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Kaum zu ertragen

Übler Auftritt – übles Image

Alles geht schief, Pseudoprofis erkennen nicht das kleinste Problem. Diesmal war es der WDR, der das Handwerk getestet hat. Immerhin entschädigen die komischen Anteile (ein wenig) für das Imagedesaster.

Verdammt, wen rufe ich an?
Handy Ärger Brille
Verdammt, wen rufe ich an? - Vielleicht einen (echten) Fachbetrieb?
Vielleicht einen (echten) Fachbetrieb?
© Maksim Kostenko - Fotolia.com

Schon seltsam, das Fazit am Ende des Beitrags ist völlig in Ordnung. Es lautet: Lieber Kunde, wende Dich im Fall der Fälle an Fachfirmen, die sich konkret mit Deinem konkreten Problem auskennen. Denn 0800-Nummern und marktschreierische 24 Stunden-Notdienste sind nicht unbedingt die erste Wahl.

Bis diese Erkenntnis greift, sind einige Fernsehminuten der WDR-Sendung „Servicezeit“ vergangen. Schlimme Minuten.

Wie üblich hat ein Experte einen Fehler kreiert, im aktuellen Beitrag geht es um ein defektes Garagentor eines Privathauses in Pulheim (nahe Köln). Der Sachverständige Markus Macal sorgt für eine Überspannung an den Torsionsfedern, dadurch empfängt der Motor des Tors die Falschmeldung, ein Hindernis sei im Weg. Der Motor stoppt zu früh. Normalerweise kein Problem für einen Profi.

Der Lockvogel – eine Kundin, die verzweifelt vor ihrem halboffenen Garagentor steht – ruft die erste Firma an. Und dann wird’s lustig.

Nächste Seite: Dynamisches Duo – kompliziertes Display.

Völlige Ahnungslosigkeit

Was soll das jetzt wieder heißen?
Brille Fragezeichen blind
Was soll das jetzt wieder heißen? - Diagnosegeräte muss man auch lesen können!
Diagnosegeräte muss man auch lesen können!
© lassedesignen - Fotolia.com

„Der erste Fachbetrieb hat sich für Punkt 10 Uhr angekündigt, aber das wird schon mal nichts“, sagt eine leicht spöttische Stimme aus dem Off. Tatsächlich schlagen die Handwerker zweieinhalb Stunden zu spät auf. Sie sind zu zweit, aber ohne Leiter. Die Kundin muss aushelfen.

Und es geht unprofessionell weiter, das Duo fischt im Trüben – oder ist einfach nicht in der Lage, das Display eines Diagnosegerätes richtig zu lesen.

Markus Macal betrachtet die Arbeit über eine versteckte Kamera: „Ich könnte nicht beschreiben, was man hier versucht – das ist die absolut falsche Vorgehensweise.“ Der Sachverständige konstatiert „völlige Ahnungslosigkeit“. Allerdings hat das dynamische Duo seine eigene Sicht der Dinge, der Motor des Tors sei defekt.

Der Kundin käme dieser Falschbefund teuer zu stehen. Wenn der Motorkopf komplett erneuert werden müsste, würden am Ende mehrere hundert Euro auf der Rechnung stehen. Und das eigentliche Problem wäre nicht gelöst. Außerdem verlangen die Pseudoprofis für ihren Einsatz 160 Euro Arbeitspauschale plus 45 Euro Afahrt plus Mehrwertsteuer plus ... Zeit für Markus Macal, die Handwerker mit ihrer Arbeit zu konfrontieren.

Nächste Seite: Dieser Dialog ist frech – und ehrlich.

„Trotzdem kriege ich das Geld“

Macal: „Zu welchem Ergebnis sind Sie denn jetzt gekommen?“
Pseudoprofi: „Dass der Schalter kaputt ist.“
Macal: „Welcher Schalter wäre das?“
Pseudoprofi: „Von dem Motor, was sonst?“
Macal: „Wir haben die Federspannung erhöht, das ist alles. Es ist nichts am Motor, da ist alles in Ordnung.“
Pseudoprofi: „Was wollen Sie mir jetzt sagen?“
Macal: „Dass es leider nicht sehr professionell war, was Sie hier gemacht haben.“
Pseudoprofi: „Ist doch nicht schlimm. (Er lacht) Trotzdem kriege ich jetzt das Geld.“

5 Minuten und 15 Sekunden des achteinhalb Minuten-Beitrags sind vergangen. Durchatmen. Endlich ist die Zeit für das (halbwegs) positive Finale des Beitrags gekommen. Der Mitarbeiter der zweiten Firma tritt professionell und vor allem freundlich auf, seine Arbeit ist günstiger und er findet eine Art Übergangslösung (nur das eigentliche Problem erkennt auch er nicht). Die dritte Firma hilft der Kundin sogar kostenlos via Ferndiagnose aus der größten Not, die Kundin kann das Tor erst einmal schließen – ein starker Service.

Und Markus Macal darf am Ende sagen: „Wenn man einen seriösen Handwerker sucht, gibt es zwei sehr, sehr gute Möglichkeiten. Die eine ist die Mund-zu-Mund-Propaganda.“ Und die andere Alternative? „Über die Handwerkskammer gehen und sich dort einen entsprechenden Betrieb aussuchen.“ Ansonsten helfe die regelmäßige Wartung eines örtlichen Meisterbetriebes. Dann gäb’s weder Probleme noch „dubiose Schrauber“, die am Ende richtig teuer sind.

Neben seiner Arbeit als Sachverständiger ist Macal auch Geschäftsführer der alm-Tor GmbH in Moers. Was in dem WDR-Beitrag nicht erwähnt wird, verrät Macal im Gespräch mit handwerk.com: "Ein richtiger Torprofi, der wirklich spezialisiert ist, löst so ein Problem in 3 Minuten. Ich habe mich vorhin mit einem unserer Monteure darüber unterhalten. Das Tor aus dem Beitrag hatte einen Allerweltsantrieb, da waren wir einer Meinung – so einen Antrieb muss jeder Torprofi kennen."

Aber seriöse Firmen zeigen? Und souveräne Arbeit? Das ist nicht spektakulär – zumindest nicht spektakulär genug für die Anmoderation und die ersten Minuten eines Fernsehbeitrags.

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(sfk)

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