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Andere Länder, andere Sorgen

Italien: Selbstmordserie kleiner Unternehmer

Zwei Länder, zwei Stimmungsberichte aus dem Handwerk. Deutschland: fast hysterisch positiv. Italien: Die Zahl der Selbstmorde steigt. Was ist da bloß los?

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Diese Pressemitteilung der Berliner Handwerkskammer ist derart positiv, dass sie fast unlesbar ist. Ein Jubelsturm der positiven Begriffe. Stabiler Aufwärtstrend - bester Frühjahrswert - positive Urteile - Handwerksbetriebe sehr optimistisch - Verbesserung der Geschäftslage - Robustheit des Aufwärtstrends - Auftragsbücher gut gefüllt.

Besonders bemerkenswert wird dieser Konjunkturbericht, wenn man den direkten Vergleich zu den Kollegen in Italien zieht. Dass sich dort bereits 23 Inhaber kleiner Unternehmen in diesem Jahr das Leben genommen haben, berichtet die österreichische Tageszeitung Der Standard.

Was es mit der Selbstmordserie auf sich hat, lesen Sie auf Seite 2.

Unternehmerischer Alarmschrei

Selbstmord
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Der Standard beruft sich auf Angaben des italienischen Verbandes für Kleinunternehmer und Handwerker (Associazione Artigiani Piccole Imprese). Kurz: CGIA.

Der immer gleiche Grund für die Selbstmorde: Zahlungsunfähigkeit. Von einem "Alarmschrei" spricht CGIA-Generalsekretär Giuseppe Bortolussi, die Betriebe würden vor allem unter der miesen Zahlungsmoral leiden. Fatal: Ein Teil der "Zahlungsverzögerungen" gehe zulasten des Staates.

Insgesamt hat sich die Wachstumskrise in Italien seit Anfang 2012 verschärft, hohe Steuern (durchschnittlich 45 Prozent des Einkommens) dämpfen den Konsum. Auch ein Signal: Der Stromverbrauch im März ist im Jahresvergleich um 5 Prozent gesunken – nahezu im Gleichschritt mit der industriellen Produktion. "Wir sind voll in der Rezession", zitiert Der Standard Wirtschaftsminister Corrado Passera.

Was Passera wohl denken würde, wenn ihm jemand die aktuelle Pressemitteilung der Berliner Handwerkskammer auf den Schreibtisch legen würde? Bei diesen Zitaten dürften dem Minister die Ohren klingeln: "Die Auftragsreserven betragen über alle Branchen betrachtet 7,6 Wochen, die Betriebskapazitäten sind zu 80 Prozent ausgelastet. Für die kommenden sechs Monate gehen die Betriebe mehrheitlich davon aus, dass sie mit einer steigenden Nachfrage planen können." Und ganz nebenbei: "Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge konnte gesteigert werden."

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(sfk)