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Was junge Mitarbeiter wirklich wollen

So binden Sie junge Fachkräfte richtig

Mitarbeitern geht es nicht nur ums Geld. Eine Studie aus dem Handwerk zeigt: Wer junge Fachkräfte gewinnen und binden will, muss sich auf andere Faktoren konzentrieren.

Geld alleine überzeugt junge Fachkräfte nicht.
Fachkräfte binden
Geld alleine überzeugt junge Fachkräfte nicht. - Wichtiger sind konkrete Perspektiven und gezielte Anleitung!
Wichtiger sind konkrete Perspektiven und gezielte Anleitung!
Foto: djama - Fotolia.com

Was wollen junge Gesellen wirklich? Wie können Handwerker ihre Lehrlinge nach der Ausbildung an sich binden? Diese Fragen hat das Ludwig-Fröhler-Institut untersucht. Und weil ein Azubi die Welt meistens noch etwas anders sieht als ein Geselle mit ersten Erfahrungen, haben die Wissenschaftler besonders gründlich geforscht: 100 Mitarbeiter haben sie zweimal nach ihren Anforderungen an Arbeitgeber befragt – das erste Mal während der Ausbildung, das zweite Mal als junge Gesellen.

Die Ergebnisse der Studie sind überraschend – und bieten nützliche Tipps für die Mitarbeiterbindung. Auch Betriebe auf der Suche nach jungen Fachkräften können daraus lernen. Worauf es ankommt, weiß Markus Glasl, Mit-Autor der Studie und Experte für Mitarbeiterbindung:

1. Finanzielle Anreize nicht übertreiben!
Geld ist nicht unwichtig, doch „übertriebene Anreize“ bringen wenig. „Das ändert sich erst später: Wenn ein Mitarbeiter älter wird, eine Familie ernähren muss und finanzielle Verpflichtungen hat, gewinnt Geld an Bedeutung.“ erläutert Glasl.

Doch Auszubildende seien es noch gewohnt, mit weniger Geld auszukommen, solange ein „gewisses Niveau gegeben ist und man davon leben kann“. Doch was darüber hinausgeht, spiele in jungen Jahren keine so große Rolle. Wichtiger sind andere Dinge.

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2. Perspektiven konkret und verbindlich aufzeigen!

Junge Fachkräfte wollen der Studie zufolge eine Perspektive: Weiterbildung und Aufstiegsmöglichkeiten. Hier sei das Handwerk im Vorteil, betont Glasl: „In der Industrie gibt es zwar vielleicht mehr Entwicklungsmöglichkeiten, aber die bleiben oft unspezifisch und schwer vorstellbar.“

Arbeitgeber im Handwerk kennen hingegen den Weiterbildungsbedarf sehr genau und wissen relativ zuverlässig, welche Positionen in Zukunft konkret zu besetzen sind. „Das bietet die Chance, als Arbeitgeber gemeinsam mit dem jungen Gesellen einen Plan zu machen, damit der Mitarbeiter diese Position später erfolgreich übernehmen kann.“

Es genügt dabei nicht, sich auf die Eigeninitiative der Mitarbeiter zu verlassen, betont der Experte: Junge Fachkräfte brauchen detaillierte Informationen, konkrete Pläne und verbindliche Zusagen für Weiterbildung und Aufstieg. Und sie brauchen Zeit, diese Pläne umzusetzen. „Ein Betrieb sollte seine Mitarbeiter für die Weiterbildung nach Möglichkeit freistellen und ihnen dafür vielleicht sogar eine konkrete Zahl an Tagen zusichern.“

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3. Selbstbestimmte Arbeiten in Maßen!

Die Möglichkeit, selbstständig und selbstbestimmt zu arbeiten, gilt weithin als Pluspunkt im Handwerk. Die Studie zeigt indes: Zu viel Selbstständigkeit empfinden viele junge Fachkräfte als belastend. „Gerade junge Fachkräfte müssen nach der Ausbildung noch vieles lernen. Sie übernehmen dann neue Aufgaben und wollen dabei Unterstützung und Führung“, berichtet Glasl.

Generelle Empfehlungen seien hier allerdings schwierig. „Es gibt bestimmt viele sehr selbstständige Mitarbeiter, aber vor allem ganz junge Fachkräfte fühlen sich häufig überfordert.“ Daher sei es wichtig, bei neuen Aufgaben gemeinsam mit dem Mitarbeiter dessen Fähigkeiten zu analysieren und ihnen je nach Bedarf einen erfahrenen Kollegen zur Seite zu stellen.

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4. Arbeitsklima ist Chefsache!

Ein gutes Arbeitsklima ist ein starker Bindungsfaktor. Auch jungen Fachkräften ist ein gutes Verhältnis zu den Kollegen und zum Vorgesetzten sehr wichtig, wie die Studie belegt.

Für das Verhältnis der Mitarbeiter untereinander könnten Arbeitgeber einiges tun, sagt Glasl: „Regelmäßige Besprechungen und gemeinsame außerbetriebliche Aktivitäten fördern den Zusammenhalt sowie den Teamgeist.“

Und wie sieht es mit dem Verhältnis zum Chef aus? 
Glasl empfiehlt regelmäßigere Gespräche zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern, in denen es zum Beispiel um Ziele, aktuelle Probleme und Verbesserungsvorschläge gehen könnte.

Doch vor allem rät der Experte den Chefs, ihre persönlichen Beziehungen zu den Mitarbeitern zu verbessern, ebenso wie ihre kommunikativen Kompetenzen und Führungsfähigkeiten. Hier hätten viele Betriebe „große Mängel“. Ein echtes Warnsignal sei die Abbrecherquote in der Ausbildung: „Nahezu jeder dritte Ausbildungsvertrag wird vorzeitig gelöst und bei fast 40 Prozent aller Azubis ist das Betriebsklima ein wichtiger Grund dafür.“

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(jw)