maße von der Bevölkerung nachgefragt und geschätzt wird."

Ob es am Moderatorenteam Oliver Kahn und Katrin Müller-Hohenstein liegt, dass das ZDF hier nicht erwähnt wird? Das ist eine unglaublich böse Vermutung. Jedenfalls stelle die Sportrechteagentur von ARD und ZDF sicher, dass die ARD weder überhöhte Preise zahlt noch mehr Geld für Sportrechte ausgibt, als dies zur Erfüllung ihres Auftrags erforderlich ist: "Sollte der Erwerb von bestimmten Rechten zu marktgerechten Preisen nicht möglich sein, wird die ARD im Zweifelsfall auf diese Rechte verzichten."

Da bleibt die Frage: Wie hoch muss der Betrag sein, ab dem die Bundesligarechte hinter der Bezahlschranke verschwinden? 400 Millionen Euro sind ja keine Kinkerlitzchen. Uwe Ritter ist Dachdeckermeister in der niedersächsischen Gemeinde Hilter (Teutoburger Wald). Er glaubt, dass die Gebühren erheblich gesenkt werden könnten, wenn die öffentlich-rechtlichen Sender "unsere sauer verdienten Gebühren nicht mit vollen Händen zum Fenster rausschmeißen würden".

Ist das übertrieben? Oder nachvollziehbar? Sender wie Arte, Phoenix, 3sat oder das Deutschlandradio werden ja auch über GEZ-Gelder finanziert – und die sehens- und hörenswerten Alternativen sind nicht gerade zahlreich. Schreiben Sie uns, wir sind auf Ihre Meinung gespannt!

Zum guten Schluss zurück zu den Menschen, die (möglicherweise, aber offenbar nicht gerne) GEZ-Beiträge zahlen. Der Lied über die "Luden von der GEZ" ist auf balconytv.de erschienen und wurde von der Hamburger Band AussenBorder garantiert  selbst finanziert – eigentlich die richtige Band für das nächste Betriebsfest.


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(sfk)

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