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Milwaukee M18 FPD im Praxistest

Besser als die Harley

„Baustahl aus Milwaukee“ – so spottet man oft über die Motorräder von Harley Davidson. Aber was hat die Region noch zu bieten? Eine ganze Menge. Zum Beispiel einen Akku-Schlagbohrschrauber.

 - Auch beim EInsatz der Lochsäge zeigte der Akku des Milwaukee Fuel M18 FPD keinerlei Schwächen.
Auch beim EInsatz der Lochsäge zeigte der Akku des Milwaukee Fuel M18 FPD keinerlei Schwächen.
Foto: Vahle

Milwaukee? Werden da nicht Motorräder gebaut? Tatsächlich. Harley Davidson ist in Milwaukee im Bundesstaat Wisconsin beheimatet. Der ­Akku-Schlagbohrschrauber, den wir hier testen, heißt zwar Milwaukee, kommt aber aus Brookfield, das ist einige Kilometer entfernt. Aber zugegebenermaßen sind die Motorräder aus der Region hierzulande deutlich bekannter als Milwaukee-Werkzeuge.

Der M18 FPD – auf diesen Namen hört der Akku-Schlagbohrschrauber – gehört zur Fuel-Serie der Amerikaner. Das bedeutet, er soll besonders stark sein und durch lange Laufzeit glänzen. Kein Spielzeug, sondern ein Werkzeug für ganze Kerle, für Cowboys. Bilder tauchen im Kopf auf: dreckige und verschwitzte Bauarbeiter, die in schwindelerregender Höhe Wolkenkratzer bauen und den American Dream verwirklichen. Ist der M18 FPD für derlei Anwendungen gemacht? Die Motorräder aus der Region stehen ja nicht unbedingt für Zuverlässigkeit ...

Werkzeugaufnahme fasst bis 13 mm
Einen Wolkenkratzer haben wir leider gerade nicht zur Hand. Aber im Keller müssen noch einige Löcher in die Decke gebohrt werden, da kommt der M18 gerade recht, zumal die alte Haus­haltsbohrmaschine nach vielen Jahren treuer ­Arbeit ihr Leben ausgehaucht hat. Außerdem wollen wir sehen, wie sich das Gerät in Holz schlägt. Hält der M18, was die Gebrauchsanweisung verspricht?

 - Die Kellerdecke bot dem Kraftzwerg keinen ernsthaften Widerstand.
Die Kellerdecke bot dem Kraftzwerg keinen ernsthaften Widerstand.
Foto: Vahle

Zunächst einmal ist es ungewohnt, im Keller zu arbeiten, ohne vorher nach einer der wenigen Stromquellen zu suchen. Das Gerät arbeitet mit einem 18-Volt-Akku mit fünf Amperestunden. Ein Zweit-Akku gehört zum Lieferumfang, das Schnell-Lade­gerät natürlich auch. Das alles ist in einem sehr schönen und stabilen Koffer verpackt. Die Hantiererei mit dem Wechselschlüssel für das Bohrfutter entfällt. Der M18 hat ein Schnellspannbohrfutter – es ist komplett aus Metall gefertigt und besitzt einen Spannbereich von 1,5 bis 13 Millimeter. Wir stellen die Maschine auf Schlag, legen den zweiten von zwei Gängen ein und setzen an: Der Sechs-Millimeter-Bohrer hämmert sich besser in die harte Kellerdecke, als er es mit der alten Haushaltsbohrmaschine jemals getan hätte – und die war auch nicht gerade klein. Bis zu 16 Millimeter Bohrdurchmesser sollen laut Hersteller in Stein problemlos möglich sein, in Stahl 13 Millimeter. Das maximale Drehmoment beträgt 135 Newtonmeter – das ist mehr als bei einer Harley.

Der Akku-Schlagbohrschrauber hat erst einmal ordentlich zu tun. Schließlich sind auf einer Länge von gut zehn Metern Schellen an der Decke anzubringen. Es reiht sich Loch an Loch, wobei sich die kleine LED-Leuchte unterhalb des Getriebegehäuses als nützlicher Helfer erweist. Schön ist auch der zusätzliche Handgriff, der sich einfach auf das Gehäuse spannen lässt. Die Löcher sind fertig. Den M18 hat das nicht beeindruckt. Er ist gerade mal warm.

2,4 Kilo schwer
Laut Aussagen des Herstellers ist der bürstenlose Motor für einen wartungsfreien Betrieb über Jahre ausgelegt. Die Lithium-Ionen-Akkus besitzen eine eigene Elektronik, die vor Überlastung, Tiefentladung und Überhitzung schützen soll. Sie arbeiten auch noch bei Temperaturen von bis zu minus 20 Grad Celsius – aber wir haben gerade kein Kühlhaus in der Nähe, um es zu testen.

Wir machen in Holz weiter, wobei wir ehrlich gesagt keine unliebsamen Überraschungen mehr erwarten. Einen maximalen Bohrdurchmesser von 65 Millimetern gibt der Hersteller für Holz an. Wir beginnen mit dem 40-Millimeter-Forstnerbohrer, Loch an Loch. Die Späne fliegen, das ist für das Milwaukee-Gerät nur eine leichte Übung. Wir spannen die Lochsäge mit 65 Millimetern ein und sind damit noch längst nicht an der Grenze des Machbaren. Es packt uns der Übermut. Und tatsächlich: 72 Millimeter machen auch keinen Unterschied. Größer haben wir es nicht im Werkzeugschrank.

 - Das Drehmoment der Maschine lässt sich in 24 Stufen regulieren.
Das Drehmoment der Maschine lässt sich in 24 Stufen regulieren.
Foto: Vahle

Bei allen Arbeiten liegt das 2,4 Kilo schwere und 190 Millimeter lange Gerät gut in der Hand. Dafür sorgen zum einen die vibrationsgedämpften Softgrip-Auflagen und zum anderen die gute ­Balance. Ein Gürtelclip ist übrigens auch installiert, so kann man wunderbar Cowboy damit spielen.

Wir haben gehämmert und gebohrt – bleibt nur noch das Schrauben. Wir schrauben Schrauben in das Holz und schrauben Schrauben wieder heraus. Das Drehmoment lässt sich bei dieser Arbeit über 24 Stufen exakt dosieren. Insgesamt aber ist diese Beschäftigung wenig spektakulär. Der M18 ist damit irgendwie unterfordert. Die vierstellige Ladeanzeige des Akkus zeigt noch zwei Punkte an.

Was bleibt noch zu sagen? Der Fuel M18 FPD ist nicht nur zuverlässiger als eine Harley Davidson, sondern auch billiger. Mit der Harley kann man auch nicht so schöne Löcher machen.

(tv)

Daten
Name: Akku-Schlagbohrschrauber Fuel M18 FPD
Drehmoment: 135 Nm
Gewicht: 2,4 kg
Bohrfutter: 1,5 bis 13 mm
Akku: 18 V/5,0 Ah
Preis: 479 € zzgl. MwSt.

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