Besonders für Betriebe, die in den kommenden Monaten Auftragslücken erwarten. Recherchieren sollten Betriebe frühzeitig, welches Portal für sie infrage kommt.
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Online-Auftragsportale

Myhammer und Co: 7 Tipps für den Einstieg in Auftragsportale

Brauchen Handwerker derzeit Auftragsportale wie Myhammer, Blauarbeit oder Homify? 7 Tipps verraten, ob sich der Einstieg lohnt – und bei wem.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Die Portallandschaft im Bereich der Online-Aufträge im Handwerk ist groß – von der kleinen Anzeige bis zum großen Subunternehmertum ist fast alles möglich.
  • Branchen-Experte Sascha Krummeich erklärt, für welche Betriebe die Nutzung Sinn macht, nach welchen Kriterien Sie ein Auftragsportal auswählen und was Sie vorab bedenken sollten.
  • Die Chance von Portalen: Handwerker können Auftragslücken füllen und sich einen Kundenstamm aufbauen.
  • Ohne Risiko ist die Nutzung jedoch nicht: Sie kostet meist Zeit und manchmal Geld. Außerdem müssen Sie Kommentare und Bewertungen der Kunden im Blick haben, wie auch Ihre eigene Auffindbarkeit.

Was sind die Chancen und Risiken der Nutzung solcher Online-Auftragsportale? Sascha Krummeich, Leiter der Fachgruppe Marketing und Vertrieb beim KMU-Beraterverband hat selbst ein Portal mitaufgebaut und weiß Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Einstieg in Auftragsportale.

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„Grundlage für jeden, der sich im Internet um Aufträge bemüht, ist eine aktuelle und mobil optimierte Website“, sagt der Experte. Sie sei für jeden Betrieb der „virtuelle Vertriebler“, der Aufträge generieren kann, einen guten Ruf aufbauen kann und etwas für die Positionierung in den Suchmaschinen tut.

1. Für wen ist die Nutzung sinnvoll?

Ob sich für einen Betrieb die Nutzung eines Online-Auftragsportals lohnt, hängt laut Krummeich weniger von Faktoren als von der Größe des Betriebs ab oder den Jahren, seitdem der Betrieb besteht. Handwerksbetriebe sollten folgende Aspekte beachten, bevor Sie sich registrieren:

  • Auslastung: Habe ich in den kommenden Monaten oder im Laufe eines Jahres immer mal Auftragslücken, die es zu füllen gilt? Vermutet der Betrieb, dass es ab einem bestimmten Zeitpunkt einen Auftragsrückgang gibt? Dann lohnt es sich, über die Nutzung nachzudenken, um mit Aufträgen, die Portale generieren, Lücken zu füllen oder Leerlauf zu vermeiden.
  • Offenheit gegenüber dem Internet: Wie sind die Erfahrungen, die der Betrieb bisher im Internet gemacht hat? Bei positiven Erfahrungen und Offenheit gegenüber Online-Angeboten ist eine Nutzung von Auftragsportalen eher empfehlenswert, meint Krummeich. Wer hingegen wenig online-affin ist, sollte lieber die Finger davon lassen oder sich einen Berater suchen, der Ahnung hat.

2. Den richtigen Zeitpunkt wählen

„Jeder Betrieb sollte anhand seines Auftragsbestands sehen können, ob und wann sich in der Planung Auftragslücken ergeben“, sagt Sascha Krummeich. Er rät dazu, sich regelmäßig einen Überblick zu verschaffen und langfristig zu planen.

  • Vor der Auftragslücke aktiv werden: Wer jetzt schon weiß, dass in den kommenden drei Monate noch gut zu tun sein wird und dann eine Lücke klafft, sollte schon jetzt mit der Online-Auftragssuche beginnen. Wer erst mit der Eintragung der Daten und der Registrierung bei Auftragsportalen startet, wenn die Lücke da ist, rennt Aufträgen hinterher, meint der Experte.
  • Portale frühzeitig sondieren: Unternehmer, die generell Interesse an der Nutzung von Online-Auftragsportalen haben, sollten sich auch in Zeiten voller Auftragsbücher mit ihnen befassen – auch wenn sie nicht wissen, ob und wann die Aufträge weniger werden. „Schauen Sie sich um und überlegen Sie, welches Portal für Sie infrage käme“, betont Krummeich. Wenn dann eine Auftragspause absehbar sei, könne der Betrieb schneller und flexibler handeln.

3. Auswahlkriterien für die Portalnutzung

Wer sich mit Online-Auftragsportalen beschäftigt, findet eine breite Angebotspalette – von der kleinen Anzeige bis hin zur großen Auftragsbeschreibung. „Überlegen Sie sich genau, was und wen Sie erreichen wollen“, sagt Sascha Krummeich. Folgende Auswahlkriterien empfiehlt er:

  • Zielgruppe: Fragen Sie sich, welche Kunden Sie ansprechen wollen und schauen Sie, welche Kunden sich bereits auf dem Portal tummeln – sind es eher Privatkunden oder Bauträger, die einen Subunternehmer suchen. Wichtig ist laut Krummeich, dass die Zielgruppe des Online-Portals auf die Kundengruppe passt, die der Handwerker schon bedient. Sonst sei der Aufwand möglicherweise größer als der Nutzen.
  • Gewerk: Handwerksunternehmen sollten auch schauen, ob bestimmte Portale überhaupt alle Gewerke miteinbeziehen. Es gebe Online-Auftragsportale, die auf bestimmte Gewerke spezialisiert sind.
  • Kostenfaktor: Krummeich rät Betrieben, genau zu prüfen, welche Leistungen sie bei einem Portal bekommen und was ein Eintrag kostet.
  • Etablierung des Portals: „Recherchieren Sie, was die Portalbetreiber tun, um an Kunden zu kommen“, rät Sascha Krummeich. Sinnvoll sei auch ein Blick in die Aktualität der Bewertungen der Betriebe und die Häufigkeit der Auftragsvergabe. Ebenfalls wichtig: Mit welchen Werbemaßnahmen versucht das Portal, mehr Aufmerksamkeit zu erreichen. Betriebe sollten dann abwägen, ob sie lieber einen etablierten Anbieter wählen wollen oder in eine Nische gehen.