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Handwerk auf der IdeenExpo 2015

Abenteuer Werkstatt

Fünf Mitmachstationen, 63 Azubis als Betreuer und jede Menge Action: Am Stand des Handwerks auf der IdeenExpo in Hannover griffen rund 3500 Kinder zum Werkzeug. Früh ansetzen und Begeisterung wecken – darum geht es bei dieser Nachwuchsmesse.

Mitmachstationen:
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Mitmachstationen: - Marlene und Maya haben Leuchten mit „Sterneneffekt“ und Armbänder hergestellt.
Marlene und Maya haben Leuchten mit „Sterneneffekt“ und Armbänder hergestellt.
Foto: Funck

Tja, was hätten sie denn gern? Eine Tasche oder ein Armband aus Autoreifen? Einen Talisman aus Gips? Einen Löffel aus Metall und auch gleich noch das Tisch-Accessoire aus Holz? Oder doch lieber das Leuchtobjekt? Die 15-jährige Marlene und ihre 12-jährige Cousine Maya stehen am Stand des niedersächsischen Handwerks auf der IdeenExpo 2015 – er heißt „Abenteuer Werkstatt“. Die zwei sind nicht etwa hier, um zu „shoppen“, sondern um selbst etwas herzustellen, von Hand und mit Hilfe von Werkzeugen. Und sie müssen sich nun entscheiden.

Messe-Event zur Berufsorientierung
Die fünfte IdeenExpo auf dem Hannoveraner Messegelände ist nach Angaben der Veranstalter das „größte Jugend-Event zur Berufsorientierung“. Rund 230 Aussteller wollen den Nachwuchs in zwei Messehallen für Naturwissenschaften und Technik begeistern. Auf dem 130 Quadratmeter großen Handwerksstand sind fünf Mitmachstationen aufgebaut. An jeder Station findet sich ein Experte aus dem jeweiligen Gewerk. Außerdem sind hinter den Tischen insgesamt 63 Auszubildende aus der Region Hannover im Einsatz. Als „Technikbotschafter“ leiten sie die Kinder und Jugendlichen an, die dort gerade eifrig sägen, bohren, stanzen, klopfen, feilen und kleben.

Seite 2: Marlene und Maya werden an der Elektro-Station intensiv betreut.

Fingerspitzengefühl:
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Fingerspitzengefühl: - Die Schülerinnen stellen eine Quetschverbindung zwischen den Kabeln her.
Die Schülerinnen stellen eine Quetschverbindung zwischen den Kabeln her.
Foto: Funck
Mitmachstation Elektro

Die Schülerinnen Marlene und Maya haben sich zunächst für die Elektro-Station angemeldet. Etwa 30 Minuten haben sie Zeit, um aus Lichtleitfasern und einer LED-Leuchte ein eigenes Objekt zu gestalten. Als Fachexperte sitzt ihnen der Unternehmer Jens Greiner aus Bovenden bei Göttingen gegenüber. Der Elektroinstallateurmeister und „Gestalter im Handwerk“ ist seit 2009 auf der IdeenExpo mit dabei und hat den Bausatz entwickelt, mit dem die beiden nun arbeiten sollen. Mit seiner Hilfe fügen sie Kabel und Anschlüsse mit einer Quetschverbindung zusammen, isolieren die freigelegten Stellen und schließen die LED-Lampe an – das kurze Bein an den Minuspol, das längere an den Pluspol.

Nah am Ziel:
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Nah am Ziel: - Marlene baut ihre Lampe zusammen.
Marlene baut ihre Lampe zusammen.
Foto: Funck

Einfach mal probieren und aus Fehlern lernen
„Jetzt schaltet mal ein und schaut, ob es funktioniert“, sagt Jens Greiner. „Und nicht direkt in die Lampe gucken, das ist schlecht für die Augen.“ Als Mayas Lampe nicht leuchten will, erklärt er ihr, wo der Fehler liegt. Danach gibt er ihnen einen „Strauß“ von in Schlaufen liegenden Lichtleitfasern, den sie über ein Metallröhrchen als Gehäuse mit der LED-Lampe verbinden. „Die Schlaufen könnt ihr mit dem Seitenschneider durchzwicken, und dann leuchtet das an den Enden“, erklärt der Unternehmer.

Die Eltern sollen sich raushalten
Als Nächstes führt er vor, wie man durch ein leichtes Einkerben der Lichtleitfasern einen „schicken Sterneneffekt“ erzielen kann. Die Kinder um ihn herum sind konzentriert bei der Sache. „Applaus, ihr habt es geschafft“, ruft er schließlich. Einige Mütter und Väter applaudieren. Mithelfen dürfen die Eltern Greiner zufolge aber nicht, „weil die Kinder möglichst selbstständig etwas machen sollen“.

Seite 3: "Die Kinder kennen viele Werkzeuge noch gar nicht", sagt Unternehmer Jens Greiner.

Er zeigt, wie's geht:
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Er zeigt, wie's geht:  -  Unternehmer Jens Greiner
Unternehmer Jens Greiner
Foto: Funck
Motorische Fähigkeiten trainieren

Zehn Tage war Jens Greiner auf der IdeenExpo, zehn Tage hat er von morgens bis abends geduldig Zusammenhänge erläutert und Handgriffe vorgemacht. Er hat beobachtet, dass die motorischen Fähigkeiten der Kinder über die Jahre nachgelassen haben und dass sie viele Werkzeuge noch gar nicht kennen. „Wir brauchen Nachwuchs und selbstständig denkende Menschen, die auch mit ihren Händen etwas anfangen können“, sagt der 55-Jährige über das, was ihn antreibt.

Engagierte Auszubildende betreuen die Kinder
Neben den Teilnehmern wachsen aus seiner Sicht auch die Technikbotschafter an ihren Aufgaben. So war zum Beispiel der mittlerweile fertig ausgebildete Geselle Xemgin Kara von der letzten IdeenExpo so begeistert, dass er sich in diesem Jahr wieder unter die Technikbotschafter gemischt hat – an zwei Wochenendtagen und in seiner Freizeit.

Hat sich das Engagement auf der IdeenExpo gelohnt? Das erfahren Sie auf Seite 4.

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 - Der Griff zum Hammer: So wird aus einem ausgedienten Fahrradschlauch ein cooles Armband.
Der Griff zum Hammer: So wird aus einem ausgedienten Fahrradschlauch ein cooles Armband.
Foto: Funck
Erfolgsbilanz am Handwerksstand

Die Bilanz des diesjährigen Messeauftritts wird am Ende so aussehen: Rund 3500 Kinder und Jugendliche haben beim „Abenteuer Handwerk“ mitgemacht und dabei etwa 1800 Stunden auf dem Stand verbracht.

Effektiver Weg der Nachwuchswerbung
„So viele kann man in den Schulen nur schwer erreichen“, sagt Rüdiger Tamm. Er leitet die Werkakademie für Gestaltung und Design im Handwerk Niedersachsen, die den Handwerksstand konzipiert hat. „Uns fehlen in der Bildungslandschaft die Brücken ins Handwerk“, erklärt Tamm mit Blick auf den eingeschränkten Werkunterricht in den Schulen. „Wir müssen uns da selber kümmern als Handwerker.“

Faszination Handwerk
 „Ich habe vorher noch nie so etwas gemacht“, sagt die Neuntklässlerin Marlene zu ihren Erlebnissen am Elektro-Stand. „Im Physikunterricht haben wir bisher nur fertige Anschlüsse mit fertigen Lampen verbunden.“ Zusammen mit Maya steuert sie die nächste Mitmachstation an. Unterstützt durch eine angehende Maßschneiderin entwickeln die Gymnasiastinnen eine Idee, schneiden daraufhin einen Fahrradschlauch zurecht, stanzen Löcher hinein und verbinden die Enden mit einem Druckknopf – schon ist das Armband komplett.

Ein Video zum "Abenteuer Werkstatt" auf der IdeenExpo finden Sie hier.

(afu)

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