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"Selbstständig" ohne Steuernummer

Zeitfenster für Lohnbetrüger

Nach der Gewerbeanmeldung kann viel Zeit verstreichen, bis das Finanzamt die Steuernummer erteilt. Gefährlich viel Zeit.

Und tschüss!
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Und tschüss! - Bevor sie eine Rechnung stellen können, werden viele
Bevor sie eine Rechnung stellen können, werden viele "Billiglöhner" gefeuert.
© JENS - Fotolia.com

Das ist eine heikle Phase. Solange ein Existenzgründer seine Steuernummer nicht hat, kann er keine gültige Rechnung stellen. Auftraggeber nutzen das aus, vor allem Baufirmen, die mit vermeintlichen Ein-Mann-Subunternehmen arbeiten, machen daraus ein Geschäft. Sie verweigern Zahlungen. Und kurz bevor jemand seinen Bescheid vom Finanzamt erhält, "kündigen" sie ihm unter einem Vorwand.

Die heikle Phase kann lange dauern. Sie fängt in Gewerbeämtern an. "Das ist von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich, manche sammeln die Anmeldungen und schicken sie wöchentlich an das Finanzamt", sagt der Sprecher der Oberfinanzdirektion Niedersachsen, Kai Bernhardt. Spätestens nach zehn Tagen sei eine Anmeldung im Finanzamt.

Danach bekommt der Existenzgründer Post vom Fiskus und hat vier Wochen Zeit, um eine Reihe Fragen zu beantworten. Teils verlangen die Ämter auch Nachweise für den Status der Selbstständigkeit. Sind Anworten und Nachweise plausibel, "sendet das Finanzamt in der Regel binnen einer Woche die Steuernummer", sagt der OFD-Sprecher.

Antwortet der Gründer nicht – etwa weil seine Post abgefangen wird (Faule Methoden mit faulen Eiern?) – oder bleibt er wichtige Angaben schuldig, erhalte er eine Erinnerung. Frist: zwei Wochen. Antwortet er wieder nicht, folge einer zweite Erinnerung oder die Androhung eines Zwangsgeldes. Frist wieder: zwei Wochen.

Reagiere der Gründer dann wieder nicht, erfolge die "Zwangsaufnahme". Das heißt, "die Steuer wird geschätzt, er erhält eine Zahlungsaufforderung und die Steuernummer". Spätestens dann würden sich die meisten melden, sagt Bernhardt.

Drei Monate können so ins Land gehen.

Haben die Finanzbeamten die Unterlagen und finden etwas verdächtig, schauen sie sich den Betrieb vor Ort an, erklärt der Behördensprecher. Und "wenn sie dann Anhaltspunkte dafür finden, dass es sich möglicherweise um illegale Beschäftigung handelt, schalten sie den Zoll ein". Auch der braucht seine Zeit.

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(mfi)

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