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Dolle Wurst

Wir bekennen uns schuldig

Ein halbes Jahr Bild-Kolumne auf handwerk.com: In Folge 26 beichten wir ein schlimmes Vergehen.

Beichte
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Montag, 4. Juli 2011
Bild feiert sich heute selbst als „meistzitiertes Medium Deutschlands“. Mist. Ich bekenne mich schuldig: Ja, ich habe Bild zitiert. Und ja: Ich zitiere Bild jetzt schon seit einem halben Jahr. Zu allem Überfluss musste ich mir vorhin ansehen, wie die Fußballnationalspielerin Simone Laudehr in einem TV-Spot sagt: „Die Bildzeitung ist die beste Zeitung, die wir in Deutschland haben.“ Kein guter Tag.

Dienstag, 5. Juli
Vielleicht bin ich doch nicht schuld daran, dass Bild so oft erwähnt wird. Das Blatt zitiert sich nämlich selbst. Seite 10, links: „Putzfrau spielt Zahnärztin und verletzt Kleinkind.“ Seite 10, rechts, völlig überraschend: „Putzfrau spielt Zahnärztin und verletzt Kleinkind.“

Der Wuppertaler Malermeister Sascha Trynoga twittert, dass er die Fußballerinnen seit dem TV-Spot „nicht mehr mag“. Na ja, mal abwarten, wie die heute spielen. Und überhaupt, vielleicht ist es Zeit für einen Rundbrief an Deutschlands Prominente: „Liebe Promis aus den diversen Bild-Imagekampagnen, glaubt doch bloß nicht, dass irgendjemand Eure feine Ironie bemerkt, wenn Ihr Euch vor den Werbekarren der Bildzeitung spannen lasst. Keine Sau versteht das.“

Apropos: Wieso Schweine sterben müssen, wenn Schalke einkaufen geht, erfahren Sie auf Seite 2.

Klappe halten, weiterspielen

Mittwoch, 6. Juli
Die Bildzeitung setzt heute den „Wurst-König“ Clemens Tönnies auf ihre tägliche Gewinner-Liste. Begründung: Der „größte deutsche Fleischproduzent“ und Aufsichtsratschef von Schalke 04 habe diverse bekannte Wurstmarken übernommen. Dolle Wurst. Der Mann steht wahrscheinlich wie kein anderer Unternehmer für Massentierhaltung, industrielles Schlachten und Billigfleisch. Klar, Bild, der Tönnies ist ein ganz toller Typ, ein absoluter Gewinner. Würde mich ja interessieren, wie viele Schweine im vergangenen Jahr für Magaths Shoppingtour sterben mussten.

Interessante Überschrift: „Frau auf Gehweg von fliegendem Sofa getroffen.“ Ein echter Klassiker, zwei Maler hatten das Sperrmüllsofa aus dem Fenster geworfen. Und unten stand der Azubi und sollte aufpassen, dass niemand vorbeiläuft. Der Fachkräftemangel wird immer übler.

Nach dem 4:2 gegen Frankreich ist Bild in Wir-Stimmung: „Jetzt knöpfen wir uns die Japanerinnen vor.“ Welches "wir" ist wohl gemeint? Wahrscheinlich deses "wir": Unsere Zeitung und unsere Werbe-Nationalmannschaft.

Donnerstag, 7. Juli
Die TV-Werbung mit den Fußballfrauen ist jetzt auf Youtube zu sehen. Die meinen das ja wirklich ironisch, Simone Laudehr sagt am Ende des Spots: „Das wollt ihr Machos doch hören, oder?“ Ein Argument mehr für den Promi-Rundbrief.

Der Spiegel schreibt: „Wir instrumentalisieren die WM zu Tode.“ Die Frauen der Fußballnationalmannschaft müssten gleichzeitig für das Sommermärchen sorgen, das Ansehen Deutschlands in der Welt verbessern, den Feminismus stärken. Und: "Ach ja, gewinnen natürlich auch." Die Überschrift des Textes: "Klappe halten, weiterspielen." Schönes Schlusswort, feines Wochenende noch.

(sfk)

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