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Schnarchen belastet den Körper

Atemlos in der Nacht

Schnarchen kann zermürbend für die Bettnachbarn sein und zu Atemaussetzern führen. Um kein Risiko einzugehen und gezielt etwas dagegen zu tun, sollten Betroffene zunächst einen Arzt aufsuchen.

Gesundheitliches Risiko: - Möglicherweise kommt es bei Schnarchenden zu Atemstillständen in der Nacht.
Möglicherweise kommt es bei Schnarchenden zu Atemstillständen in der Nacht.
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Zuerst eine gute Nachricht für alle Schnarchenden: Sie sind nicht allein. Normales Schnarchen ist kein medizinisches Problem und zählt deshalb nicht als Krankheit. Es ist ein ganz natürlicher Vorgang, von dem jeder von uns betroffen sein kann.
Doch wie kommt es überhaupt dazu, dass Menschen mitten im Schlaf röhrende Geräusche von sich geben? „Im Allgemeinen aufgrund von losen Strukturen im Rachenraum. Das kann eine zurückfallende Zunge, ein flatterndes Gaumensegel oder auch ein zu enger Rachen sein“, sagt Schlafexpertin Dr. Birgit Hoffmann-Castendiek von der Medizinischen Hochschule Hannover. „Außerdem begünstigen Alkohol und manche Medikamente das Schnarchen, da sie entspannen“, ergänzt sie.

Bis zum Atemstillstand
In manchen Fällen entspannt sich der Körper allerdings so stark, dass es zu einer sogenannten obstruktiven Schlafapnoe kommt, erklärt die Schlafmedizinerin. Sie kann im Extremfall zu einem Atemstillstand führen, weil die Atemwege im Schlaf verschlossen werden. Das geschieht, wenn die Zunge zurück in den Rachenraum fällt und so die Atemwege versperrt. Der Körper versucht dann gegenzusteuern, die Atemzüge werden immer tiefer. Das Ganze endet meist mit einem extrem lauten Schnarcher, woraufhin der Schlafende sich wieder entspannt, bis das Ganze von vorne beginnt.

Wie sich Atemstillstände auf die Gesundheit auswirken, lesen Sie auf Seite 2.

Schnarchen als Stressfaktor
Behandlungsmethode Atemmaske - Weil sich ein Unterdruck bildet, wird die Zunge daran gehindert, zurück in den Gaumen zu fallen. Der Patient hört auf zu schnarchen und erleidet keine Atemstörungen mehr.
Weil sich ein Unterdruck bildet, wird die Zunge daran gehindert, zurück in den Gaumen zu fallen. Der Patient hört auf zu schnarchen und erleidet keine Atemstörungen mehr.
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Die Folgen für den Körper sind auf den ersten Blick nicht zu sehen: „Das Gehirn ist supersensibel und merkt, dass da eine Atemstörung ist. Deshalb sendet es Stresshormone – Adrenalin – aus, was auf das Herz geht“, erklärt Hoffmann-Castendiek. Wenn der Körper 40 Atemstörungen pro Stunde durchmacht, werden auch 40 Mal pro Stunde Stresshormone ausgeschüttet. Der Schlaf ist also alles andere als entspannend und kann auf Dauer zu einem erhöhten Risiko für Herzinfarkte, Kreislaufprobleme und Schlaganfälle führen. Die Betroffenen sind dadurch im Alltag oftmals gereizt, nervös oder einfach nur müde und wissen zum Teil gar nicht, woran es liegt.

Behandlung mit Atemmaske
Um die Atemaussetzer in der Nacht zu bekämpfen und einen ruhigeren Schlaf zu gewährleisten, gäbe es inzwischen eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten, sagt Dr. Wolfgang Galetke vom Augustinerinnen Krankenhaus in Köln. In den meisten Fällen sei die Atemmaske die erste Wahl: „Das ist die Standardtherapie.“ Die Maske wird über Nase und Mund gezogen und erzeugt mithilfe einer Turbine einen Überdruck, der verhindert, dass sich die Atemwege verschließen. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Behandlung mit einer Atemmaske, allerdings brechen Galetke zufolge knapp 30 Prozent der Patienten die Therapie wieder ab, weil sie die Maske als unangenehm empfinden.

Was es noch für Behandlungsmethoden gibt, lesen Sie auf Seite 3.

Behandlung mit Bissschiene

In manchen Fällen ist das Schnarchen auf eine Kieferfehlstellung zurückzuführen. Zur Behandlung wird dann eine Bissschiene eingesetzt, die den Unterkiefer nach vorne zieht und so die Atemwege freilegt.

Behandlung durch Operation
Es gibt jedoch auch Patienten, bei denen laut Galetke über eine Behandlung ohne Geräte nachgedacht werden sollte. „In ausgesuchten Fällen ist eine Operation sinnvoll“, sagt er. So können zum Beispiel große Mandeln, ein großes Gaumenzäpfchen oder große Polypen Auslöser für das Schnarchen sein. In diesen Fällen bietet es sich an, mit einem operativen Eingriff dagegen vorzugehen.

Weitere Maßnahmen
Bei "normalem" Schnarchen stehe den Betroffenen nach Auffassung der gesetzlichen Krankenkassen hingegen keine Behandlung zu, sagt Schlafmedizinerin Hoffmann-Castendiek: „Schnarchen ohne Atemstörung ist ungefährlich. Das zahlen die Krankenkassen nicht." Ein einfaches Hausmittel gegen das Schnarchen gäbe es nicht, sagt sie. Oft sei die Schlafposition für das Schnarchen verantwortlich. „Viele schnarchen in Rückenlage, da kann ein Lagerungskissen helfen. Günstig ist eine 30-Grad-Oberkörperhochlagerung. Wichtig ist außerdem, dass man Übergewicht vermeidet.“

Durch das Übergewicht setzt der Rachenbereich nämlich Fett an, was zu einer zusätzlichen Verengung führt. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin empfiehlt darüber hinaus, möglichst nicht zu rauchen, den Alkoholkonsum zu reduzieren und einen geregelten Schlafrhythmus zu finden.

(mw)

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