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13.09.2012

Provokante Werbung

Honecker als Werbefigur?

Ein Bild von Erich Honecker im Schaufenster, daneben eine DDR-Fahne mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. So wirbt Augenoptiker Holm Ohlendorf für Hornbrillen. Nicht alle Kunden sind erfreut.

Hornbrillen sind in!
Holm Ohlendorf
Hornbrillen sind in! - Optikermeister Holm Ohlendorf hat seinem Laden für ein paar Wochen einen DDR-Look verpasst. Da darf ein Bild von Erich Honecker nicht fehlen.
Optikermeister Holm Ohlendorf hat seinem Laden für ein paar Wochen einen DDR-Look verpasst. Da darf ein Bild von Erich Honecker nicht fehlen.
Foto: privat

Werbung soll Aufmerksamkeit wecken – und Emotionen. Zumindest bei einer Kundin ist Holm Ohlendorf das augenscheinlich gelungen: "Vor ein paar Tagen stürmte eine ältere Dame herein, brüllte herum und machte Fotos", berichtet der Augenoptikermeister aus dem bayerischen Ottobrunn. Die Rentnerin wollte wohl Beweise sichern.

Der Grund: Ohlendorf hatte eine DDR-Fahne und ein Foto von Erich Honecker in seinem Schaufenster drapiert. Honecker trug eine dicke Hornbrille – und Hornbrillen liegen derzeit im Trend.

Die Kundin ging das zu weit: Sie und ihr Mann hätten in der DDR gelebt und unter dem Honecker-Regime gelitten. Mit so einem könne man doch nicht werben.

Der Augenoptikermeister kann die Erregung einerseits verstehen. Andererseits aber auch nicht: "Wir haben ja nicht einfach nur dieses Foto aufgehängt, um zu provozieren", sagt der 50-Jährige.

Wie Honeckers Bild in Ohlendorfs Laden gelandet ist und warum die Idee eigentlich
witzig ist, lesen Sie auf der nächsten Seite.

Honecker und die Fahne? Das Konzept heißt "DDR"!

Foto und Fahne gehören zu einer Werbeidee: "Wir gestalten alle drei Monate unser Geschäft komplett um und wählen dabei immer in bestimmtes Thema", erzählt Ohlendorf. Mal bekommt der Laden einen Asia-Look verpasst, mal sieht es aus wie in einer Kaffee-Rösterei – und diesmal war das Thema die DDR.

"Wir hatten das vorher mit zwei Vertreterinnen aus den neuen Bundesländern besprochen", erzählt der Handwerker. "Die fanden die Idee total witzig und haben uns für die Deko gleich eine ganze Liste mit Produkten erstellt, die es in jedem DDR-Haushalt gab." Da hätten Fahne und Honecker-Foto eben dazugehört. "Das ist doch ein Stück Zeitgeschichte."

Mit der erzürnten Rentnerin hätte der Handwerker gerne darüber gesprochen, "aber die ließ nicht mit sich reden". Stattdessen informierte sie die Presse. In einem Artikel des Münchner Merkur kommt Ohlendorf nicht so gut weg. "Das Honecker hier nicht als Werbefigur missbraucht wird, sondern Teil eines Deko-Konzepts ist, steht da leider nicht."

Geschadet habe die schlechte Presse allerdings nicht: "97 Prozent unserer Kunden finden es gut. Es kommen auch immer wieder Leute, die selbst noch Erinnerungsstücke haben und uns als Deko zur Verfügung stellen wollen."

Ihre Meinung: Was halten Sie von solchen Werbeaktionen? Und wie hätten Sie auf die Kritik der Kundin reagiert: Hängen lasen oder abnehmen? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!



Weitere Infos zum Thema:

(jw)

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