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Azubis

“Ich lasse keinen gleich fallen”

Thomas Feik legt viel Wert auf Ausbildung. Auch schwächeren Azubis gibt er eine Chance. Damit fährt der Maschinenbauer gut. Und mit seinem Engagement für die Ausbildung ist er nicht allein.

Thomas Feik
 - Klemmt sich hinter seine Azubis: Unternehmer Thomas Feik
Klemmt sich hinter seine Azubis: Unternehmer Thomas Feik
Foto: Hamacher

Thomas Feik ist Stolz. Gerade hat seine Auszubildende Alisa Oevermann die Zwischenprüfung bestanden. Dass die 17-Jährige das geschafft hat, ist keineswegs selbstverständlich. Denn durch eine zurückliegende neurologische Erkrankung ist die junge Frau Lernbehindert. Vor allem in der Schule hatte die Auszubildende Probleme. Thomas Feik ließ sich nicht beirren und suchte gemeinsam mit Alisa Oevermann nach möglichen Alternativen. Gemeinsam widmeten sie das Ausbildungsverhältnis um. Statt Feinwerkmechanikerin lernte Oevermann nun “Fachkraft für Metalltechnik”, wechselte von der normalen Berufsschule in eine spezielle Schule für Hörgeschädigte – und begann auf einmal auch in der Schule Fuß zu fassen.

Ein Einzelfall? “Nein”, sagt Unternehmer Thomas Feik. Er gibt Jugendlichen immer wieder Chancen, bei denen andere Betriebe dankend ablehnen würden. Und damit fährt er gut. “Ich habe selbst nur einen Hauptschulabschluss und weiß wie steinig der Weg zum Erfolg ist”, sagt Feik. Der Maschinenbauer kooperiert mit der Hauptschule in Bramsche. “So haben wir schon viele gute Leute gewonnen, die heute fest zum Team gehören”, freut sich Feik. Gerade in Zeiten, wo überall über den wachsenden Fachkräftemangel diskutiert werde, fahre sein Betrieb mit diesem Ansatz sehr gut. “Natürlich merken auch wir das die Zahl der Bewerbungen zurückgeht. Aber nicht zuletzt durch die Kooperation mit der Schule, kommen wir ganz gut hin.”

Insgesamt beschäftigt Feik 26 Mitarbeiter. Vier davon sind in der Ausbildung. Der Maschinenbaubetrieb in Bramsche ist in der Dreh- und Schweißtechnik zu Hause. Neben der Fertigung von Spezialteilen, sind Feik und seine Mitarbeiter zur Stelle, wenn es um Reparaturen geht. “Steht zum Beispiel bei Coppenrath ein Band still, klingelt bei uns das Telefon”, veranschaulicht Feik. Und auch dann zahlt sich sein Engagement aus: “Denn auch wenn wir Nachts ran müssen oder am Wochenende, zieht meine Mannschaft richtig gut mit.”

Engagement für Auszubildende als eine Antwort auf den Fachkräftemangel? Warum Feik mit diesem Ansatz nicht allein dasteht, lesen Sie auf der nächsten Seite.

Antwort auf den Fachkräftemangel

“Wir sind stolz auf unsere Betriebe”, sagt Sven Ruschhaupt, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim. Den Anlass liefert eine Statistik, genauer: eine Kennzahl. 2014 befanden sich fast 7900 Menschen in seinem Kammerbezirk in einer Ausbildung. Im Verhältnis zu den etwas mehr als 10.600 Betrieben ist das viel – über 73 Prozent. Zum Vergleich: Im Bundesdurchschnitt liege der Wert bei knapp 38 Prozent, berichtet Ruschhaupt. Nahezu alle Kammern im Verbreitungsgebiet dieser Zeitung liegen zum Teil deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Warum das so ist? “Viele Betriebe - und nicht nur deren Chefs - haben erkannt, wie wichtig die Ausbildung gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist”, sagt der Hauptgeschäftsführer.

Auch die Handwerkskammern helfen den Betrieben bei dieser Aufgabe: Die Kammer Magdeburg hat zum Beispiel 2010 die Berufsfindungsmesse HANDWERK4YOU ins Leben gerufen. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt unter anderen die Kammer Oldenburg mit dem Tag der Ausbildung im Berufsbildungszentrum. Und auch in Osnabrück sei die Ausbildung „ein echtes Herzensthema“, berichtet Sven Ruschhaupt.

Doch nicht nur die Zahlen haben die Kammern im Fokus. „Denn die hohe Ausbildungsquote allein sagt ja noch nichts über die Qualität der Ausbildungsangebote aus“, erklärt Ruschhaupt. Daher engagieren sich die Kammern für mehr Qualität in der beruflichen Bildung, schaffen Workshop-Angebote und Unterlagen, um Betriebe bei der Verbesserung der Qualität ihrer Ausbildung zu helfen. “Wir haben zum Beispiel ganz aktuell ein in Hannover bereits erprobtes Modell zur Verbesserung der Ausbildungsqualität übernommen”, sagt Ruschhaupt. Ein Übriges tun Angebote wie familienfreundliche Arbeitszeitmodelle, die ebenfalls dazu beitragen, Auszubildende und Mitarbeiter an die Betriebe zu binden.

Dass solche Maßnahmen und persönliches Engagement zum Erfolg führen, zeigt wieder das Beispiel von Thomas Feik und seiner Auszubildenden Alisa Oevermann: “Ich glaube fest daran, dass Alisa auch die Abschlussprüfung schafft und dann ist sie auf dem besten Weg zum ursprünglichen Ausbildungsziel Feinwerkmechanikerin”, freut sich Feik mit seiner Auszubildenden.

Mehr über den Betrieb von Thomas Feik, sehen Sie im Video auf der letzten Seite.

Engagement für Azubis

(ha)

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