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Schlampige Installation

"Handwerker verschulden Tod von Whitney Houston"

Dass ein SHK-Meister die Pop-Diva auf dem Gewissen hat, ist natürlich völliger Nonsens – gehört aber zu den Seltsamkeiten, die uns so zugeraunt werden. Wulff und die Bauleiter, tote Mäuse trotz Hygiene, Fliesenleger findet Goldschatz – die Handwerkerthemen eines ganz normalen Arbeitstages.

Mikrofon
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8 Uhr 15. Termin beim Arzt. Der Mann hat gesehen, dass ich im aktuellen Spiegel herumgeblättert habe und fragt, ob irgendetwas Interessantes darin stehen würde. Das muss ich verneinen, leider, denn ich hatte gehofft, ein Thema für meine Arbeit zu finden.
Arzt: "Sie sind Journalist, oder? Worüber schreiben Sie denn so?"
"Handwerk."
Arzt: "Wie wäre es denn damit: Whitney Houston ist in ihrer Badewanne gestorben, weil Handwerker gepfuscht haben, die Wanne war falsch installiert, das Wasser konnte nicht ablaufen, sie war angeschickert und ist in einer Wassertiefe von 15 Zentimetern ertrunken."

Mein Arzt ist ein kreativer Typ, aber sein Humor ist geschmacklos (denn: Wer war früher nicht in Whitney verliebt? Ihr Tod ist einfach nur traurig).

Was tote Mäuse und Kakerlaken damit zu tun haben, lesen sie Sie auf Seite 2.

Tote Mäuse, Kakerlaken und ein Goldschatz

Muas auf Euromünzen
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10 Uhr. Telefonat mit einem Kollegen der Allgemeinen Bäckerzeitung (ABZ). Was liegt an in der Branche? "Der Hygiene-Skandal um die bayerische Großbäckerei Müller-Brot ist derzeit das Thema", antwortet Chefredakteur Manfred Fischer. Die Zustände waren derart hanebüchen, dass Behörden die Produktion im Januar stillgelegt hatten.

Ein amüsante Facette der Ekel-Geschichte ist ein Auszug aus dem Geschäftsbericht des Unternehmens, 2010 vermeldete die Großbäckerei: "Die Einhaltung dieser anspruchsvollen Hygiene- und Qualitätsstandards in der Produktion ist Voraussetzung für die Belieferung des Marktes und wird jährlich auch von externer Seite überprüft. Die Müller-Brot GmbH konnte wie in den Vorjahren auch im Geschäftsjahr 2010 die Zertifizierung nach IFS (International Food Standard) auf höchstmöglichem Niveau erzielen."

Interessant ist auch, dass Müller-Brot noch 2010 den "Bundesehrenpreis" der DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesesellschaft) erhalten hat. Da drängt sich schon die Frage auf, welchen Wert solche Auszeichnungen haben. Die Süddeutsche titelt: "Gütesiegel ohne Güte".

11 Uhr. Themen-Stöbern im Internet: "Fliesenleger findet Goldschatz in Küche." Der Mann hat bei der Renovierung einer Wohnung in Hannover "Goldbarren, Münzen und Silberbesteck im Wert von mehr als 100.000 Euro" gefunden, vermeldet die Hannoversche Allgemeine Zeitung. Hinter einer Blende des Küchenbodens habe der 38-Jährige "tütenweise Gold" entdeckt und den Fund sofort der Hausverwaltung gemeldet. Wären Sie auch so ehrlich gewesen?

Das ist doch ein schöner Übergang zum Bundespräsidenten, lesen Sie Seite 3.

Christian Wulff und die Bauamtsleiter

Fleischkäse
 - Fleischkäse oder Leberkäs? Schwer zu sagen.
Fleischkäse oder Leberkäs? Schwer zu sagen.
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13 Uhr. Eine Verbindung zum Handwerk zieht der Spiegel tatsächlich. Auch auf die Gefahr hin, dass kein Mensch mehr den Namen Christian Wulff hören kann, hier ein Auszug aus einem Artikel, der unter anderem die Nöte der Mitarbeiter der Korruptionsabteilung der Staatsanwaltschaft Hannover beleuchtet: "Und in der Tat hätte die Staatsanwaltschaft etwa beim Leiter eines Bauamts, der im Verdacht steht, bestochen worden zu sein, diskret das Umfeld beleuchtet." Und weiter: "Die Staatsanwälte […] fühlen sich in einem klassischen Dilemma. Tun sie nichts, wird ihnen zögerlicher Umgang mit dem ranghöchsten Politiker im Staat vorgeworfen. Beantragen sie die Aufhebung der Immunität, finden bei ihren Ermittlungen aber keine relevanten Beweise, haben sie womöglich Wulffs Karriere ruiniert […].“ Ist die nicht bereits ruiniert?

15 Uhr. Noch ein Internetfundstück. In einer kleinen Metzgerei im Alb-Donau-Kreis haben Lebensmittelkontrolleure einen unglaublichen Skandal aufgedeckt. Der Betrieb war zwar total reinlich und vorbildlich geführt, aber: "Der Fleischer hatte den arglosen Kunden Leberkäse verkauft, der gar kein Leberkäse war." Tatsächlich verkaufte der Metzger Fleischkäse. Das ist der Wahnsinn. Und eine Sprachverwirrung, die vor allem für Norddeutsche schwer zu verstehen ist.

Dankenswerterweise klärt das Internetportal schwaebische.de über die "Leberkäsewelt" auf: "Leberkäs(e) enthält in Bayern in der Regel keine Leber." Was im bayerischen Neu-Ulm als Leberkäse über die Ladentheke geht, sei im baden-württembergischen Ulm Fleisch- oder "Bayerischer Leberkäse". Warum das so festgelegt ist, tja, das wisse eigentlich niemand so recht: "Im für das Lebensmittelbuch zuständigen Bundesministerium in Berlin zuckt man die Schultern und verweist auf die sieben Fachausschüsse, die die Regeln des Lebensmittelbuchs erarbeiten."

Dass ihm eine Leberkäsnamenskontrolle wie im Alb-Donau-Kreis noch nicht untergekommen sei, sagt ein geprüfter Lebensmitteltechniker. Immerhin ist die Geschichte letztlich gut ausgegangen: "Auf dem Kassenzettel steht mittlerweile Fleischkäs: Die Kunden zeigen sich aber uneinsichtig – und bestellen weiterhin ungerührt Leberkäse."

16 Uhr. Manfred Fischer ruft noch einmal an. Der ABZ-Chefredakteur befürchtet, dass kleine Bäckereien im Zuge des Müller-Brot-Skandal in Sippenhaft genommen werden: "Das ist Wasser auf die Mühlen der Befürworter der Hygiene-Ampel." Hintergrund: Künftig sollen Farbdiagramme in Rot, Gelb oder Grün anzeigen, wie es um die hygienischen Verhältnisse in Betrieben der Lebensmittelbranche bestellt ist. Die Betriebe müssen diese Bewertung dann an der Eingangstür anbringen.

Es gibt im Bäckerhandwerk massenhaft Stimmen, die am Sinn der Hygiene-Ampel für kleine Betriebe zweifeln. Kommt ein Lebensmittelkontrolleur und findet nichts, gibt's eine grüne Plakette, findet er irgendetwas, gibt’s eine gelbe oder rote. Das Ding bleibt dann buchstäblich am Betrieb kleben, bis zur nächsten Kontrolle – und das kann dauern, denn die Zahl der Kontrolleure ist begrenzt. Speziell für kleine Betriebe kann das ein harter Schlag sein. Jetzt argumentieren Verbraucherschützer, dass Müller-Brot durch so eine negative Kennzeichnung eher hätte reagieren müssen. Das Unternehmen hätte die rote Plakette natürlich auch mit seiner DLG-Auszeichnung überkleben können.

(sfk)