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Eigenverbrauch als clevere Alternative

Strom vom Balkon

Holger Laudeley installiert Solaranlagen mit Stromspeicher für die unabhängige Energieversorgung. Ein eigenes Dach brauchen seine Kunden dafür nicht, zur Not tut es auch der Balkon. Seine Solaranlage kann man einfach aufhängen und einstöpseln.

Strom vom Balkon
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Strom vom Balkon - Mit der Solaranlage von Holger Laudeley geht es auch ohne Dach
Mit der Solaranlage von Holger Laudeley geht es auch ohne Dach
Foto: Laudeley

Von Nicole Weinhold

Holger Laudeley ist Protagonist in dem Film „Leben mit der Energiewende“, der bisher schon allein auf YouTube rund 37 000-mal angeschaut wurde. Außerdem läuft er als Open-Source-Film in Kinos und an Schulen in ganz Deutschland. Der Energiewendestar aus Ritterhude nimmt kein Blatt vor den Mund. „Jetzt wird der Kampf geführt. Die bisherige zentralistische Energieerzeugungsstruktur muss durchbrochen werden“, sagt der technische Kopf der Firma Sun Invention. Als Laudeley Betriebstechnik seit 1982 aktiv, vertreibt und installiert der Handwerksbetrieb Photovoltaikanlagen und Stromspeicher.

In dem Film stellt der Elektro- und Kälteanlagenmeister die von seiner Firma entwickelte Solaranlage für den Balkon vor. Der Kunde kann sie selbst aufhängen. Der Stecker kommt in die Steckdose und der Strom fließt in den Haushaltsstromkreis. Einfacher geht es nicht.

„Das ist ein System für den kleinen Mann“, sagt Laudeley. „Jeder, der Photovoltaik-Strom erzeugen möchte, kann das machen und das System am Balkon, der Fassade oder auf der Garage flexibel einsetzen.“ Damit ist es ein Eigenverbrauchsmodell, das nicht nur den Hausbesitzer anspricht. Unumstritten ist es gleichwohl nicht: Der Verband der Elektrotechnik in Frankfurt warnt, Schutzfunktionen in der Steckdose könnten durch das Einstöpseln des Geräts möglicherweise nicht mehr voll greifen. Ein Fachmann sollte also hinzugezogen werden.

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Wie viel kann solch eine Balkonanlage leisten?

„Mit dem System reduzieren unsere Kunden ihre jährliche Stromrechnung um bis zu 30 Prozent – je nach Anzahl der Module im System und abhängig vom individuellen Energieverbrauch amortisiert sich die Erstinvestition nach sechs bis zehn Jahren“, sagt Laudeley.

Gleichzeitig weist er darauf hin, dass die Anlage im Erdgeschoss wegen der Abschattung rund 20 Prozent weniger Leistung bringt, als im fünften Stock. Das Solarmodul mit 195 Watt kann mit oder ohne direkt integriertem Lithium-Ionen-Speicher mit 0,43 Kilowattstunden Eingangsleistung bezogen werden.

Inzwischen gibt es zudem eine ganze Palette an Angeboten für die Komplettversorgung. Die Eigenversorgung ist günstiger als der Strom aus der Steckdose. Allerdings nur so lange, bis ein Speichermedium ins Spiel kommt: Wer sich komplett unabhängig versorgen will, zahlt derzeit noch etwas mehr, weil die Speichertechnologie noch jung ist.

Sobald hier große Stückzahlen erreicht werden, sinken die Preise. „Im Gegensatz zu einigen anderen Installateuren kann ich den Kunden vermitteln, wie sich der Einsatz des Speichers rechnet“, sagt Laudeley. Zum Beispiel durch Wahl des richtigen Mediums mit niedrigen Kosten und hoher Lebensdauer. Um die Speicher in sinnvolle Systeme einzubinden, brauche man in Deutschland viele kompetente Handwerker. „Denn ohne Handwerker geht es nicht, weil der Endkunde nur ihm vertraut“, betont der Elektroinstallateur.