handwerk.com Archiv
Aktuelle Inhalte findest Du unter www.handwerk.com.

Finanzen

Honorar vom Steuerberater zurück?

Wenn ein Steuerberater zu viel abrechnet, haben Mandanten oft nur noch eine Chance: einen guten Anwalt. Doch ob der sich rechnet? Was Sie vor einem Rechtstreit beachten müssen, lesen Sie hier.

Nicht jeder Mandant, der sich über die Abrechnung seines Steuerberaters ärgert, zahlt auch zu viel. Doch völlig unberechtigt ist die Sorge nicht. „Es kommt zwar eher selten vor, dass ein Steuerberater zu viel abrechnet, die absolute Ausnahme ist es aber nicht“, sagt Sabine Unkelbach-Tomczak vom Deutschen Anwaltsverein. Häufiger jedoch unterschätzen nach ihrer Erfahrung Mandanten den Arbeitsaufwand eines Steuerberaters

Rückforderung für mehrere Jahre möglich
Liegt jedoch der Mandant mit seiner Vermutung richtig, so kann er den überhöhten Teil des Honorars zurückfordern - auch für mehrere Jahre, sagt Unkelbach-Tomczak. Zehn Jahre beträgt die Verjährungsfrist, wenn ein Betroffener keine Ahnung davon hatte, dass das Honorar überhöht ist. Bei drei Jahren liegt sie, wenn ein Mandant nichts unternimmt, obwohl er bereits Kenntnis davon hat.

Nutzen und Kosten genau abwägen
Doch auch wenn die Rechnung eines Steuerberaters überhöht ist, sollten sich Mandaten gut überlegen, ob sich der Besuch beim Rechtsanwalt überhaupt lohnt. „Um eine Rechnung richtig beurteilen zu können, muss der Anwalt im Grunde alle Steuerunterlagen auswerten und auch die Gegenseite befragen“, sagt Unkelbach-Tomczak. Weitere Kosten also,  die am Ende vielleicht noch die Rückforderung übersteigen.

Ihr Rat: Wenn die Rechnung des Steuerberaters nicht um mindestens 1000 bis 2000 Euro zu hoch ausgefallen ist, lohne sich der Gang zum Anwalt wahrscheinlich nicht. Einen Anhaltspunkt, um welchen Betrag es geht, könnten Vergleichsangebote anderer Steuerberater liefern. „Aber das bringt nur etwas, wenn der Mandant vergleichbare Anforderungen stellt, also ganz genau schildert, wie er bisher mit seinem Steuerberater zusammenarbeitet.“

Und wie fällt der Kosten-Nutzen-Vergleich aus, wenn es um Rechnungen aus mehreren Jahren geht? Mengenrabatt gibt es beim Anwalt jedenfalls nicht. „Nur wenn der Steuerberater systematisch immer die gleichen Abrechnungsfehler gemacht hat, kann das etwas weniger Aufwand bedeuten“, sagt Unkelbach-Tomczak.

Verhandeln oder klagen?
Übersteigt die Steuerberater-Rechnung die zulässige Höhe deutlich, so werde der Anwalt das zu viel gezahlte Geld zunächst schriftlich zurückfordern. Weigert sich der Steuerberater, bleibe nur der Klageweg. Der sei auch die einzige Chance, sich die Anwaltskosten vom Steuerberater zurückzuholen, berichtet die Juristin. „Das Anwaltshonorar außergerichtlich beim Steuerberater einzufordern, dürfte schwierig werden.“

(jw)

Tipps, Downloads und News für Ihren Betrieb:der handwerk.com-Newsletter

Abonnieren Sie jetzt den kostenlosen handwerk.com-Newsletter!