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Gekommen, um zu bleiben

Asylbewerber soll Firma übernehmen

Alke und Axel Adam wollten eigentlich nicht mehr ausbilden. Bis Adam Ismail Hussein vor ihrer Tür stand. Der Flüchtling aus dem Sudan soll die Bäckerei und Konditorei später sogar übernehmen.

Butterkuchen backt er am liebsten: - Adam Ismail Hussein (Mitte) arbeitet in der Konditorei von Alke und Axel Adam.
Adam Ismail Hussein (Mitte) arbeitet in der Konditorei von Alke und Axel Adam.
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Adam Ismail Hussein ist aus dem Nordsudan nach Deutschland gekommen. Er befindet sich seit Jahren im Schwebezustand – wie so viele Flüchtlinge, die noch nicht als Asylberechtigte anerkannt sind. Nun ist er im niedersächsischen Burgwedel untergekommen und will einfach nicht mehr länger warten. Von seinem Vater, einem sudanesischen Bäcker, hat er das Fladenbrotbacken gelernt. Hussein schaut sich im Internet um und stößt dort auf den Bäcker- und Konditorbetrieb von Alke und Axel Adam im Stadtteil Fuhrberg. Kurz danach schwingt er sich aufs Fahrrad. „Ich habe sofort gedacht, Adam und Adam, das passt“, wird er im Rückblick dazu sagen.

Das Unternehmerpaar Adam erinnert sich noch sehr gut an den Moment vor etwa zwei Jahren, als ihr Namensverwandter plötzlich vor der Tür stand. Er hatte einen Bekannten als Übersetzer mitgebracht. Mit dessen Hilfe stellte er sich vor und fragte die beiden, ob er ein zehnwöchiges Praktikum bei ihnen machen könne. Es sollte im Rahmen eines Projektes stattfinden, das der Hannoveraner Verein Kargah organisiert hatte.

Axel Adam ließ sich auf das Experiment ein. Sein neuer Praktikant radelte fortan jeden Morgen von seiner Unterkunft nach Fuhrberg und fand sich pünktlich um fünf Uhr in der Backstube ein. Hussein habe nur wenig Deutsch gesprochen, erzählt der Konditormeister. Doch die Verständigung habe trotzdem geklappt, und zwar frei nach der Devise „vormachen, nachmachen und üben, üben, üben“. Mit seinem handwerklichen Geschick und seiner Arbeitseinstellung habe Hussein ihn schon nach kurzer Zeit überzeugt. Axel Adam spricht von der Art, wie jener den Teig anfasst, von seinem Zeitgefühl, seiner Disziplin und seinem Organisationstalent.

Vom Praktikanten zum künftigen Nachfolger? Wie die Geschichte weiterging, erfahren Sie auf Seite 2.

Bürokratische Hürden überwunden

Eigentlich habe er ja gar nicht mehr ausbilden wollen, nachdem ihm sein letzter Lehrling schnell wieder abhanden gekommen sei, fügt der 63-Jährige hinzu. Doch Adam Ismail Hussein blieb: Direkt nach seinem Praktikum ging er bei den Adams in die Lehre. Von bürokratischen Hürden hatten sich die drei nicht abschrecken lassen: „Wir haben einfach einen Ausbildungsvertrag gemacht, und die Handwerkskammer hat ihren Stempel draufgesetzt. Danach sind wir damit zur Ausländerbehörde gegangen und haben dort die Genehmigung bekommen“, berichtet Axel Adam. Der neue Lehrling konnte loslernen.

Hussein hofft darauf, nun bald auch seine Frau aus dem Sudan nach Deutschland holen zu können. Mittlerweile ist er in eine eigene Wohnung über der Backstube gezogen. In der Berufsschule muss er eine Menge dafür tun, um die Theorieprüfungen zu bestehen, und von einer pensionierten Lehrerin bekommt er Sprachunterricht. Die Adams hegen indessen keinerlei Zweifel daran, dass der 30-Jährige das alles schaffen wird.

Und mehr noch: Sie wollen Adam Ismail Hussein als ihren Nachfolger aufbauen. Ab 2017 möchte Axel Adam stärker in den Hintergrund treten und Hussein mehr und mehr Verantwortung übertragen. Die 45-jährige Alke Adam will noch länger im Betrieb bleiben. Sie wird sich weiterhin um das Café kümmern und dort Kunstausstellungen und Konzerte organisieren. Und sie wird Hussein gemeinsam mit ihrem Mann zur Seite stehen, damit er die Gesellenprüfung schafft und irgendwann auch die Meisterschule besuchen kann. Bis dahin heißt es „vormachen, nachmachen und üben, üben, üben“. Was er besonders gerne übt? „Butterkuchen, Pflaumenkuchen und Brot backen“, sagt der Lehrling und lacht.

(afu)

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