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Auslandsgeschäfte: Kein Wachstum ohne Wagnis

Großer Radius mit großer Wirkung

Die Funke OHG ist in vielen Ländern aktiv. Eine Mode- und eine Tankstellenkette zählen zu ihren größten Kunden. Eine Erfolgsgeschichte.

Ein weltgewandtes Team:
Funke
Ein weltgewandtes Team: - Silke Böger und Henning Diephaus
Silke Böger und Henning Diephaus
Foto: Funck

Henning Diephaus ist viel unterwegs, im In- und Ausland. Im Jahr 2007 stieg er als geschäftsführender Gesellschafter bei der Funke OHG im niedersächsichen Twistringen ein. Er brachte Kontakte zu Filialketten mit und machte daraus ein florierendes Geschäft. Die Modekette „New Yorker“ und ein Anbieter für die Einrichtung von Tankstellenshops zählen mittlerweile zu den Auftraggebern des Sanitär-Heizung-Klima-Betriebes. Die Twistringer bauen Kälte- und Klimaanlagen in neue Shops ein und warten die Anlagen dann regelmäßig. „Es ist zwar ein sehr aufwendiges Geschäft, weil man ständig auf Reisen ist, aber man hat eine sehr kontinuierliche Auslastung“, sagt Diephaus.

Die ersten Auslandsaufträge kamen von New Yorker für neue Shops in Dänemark. „Können wir Dänemark auch?“, fragte Diephaus damals seine Kollegin Silke Böger. Die Büromanagerin wandte sich an Merret Vogt, die für Außenwirtschaft zuständige Betriebsberaterin der Handwerkskammer Hannover. Sie bekam von ihr Informationen und Unterstützung, arbeitete sich in die Vorschriften ein und hakte Checklisten ab. Diephaus stimmte indessen die Monteure auf die Auslandseinsätze ein. In der Firma finden seither Englischkurse statt. Auch die Büromitarbeiter mussten sich technische Begriffe auf Englisch aneignen, denn bei Störungen der Anlagen riefen fortan auch ausländische Kunden bei ihnen an.

Lesen Sie auf Seite 2, wie die Twistringer ihren Aktionsradius immer weiter ausgedehnt haben.

Andere Länder, andere Vorschriften

In der Folgezeit dehnte das Unternehmen seinen Aktionsradius immer weiter aus: Schweden, die Niederlande, Italien, die Schweiz, Belgien, Luxemburg und Polen kamen hinzu. Und für jedes Land muss sich Silke Böger durch unterschiedlich lange To-do-Listen hindurcharbeiten. Am längsten sei die Liste bei der Schweiz gewesen, erzählt die 46-Jährige. So musste die Funke OHG zum Beispiel bei den Behörden eine Kaution hinterlegen. Sie ist für den Fall gedacht, dass die Kontrolleure Verstöße gegen steuer- und arbeitsrechtliche Vorgaben feststellen. Und nach der Registrierung des Betriebes forderten die Schweizer unter anderem Stundenzettel und Lohnabrechnungen ein, um sie zu prüfen. Für Leistungen und Material hatte der Betrieb Einfuhrumsatzsteuer zu entrichten, und an der Grenze gab es zeitraubende Zollkontrollen: „Unsere Monteure mussten jedes einzelne Werkzeug vorzeigen und registrieren lassen“, berichtet Diephaus.

„Das sind schon hohe Barrieren“, findet der Geschäftsführer. Zu hinterfragen sei jeweils, wie hoch der Aufwand sei, um sie zu überwinden, und ob sich dieser Auftrag dann überhaupt rechne. „Dabei haben wir auch Lehrgeld bezahlt“, fügt er hinzu. „In Holland zum Beispiel sind die Hotelpreise vergleichsweise hoch, und schwanken sehr.“ Als weitere Beispiele nennt er die schwer vorhersehbaren Wartezeiten an den Grenzen oder die Kosten für spontane Flüge, wenn im Auftragsland etwas schief läuft. „Diese ganzen Nebenkosten im Voraus zu kalkulieren, das ist schwierig.“

Wie Diephaus seine Mitarbeiter für die Auslandseinsätze motiviert, erfahren Sie auf Seite 3.

Mitarbeiter müssen mitziehen

Eine weitere Herausforderung besteht für Henning Diephaus darin, die 65 Mitarbeiter für die Auslandseinsätze zu motivieren. Sie sind von ihren Familien weg, müssen sich in andere Kulturen hineindenken und häufig unter Termindruck arbeiten. Die Reisezeit bekommen sie von der Funke OHG als Arbeitszeit vergütet, für Spesen gibt es Aufschläge. Um die Auszubildenden auf die Arbeit in anderen Ländern vorzubereiten, ermöglicht das Unternehmen ihnen Praktika. Seit dem Frühjahr haben die Twistringer einen Auszubildenden aus Spanien in ihren Reihen, auch er startete mit einem Praktikum.

„Zur Begrüßung haben wir für ihn eine Willkommensfeier organisiert“, sagt Silke Böger. Sie strahlt, sie scheint sich dafür begeistern zu können, dass ihr Unternehmen so international aufgestellt ist – trotz der vielen Informationen und Auflagen, die zu berücksichtigen sind. Sie kommt auf Finnland zu sprechen. Dort müssen Handwerker, die auf Baustellen tätig sind, neuerdings eine Sicherheitsschulung absolvieren. Doch auch das sei machbar – und verständlich. „Wenn wir in Deutschland bestimmte Standards haben, dann wollen wir ja auch, dass sich ausländische Anbieter daran halten.“

(afu)

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