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Exoskelett für Monteure

Roboanzug mit Coolnessfaktor

Mit dieser Erfindung aus Süddeutschland geht die Arbeit viel leichter von der Hand. In Kürze soll sie ihre Fähigkeiten im Arbeitsalltag beweisen. Sind Sie bereit für den Roboteranzug?

Starke Jacke
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Starke Jacke - Das Exoskelett des Fraunhofer Instituts verleiht seinem Träger mehr Kraft.
Das Exoskelett des Fraunhofer Instituts verleiht seinem Träger mehr Kraft.
Foto: Denny Gille

Arbeit macht krank. Das ist nicht nur eine Phrase, sondern oft Realität. In Deutschland sind laut Robert-Koch-Institut gut 12 Millionen Menschen betroffen. Ein Grund: „Ungesunde Spitzenlasten in Folge harter körperlicher Arbeit“, erklärt Dr. Urs Schneider. Schneider ist Mediziner, vor allem aber ist er Forscher am Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA).

Ein Skelett für Extra-Power
Schneider und sein Team haben den ungesunden Spitzenlasten den Kampf angesagt. Sie wollen Monteuren die Arbeit mit einer Art Roboteranzug erleichtern. Das ist ein außen liegendes Skelett, das seinem Träger zusätzliche Kraft verleiht.

Die Vorteile: „Die Menschen bleiben länger gesund“, sagt Schneider, „berufliche Folgeschäden zögern wir damit hinaus.“ Die Träger des Anzugs fühlen sich am Abend nach einem langen Arbeitstag fitter. „Zudem könnte das Exoskelett körperlich sehr fordernde Berufe für Frauen attraktiver machen“, sagt Schneider.

„Macht jede Bewegung mit“
Und so funktioniert es: Das Exoskelett wird wie ein Rucksack aufgesetzt. Seine beweglichen Schienen werden an Ober- und Unterarmen fixiert. Der Anzug hat überall dort Gelenke, wo der menschliche Körper sie benötigt um sich frei bewegen zu können. „Er macht jede Bewegung mit, ohne seinen Träger einzuschränken“, sagt Schneider.

Die Konstruktion verfügt über insgesamt vier Motorgelenke. Von denen leistet jeder 35 Newtonmeter. „Das reicht zum Beispiel für sehr entspanntes Überkopfarbeiten“, sagt Schneider. So stützt der Anzug bei Deckenmontagen, oder Schraubarbeiten unter einer Hebebühne. Damit das funktioniert, messen Sensoren an Ober- und Unterarm die Belastung. „So lange man sich nicht in eine andere Richtung bewegt, bremsen die Motoren die Arme in der Position an – so werden sie bei der Arbeit nicht schwer“, sagt Schneider.

Will Arbeit erleichtern
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Will Arbeit erleichtern - Der Mediziner und Forscher Dr. Urs Schneider.
Der Mediziner und Forscher Dr. Urs Schneider.
Foto: Denny Gille

Zielmarke: 32,5 Kilogramm
Zudem hilft der Anzug beim Heben schwerer Lasten. Dafür haben die Forscher einen manuellen Schalter eingebaut. Wer Lasten von zehn Kilogramm hebt, bekommt aktuell 20 Prozent mehr Kraft dafür. Da ist aber noch nicht Schluss. „Wir sind noch in den Belastungstests“, erklärt Schneider. Die Zielmarke: 32,5 Kilo.

Für die angebremsten Überkopfarbeiten soll das System eine Akkulaufzeit von acht Stunden haben. Eine Stunde streben die Entwickler für die Spitzenlasten an. Ab Herbst lassen sie das fertige System für die Feinabstimmung von Monteuren eines Industrieunternehmens testen. In weniger als zwei Jahren soll der Anzug serienreif sein. Geplanter Startpreis am Markt: 30.000 Euro.

So wichtig ist der Coolnessfaktor
Und was mag der Forscher an seinem Projekt? Vor allem die Eigenschaft, dass sie ihren Träger nicht einschränkt, sagt Schneider. „Wir machen eine Jacke, die dumm und schnell ist.“ Das sei im Vergleich mit der internationalen Konkurrenz ein Alleinstellungsmerkmal. Und die Maschine ist noch etwas: ganz schön cool. Schneider legt da Wert drauf. Aus einem einfachen Grund. „Man muss mit solchen Produkten immer ein klein wenig cooler aussehen als ohne“, sagt der Forscher. „Ohne diesen Coolnessfaktor setzen sie sich nicht durch.“

(deg)

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