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Auftragsvermittler

Professionelles Gequatsche – amateurhafte Reaktion

Und wieder ein Stern am Auftragsvermittler-Himmel: P.R.O. nennt sich das jüngste „Unternehmen“. Interessant sind die Details aus dem Gesprächsleitfaden, mit dem die P.R.O.-Akquisiteure Betriebsinhaber in die Zentrale nach Frankfurt am Main locken sollen.

fassungslos
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Wie würden Sie reagieren, wenn Ihr Telefon klingelt und der Anrufer exakt Ihr Gewerk in Ihrer Umgebung sucht? Und wenn der unbekannte Gesprächspartner Sie dann noch fragt, ob "zwei bis drei kleinere Projekte im Vierteljahr realistisch" sind? Weil das zwar toll klingt, Ihnen aber vielleicht auch merkwürdig erscheinen würde, könnten Sie unverbindlich reagieren: „Sie können mir ja die Unterlagen erstmal schicken.“ Vorsicht. Nach diesem Satz sitzen Sie schon in der Falle. Denn die Gesprächsleitfäden, mit denen Auftragsvermittler arbeiten, decken alle Eventualitäten eines Telefonats ab.

Obwohl P.R.O. offenbar erst vor wenigen Wochen ins Leben gerufen wurde, liegt der handwerk.com-Redaktion bereits der aktuelle Leitfaden vor. Danach müsste Ihnen der P.R.O-Akquisiteur entgegnen: „Ich schicke niemanden ein Projekt, den ich nicht persönlich kenne. Erst wenn ich weiß, mit wem ich es zu tun habe, wenn ich diese Person schon mal persönlich kennengelernt habe, entscheide ich, ob ich die Unterlagen herausschicke.“ Ein Termin in der P.R.O. „Deutschland Repräsentanz“ in der Eschersheimer Landstraße 55 in Frankfurt am Main wäre die logische Folge.

Wie sich konkrete Aufträge auf wundersame Weise in sogenannte "Auftragsnachfragen" verwandeln, lesen Sie auf Seite 2.

Konkrete Aufträge verwandeln sich in Auftragsnachfragen

Vertrag
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Der P.R.O.-Leitfaden unterscheidet sich kaum von den Vorlagen, mit denen die Telefonakquisiteure früherer Auftragsvermittler wie Zweig Planungsbüro in Hannover oder Stern Engineering in Offenbach gearbeitet haben. Und auch der P.R.O.-Vertrag, den die Betriebe unterschreiben sollen, enthält Formulierungen früherer Zeiten. Die verlockenden Aufträge und Projekte haben plötzlich einen anderen Namen: „Die Fa. P.R.O. akquiriert dauerhaft Auftragsnachfragen, die in einem bundesweiten Arbeitsradius um den Sitz des Handwerksbetriebes liegen:" Auftragsnachfragen!

Wir haben P.R.O. – unter anderem – mit einer Frage konfrontiert, die wir erst kürzlich den Auftragsvermittlern von F.O.R. Plan Inc. in Köln gestellt hatten: "Wie viele Referenzbetriebe haben bislang durch die Vermittlung Ihres Planungsbüros konkrete Bauvorhaben abgewickelt?"

Genau wie F.O.R. hat auch P.R.O. die Presseanfrage nicht beantwortet. Und noch eine Gemeinsamkeit – die Ähnlichkeit der Firmennamen – dürfte kein Zufall sein. Vieles deutet darauf hin, dass hinter beiden Unternehmenskonstrukten die selbe und bekannte Person steht. Der Mann lässt sich seine „Arbeit“ mit 4200 Euro netto pro Vertrag vergüten (Stand: Februar 2011).

(sfk)