Maßgeblich für die Fortzahlung von Kindergeld ist nicht die Dauer einer Krankheit, sondern nur das Vorliegen objektiver Gründe für die Unterbrechung.
Foto: Stockfotos-MG - Fotolia.com

Ausbildung

Auch kranke Azubis bekommen Kindergeld

Anspruch auf Kindergeld besteht auch dann, wenn das Kind seine Ausbildung wegen dauerhafter Erkrankung unterbrechen muss.

Der Fall: Eine junge Frau absolviert eine Ausbildung an einer staatlich anerkannten Berufsfachschule. Die Ausbildung soll bis November 2016 dauern. Ende März 2015 muss sie die Ausbildung krankheitsbedingt abbrechen. Die Mutter informiert die Familienkasse und legt ein Attest einer Fachärztin vor, dem zufolge nicht absehbar sei, wann die Tochter die Ausbildung wieder aufnehmen könne. Die Folge: Im Juli 2015 stellt die Familienkasse die Auszahlung des Kindergelds ein.

Mutter und Tochter legen Einspruch ein, da die Ausbildung voraussichtlich im Jahr 2017 fortgesetzt werden könne. Doch die Familienkasse bleibt stur: kein Kindergeld. Das begründete die Familienkasse damit, dass die Ausbildung nicht unter- sondern abgebrochen worden sei.

Die Entscheidung: Das Finanzgericht (FG) Rheinland-Pfalz entschied gegen die Familienkasse. Es handele sich um eine Unterbrechung, nicht um einen Abbruch der Ausbildung. Entsprechend bestehe ein Anspruch auf Kindergeld. Es gebe keine Anhaltspunkte für die Annahme, dass die Tochter ihre Ausbildung nicht fortsetzen werde. Dass die Dauer der Unterbrechung noch nicht absehbar sei, sei unschädlich. Maßgeblich sei nur, dass die Ausbildung aus krankheitsbedingten und damit objektiven Gründen unterbrochen worden sei. Solche objektiven Gründe seien auch in anderen Fällen unschädlich, etwa bei einer Schwangerschaft oder bei einer unberechtigten Untersuchungshaft. (Urteil vom 20. Februar 2018, Az. 2 K 2487/16).

Auch interessant:

Müssen Kunden für Azubis zahlen?

21 Euro für den Auszubildenden – das will die Kundin nicht zahlen. Er hat nur rumgestanden, sagt sie. Der Lehrling war eine echte Hilfe, sagt sein Chef Dirk Tetzlaff. Wer hat denn nun recht?
Artikel lesen >

Krankes Kind: Kündigung ist trotzdem wirksam

Haben Arbeitnehmer ein krankes Kind zu Hause, dürfen sie der Arbeit fernbleiben und müssen keine Kündigung fürchten – normalerweise zumindest. Dennoch kann eine Kündigung rechtens sein.
Artikel lesen >

Steuern

Kein Kindergeld für berufsbegleitende Weiterbildung

Kindergeld gibt es auch für volljährige Kinder in der Ausbildung. Doch was ist, wenn es sich um ein Aufbaustudium neben dem Job handelt?

Recht

Krankes Kind: Kündigung ist trotzdem wirksam

Haben Arbeitnehmer ein krankes Kind zu Hause, dürfen sie der Arbeit fernbleiben und müssen keine Kündigung fürchten – normalerweise zumindest. Dennoch kann eine Kündigung rechtens sein.

Politik und Gesellschaft

Jeder vierte Azubi bricht seine Ausbildung ab

Mehr als ein Viertel der Auszubildenden brechen ihre Lehre ab. Die Gründe dafür sind vielfältig. Und nicht immer ist der Lohn der Hauptgrund.

Urteil

Mindestlohn: Unbezahltes Praktikum darf unterbrochen werden

Wenn ein Orientierungspraktikum aufgrund von Unterbrechungen länger als drei Monate dauert, muss nicht unbedingt Mindestlohn gezahlt werden.