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Jürgen Schneider hilft Handwerkern

Vom Baulöwen zum Berater

Jürgen Schneider ist wieder da. Der 1997 wegen Betrugs verurteilte "Baulöwe" berät jetzt kleine Betriebe, damit sie nicht von "gerissenen Bauherren" über den Tisch gezogen werden. Uns hat er einige Tipps für Sie verraten.

Damit Handwerker nicht abgezockt werden:
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Sein "aufregendes Unternehmerleben" möchte Jürgen Schneider jetzt mit anderen teilen. Die Zielgruppe seiner Beratung seien „junge mittelständische Unternehmen“, sagt der 78-Jährige. Sie könnten von seinen Erfahrungen profitieren und „nicht die gleichen Fehler machen, wie ich“.

Können seine Mandanten heute ausblenden, dass auch er etliche Handwerker auf Kosten hat sitzen lassen? „Das sollen sie gerade gar nicht“, sagt Schneider. Genau das sei das Besondere an seiner Beratung. Die Summe aller Erfahrungen seiner Arbeit – ob gut oder schlecht – will er nun weitergeben.

Er erlebe manch kleinen Betrieb als hilflos und unerfahren. Mit seiner Erfahrung aus der Praxis habe er schon einige Betriebe zu "gesunden Unternehmen" gemacht.

Wie? Indem er genau hinschaut, was Bauherren ihren Auftragnehmern zumuten. Im Gespräch mit der handwerk.com-Redaktion hat er einige Tipps genannt.


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Ein Hauptproblem, das Schneider sieht: Bauherren werden immer gerissener und Handwerker immer ratloser. Bauherren suchten regelrecht nach Mängeln, um Preise zu drücken oder Zahlungsziele zu verschieben.

Tipp 1: Lassen Sie Verträge von Praktikern prüfen
Verträge sollten laut Schneider generell nur schriftlich gemacht werden. Bevor Sie jedoch Ihre Unterschrift leisten, sollten Sie Verträge prüfen lassen. „Da reichen oft Rechtsanwälte nicht aus“, sagt Schneider. Er rät, einen Praktiker zu konsultieren, der mögliche Fallen der Bauherren erkennt.

Schneider weist darauf hin, dass viele Ausschreibungen entweder unvollständig oder nicht richtig sind. Das zeige sich erst nach genauer Prüfung. So werden beispielsweise Hauptleistungen zu Nebenleistungen gemacht.

Beispiel: Bei Rohbauarbeiten ist die konkrete Position "Baustelleneinrichtung" eine Hauptleistung. Sie wird in einer getrennten Position ausgeschrieben.

Das Zurverfügungstellen dieser Baustelleneinrichtung (oder Teile davon)
an andere Unternehmer, die auf der Baustelle tätig sind, ist auch eine Hauptleistung und muss in einer getrennten Position deutlich ausgeschrieben werden. Nur dann kann das Rohbauunternehmen sauber kalkulieren.

Jedoch wird diese Hauptleistung in den Seiten der Vorbemerkung zum Leistungsverzeichnis einfach zur Nebenleistung erklärt und nicht gesondert vergütet. Das ist laut Schneider unzulässig.

„Derartige Fallen werden in der Kalkulation dann oft übersehen“, sagt Schneider. Er appelliert: „Prüfen Sie das Leistungsverzeichnis und den Vertrag auf seine absolute Richtigkeit.“

Und bevor nicht alles unterschrieben und von beiden Seiten abgesegnet ist, sollten Sie auf der Baustelle keinen Handschlag machen, sagt er. Dies gilt auch für jeden einzelnen Nachtrag.

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Tipp 2: Verlangen Sie eine Zahlungsgarantie vom Bauherren

Dass Betriebe in Vorleistung gehen, ist normal. Doch den Rahmen können Sie selbst bestimmen, sagt Schneider. Indem Sie beispielsweise in kurzen Abständen – Schneider rät zu 14 Tagen – Zwischenrechnungen stellen. Warten Sie nicht zu lange mit den Abschlagszahlungen. Bei Zahlungsverzug: Erst wenn das Geld eingetroffen ist, arbeiten Sie weiter.

Ein verlässlicher Weg, an Geld zu kommen, ist laut Schneider eine Zahlungsgarantie in Form einer Bankbürgschaft. Somit stellen Sie sicher, dass der Bauherr alle Abschläge zahlen kann und müssen nicht bangen, ob das Geld bei Ihnen ankommt.

Und was hält Schneider von einer Anzahlung vor Arbeitsbeginn? „Das ist schwierig, manche Bauherren reagieren da verschnupft“, sagt er. Wichtig ist, dass Bauherr und Handwerker fair miteinander umgehen: Der Handwerker liefert eine Gewährleistungbürgschaft und der Bauherr stellt eine Zahlungsbürgschaft. Dann ist das Verhältnis ausgeglichen.

Tipp 3: Liefern Sie immer nur gute Arbeit ab!
Wenn Sie stets eine Top-Qualität abliefern, verringern Sie das Risiko, dass Zahlungen nicht eingehen. Laut Schneider suchen Bauherren gezielt nach Mängeln, um ihre Kosten zu senken. Und: Wenn erstmal Mängel da sind, dauert es lange, bis Sie an Ihr Geld kommen. Vielleicht ziehen Sie am Ende den Kürzeren.

Aber: Wenn Sie erst keine Mängel verursachen, kann es zu diesen Problemen nicht kommen.

Nächste Seite: Das rät Schneider Handwerkern im Umgang mit Banken.

Tipp 4: Beachten Sie die Marktsituation

Gehen Sie immer davon aus, dass die Bank Geschäfte machen will. Schließlich sind Sie Kunde! Fragen Sie mehrere Banken an, wenn Sie bei der ersten nicht weiterkommen und haben Sie Geduld.

Tipp 5: Stellen Sie sich gut dar!
Wichtig ist, dass Sie sich und Ihr Unternehmen bei der Bank gut präsentieren können. „Stellen Sie Ihr Pfauenrad auf, machen Sie sich hübsch“, rät Schneider. Und das müssen Sie auch belegen. Nur: Belege müssen sorgfältig vorbereitet sein. Das bedarf einer Vorlaufzeit. Nehmen Sie sich also im Vorfeld die Zeit, dann können Sie das Vertrauen der Bank eher gewinnen und hinterlassen einen guten Eindruck.

Holen Sie sich auch hier Rat ein, wenn Sie mit der Vorbereitung für das Bankgespräch nicht alleine klarkommen. Es kann sich lohnen, in Expertenrat zu investieren, sagt Schneider.

Tipp 6: Halten Sie die Bank auf dem Laufenden!
Haben Sie einen Kredit bekommen, müssen Sie alles dafür tun, dass die Bank ihn nicht wieder kündigt. Das Beste ist, die Bank regelmäßig zu informieren, was in Ihrem Betrieb los ist.

„Auch wenn die Zeiten ungünstig sind, müssen Sie da mit offenen Karten spielen“, sagt Schneider. Nichts sei schlimmer, als wenn die Bank Negatives in der regionalen Presse lese oder von einem Dritten erfährt. Das belastet das Vertrauensverhältnis.

Je transparenter Sie also mit Neuigkeiten der Bank gegenüber umgehen, desto sicherer können Sie sein, dass Ihr Kredit nicht überraschend gekündigt wird.

Nächste Seite: Würde sich ein Handwerker, der damals von Schneider sitzengelassen wurde, heute von ihm beraten lassen?


"Vertrauen ohne Einschränkung"


Thomas Hauck aus Markranstädt in Sachsen kann gut verstehen, dass Schneider jetzt beratend tätig ist. „Mit der Erfahrung macht ihm so schnell keiner was vor“, sagt der Malermeister.

Auch er würde heute Tipps und Tricks von ihm annehmen – obwohl er damals zittern musste. Denn Hauck war mit an dem Bau einer Villa in Leipzig beteiligt, die Schneider in Auftrag gegeben hatte.

Auf einem sechsstelligen D-Mark-Betrag drohte er sitzenzubleiben. Schließlich sprangen die Banken ein und der Handwerksmeister hat nicht unter Schneiders „Hinterlassenschaften“ gelitten – alles Geld hat er zurückbekommen.

Deshalb würde er „ohne Einschränkungen“ Schneiders Beratungsleistung in Anspruch nehmen. Gerade was den Umgang mit Banken anbelangt, ist Hauck schier verzweifelt. „Da gibt es keine mehr, die Partner der kleinen Handwerker ist“, schimpft Hauck.

Wenn Sie Kontakt zu Jürgen Schneider aufnehmen wollen, schreiben Sie uns!


(ja)


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