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Abenteuer mit Auftragsfrist

Auftrag! Hürde! Torte!

Erster Eindruck: marktschreierisch. Kamera und Schnitt: nervig. Unterhaltungswert: erstaunlich hoch. Denn die Konditorenmeister der Kabel eins-Serie „Die Torten-Tuner“ haben eine Leidenschaft, die für Handwerker klassisch ist – sie räumen Hürden aus dem Weg.

Asterix und Obelix sind also Konditorenmeister geworden. Beim Anblick der Torten-Tuner drängt sich dieser Gedanke zumindest auf. Der eine, Thomas Horn, ist ein Koloss. Der andere, Frank Steidl, fällt optisch neben ihm kaum auf. Ihre Gemeinsamkeiten: Sie sind Hamburger, sie sind Freunde, sie lieben gigantische Torten. Das Rezept der sechsteiligen TV-Serie, mit der Kabel eins derzeit Ouoten jagt, dürfte Handwerkern bekannt vorkommen: Kunde xy erteilt einen so schwierigen wie ungewöhnlichen Auftrag. Und schon stürzen sich die Helden des Alltags in ein Abenteuer mit Auftragsfrist.

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Irgendwie was mit Porno
 - Tätowierer Charly Jungbluth will eine
Tätowierer Charly Jungbluth will eine "geile Torte".
kabel eins/Arne Weychardt

Der Auftraggeber in der zweiten Folge: Charly Jungbluth, bekannter Hamburger Tätowierer. Das Jubiläum seines Tattoo-Studios will er mit einer Torte feiern, die seine Kunden nicht so schnell vergessen sollen. Er will eine "geile Torte". Möglichst schräg. Möglichst riesig. Sieben Stockwerke sollen es sein. Frank Steidl weiß: Für einen derart verrückten Auftraggeber müssen verrückte Ideen her, vielleicht "irgendwie was mit Porno". Die Konditoren besprechen diesen delikaten Fall mit der "Torten-Designerin" Betty. Die gelernte Konditorin hat gute Vorschläge: Wir wäre es denn auf der dritten Ebene mit gepiercten Ohren? Und warum nicht gleich gepiercte Brustwarzen? Steidl notiert: "Thomas übernimmt die Ohren und die Nippel."

Horn und Steidl sind beide mit einer eigenen Konditorei selbstständig. Sie sind erfolgreich, weil sie bei großen Aufträgen und XXL-Torten kooperieren – insgesamt beschäftigen die beiden Chefs immerhin knapp 40 Mitarbeiter. Und dass sie für ein Projekt wie die Tattoo-Torte ein paar Hände gebrauchen können, zeigt schon der Blick auf die Zutaten-Liste: 36 Kuchenböden, 45 Kilo Marzipan ("gut für eine stabile Basis"), 13 Kilogramm Mehl. Was kostet so eine Kreation? "Normalerweise bewegt sich das zwischen 7,50 Euro und 12,50 Euro – pro Person und Stück", sagt Horn zwischen zwei Drehterminen im Gespräch mit handwerk.com. 1000 Gäste = 12.000 Euro. Klingt erstmal happig. "Ist aber angemessen", entgegnet Horn, "wir betreiben ja auch einen irren Aufwand". Zwei XXL-Torten hat das TV-Duo im vergangenen Jahr verkauft.

Was noch im Rezept der Tattoo-Torte fehlt, sind die 580 Eier, die getrennt werden müssen – Aufschlagen im Akkord. Horn sagt: "Jedes Mal muss ich das machen." Und macht’s falsch. Steidl verdreht die Augen. Der Zuschauer denkt sich jetzt: Dass der Chef einer Konditorei solche Arbeiten komplett selbst erledigt, glaubt Euch keiner. Und falls Ihr das doch macht, habt Ihr ein Personalproblem. "Gut, das war in erster Linie auch fürs Fernsehen. Aber wenn Not am Mann ist, lege ich natürlich selbst mit Hand an", gibt Thomas Horn zu. Wenn keine Kamera laufe, würden das hauptsächlich seine Leute übernehmen. Und lachend fügt er hinzu: "Ich bin eindeutig nicht der große Eiertrenner."

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 - Torten-Dekorateurin Betty Schliephake-Burchhardt berät die Torten-Tuner.
Torten-Dekorateurin Betty Schliephake-Burchhardt berät die Torten-Tuner.
kabel eins/Arne Weychardt
Beweg mal Deinen Arsch

Andere Szenen aus dem Arbeitsalltag sind sehenswert: Steidls Frau Jacky ("meine Jugendliebe") leitet den Verkauf. Frank ist in der Backstube der Chef, aber im Laden muss er warten, bis Jacky ihm mal zuhört, die Kunden vor dem Tresen gehen vor. Hier hat die Chefin das Sagen. Und während sie ihm eine Zutat ("Pfeffer, ein super Geschmacksträger für eine scharfe Torte") besorgt, bedient er die Kunden. Ganz eindeutig ist das nicht sein Ding: "Da bin ich unsicher. Ich weiß die Preise nicht, ich kann auch nicht einpacken." Ohne seine Frau, sagt Steidl, sei er gar nichts: "Wir sind zwei Körper mit einem Gedanken."

Die Zeit bis zum Jubiläum des Tattoo-Studios rast dahin, die Probleme sägen an den Nerven aller Beteiligten. Die Farben für die Ohren und für die Brustwarzen gelingen nicht sofort, der Tortenständer ist noch nicht fertig, die Tortendekorateurin will freihändig per Airbrush Totenköpfe auf die einzelnen Torten zeichnen – und das geht total schief. Zuckerbäcker in Zeitnot. Und das ist dann wieder nah am Arbeitsalltag. Als Steidl besonders gestresst ist, nimmt Horn ihn in den Arm – und bappt ihm grinsend eine Brustwarze auf die Stirn. Horn: "Die Emotionen müssen raus. Manchmal flaxen wir rum, wir schreien uns auch schon mal an. Und zwei Minuten später, wir sind ja keine bösen Menschen, haben wir uns wieder lieb."

An jeder Ecke lauern neue Aufgaben. Während Frank für die Präsentation eine Stripperin mit Schokolade bemalt, platzt Thomas ein durchsichtiger Totenschädel, den er aus Isomaltzucker geformt hatte. Entsetzen. Der Zuschauer leidet mit – unter anderem auch, weil die Schnitte schneller werden, der Stress künstlicher, die Musik aufdringlicher. Thomas sagt zu Frank: "Bewegst Du jetzt mal richtig Deinen Arsch." Ein Satz für die Kameras? "Nein, wir haben keine Vorgaben, kein Drehbuch. Wir haben nichts für die Kameras gesagt." Es gebe Situationen, die ein Kameramann verpasst habe. Dann, und nur dann, seien die beiden gebeten worden, eine Szene zu wiederholen: "Was wir hier im Fernsehen zeigen, passiert auch im realen Arbeitsleben so."

Die Gäste stehen vor der Tür, auf der Torte fehlt noch ein Großteil der Dekoration. Improvisieren ist auch eine Kunst. Thomas Horn leiht sich vom Wirt einer Szene-Kneipe einen Totenkopf, mit dem er an Stelle der Zuckergussvariante die Torte krönt. Am Ende sind alle zufrieden. Ein goldener Vorhang fällt, Schreie, Beifall, Umarmungen. Charly Jungbluth und die Torten-Tuner strahlen um die Wette. Im Fernsehen ist das so, denkt sich der geneigte Zuschauer, da sind die Leute überdreht. Und was gab es nicht schon für dämliche Handwerker-Formate und Pseudo-Dokumentationen – da sind die Hamburger Konditoren richtig unterhaltsam.

Die Tortentuner: Dienstags, 20.15 Uhr (noch bis zum 21. Februar).

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