Maßgeblich für die Fortzahlung von Kindergeld ist nicht die Dauer einer Krankheit, sondern nur das Vorliegen objektiver Gründe für die Unterbrechung.
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Ausbildung

Auch kranke Azubis bekommen Kindergeld

Anspruch auf Kindergeld besteht auch dann, wenn das Kind seine Ausbildung wegen dauerhafter Erkrankung unterbrechen muss.

Der Fall: Eine junge Frau absolviert eine Ausbildung an einer staatlich anerkannten Berufsfachschule. Die Ausbildung soll bis November 2016 dauern. Ende März 2015 muss sie die Ausbildung krankheitsbedingt abbrechen. Die Mutter informiert die Familienkasse und legt ein Attest einer Fachärztin vor, dem zufolge nicht absehbar sei, wann die Tochter die Ausbildung wieder aufnehmen könne. Die Folge: Im Juli 2015 stellt die Familienkasse die Auszahlung des Kindergelds ein.

Mutter und Tochter legen Einspruch ein, da die Ausbildung voraussichtlich im Jahr 2017 fortgesetzt werden könne. Doch die Familienkasse bleibt stur: kein Kindergeld. Das begründete die Familienkasse damit, dass die Ausbildung nicht unter- sondern abgebrochen worden sei.

Die Entscheidung: Das Finanzgericht (FG) Rheinland-Pfalz entschied gegen die Familienkasse. Es handele sich um eine Unterbrechung, nicht um einen Abbruch der Ausbildung. Entsprechend bestehe ein Anspruch auf Kindergeld. Es gebe keine Anhaltspunkte für die Annahme, dass die Tochter ihre Ausbildung nicht fortsetzen werde. Dass die Dauer der Unterbrechung noch nicht absehbar sei, sei unschädlich. Maßgeblich sei nur, dass die Ausbildung aus krankheitsbedingten und damit objektiven Gründen unterbrochen worden sei. Solche objektiven Gründe seien auch in anderen Fällen unschädlich, etwa bei einer Schwangerschaft oder bei einer unberechtigten Untersuchungshaft. (Urteil vom 20. Februar 2018, Az. 2 K 2487/16).

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