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Recht

Betriebe erwarten mehr Bürokratie durch Gewerbeabfallverordnung

Mülltrennung ist für viele Handwerker eine Selbstverständlichkeit. Sauer sind die Betriebe jedoch wegen der Dokumentationspflichten der Gewerbeabfallverordnung! Was werden sie jetzt tun?

Auf einen Blick:

  • Mehr Recycling, das ist das Ziel der neuen Gewerbeabfallverordnung. Deshalb müssen Abfälle von August an nicht nur getrennt werden, die Trennung muss auch dokumentiert werden.
  • Wir haben nachgefragt: Drei Unternehmer aus den Bereichen Sanitär- und Heizungstechnik sowie Dachdecker- und Malerhandwerk sagen klar, was sie von den neuen Regeln halten.
  • Die neuen Dokumentationspflichten seien überflüssige Bürokratie. Gegen das Trennen haben die Unternehmer hingegen nichts einzuwenden. Sie trennen in ihren Betrieben bereits: aus Kostengründen und der Umwelt zuliebe.
  • Doch auch, wenn sie wenig von den neuen Dokumentationspflichten halten, sie werden sie umsetzen.

Inhaltsverzeichnis

Zum 1. August tritt die neue Gewerbeabfallverordnung in Kraft. Für Handwerksbetriebe eine Herausforderung. Sie müssen gewerbliche Siedlungsabfälle sowie Bau- und Abbruchabfälle nicht nur richtig trennen. Zudem haben sie jetzt die Pflicht, die Trennung auch zu dokumentieren. Das gilt für den Betrieb, das Büro und die Baustellen.

Bürokratieabbau? Davon ist nichts zu spüren!

Für diese neuen Regeln hat Manuela Nemela wenig Verständnis. „Da wird nur mehr Papier verbraucht, mehr getrennt wird ganz bestimmt nicht“, ärgert sich die Unternehmerin aus Landshut. Sie fürchtet, dass nur ein weiterer Ordner im Büro des Sanitär- und Heizungsbetriebs rumstehen wird – nahezu unbeobachtet. Denn das Problem kennt sie schon. Die Gefährdungsbeurteilungen habe bisher noch niemand kontrolliert. Trotzdem macht sie sich diese Arbeit – weil sie dazu verpflichtet ist.

Hinzu kommen seit August nun auch noch die Dokumentationspflichten zur neuen Gewerbeabfallverordnung. „Das muss ich ganz allein stemmen“, sagt die Betriebswirtin. Sie arbeitet in dem bayerischen Handwerksbetrieb mit sieben Mitarbeitern allein im Büro. Daher ist Nemela mit Kostenvoranschlägen, Rechnungen und Buchhaltung schon gut ausgelastet. Die neuen Dokumentationspflichten kommen zu ihrem Tagesgeschäft jetzt obendrauf.

„Dokumentation, dieses Wort kann ich einfach nicht mehr hören“, schimpft die Unternehmerfrau. Überall in Deutschland werde der Bürokratieabbau beschworen, doch tatsächlich werde es immer mehr. Nemela sieht durch die neuen Dokumentationspflichten vor allem diejenigen gestraft, die ohnehin schon trennen. Und das macht sie grundsätzlich gerne. „Wir trennen allein schon der Umwelt zuliebe“, sagt sie. Schließlich sei es gut, wenn Dinge wiederverwertet werden.

Recycling? Das wird durch die Gewerbeabfallverordnung nicht mehr werden!

Genau das ist auch das Ziel der neuen Gewerbeabfallverordnung: die Recyclingquote soll steigen. Dachdeckermeister Jörg Matthies bezweifelt, dass das gelingt. „Wir trennen jetzt schon“, sagt er. Alles andere sei aus Kostengründen quatsch. Schließlich seien die gemischten Baustellenabfälle in der Entsorgung am teuersten.

Gerade beim Abriss von Flachdächern sieht der Dachdeckermeister aber ein Problem: „Diese Dächer sind meist so stark verklebt, dass sich die Abfälle beim Abriss gar nicht mehr trennen lassen“, sagt der Unternehmer aus dem niedersächsischen Burgdorf. Zu seinem Ärger muss er das jetzt jedes Mal neu dokumentieren – für jede einzelne Baustelle. „Das ist völlig überflüssige Bürokratie“, ärgert sich der Handwerker.

Doch auch, wenn er wenig von der Dokumentation hält, er ist auf die neuen Pflichten vorbereitet: Seine Mitarbeiter dokumentieren die Trennung auf den Baustellen anhand von Fotos und vermerken Abfallarten und -mengen auf dem Tagelohnzettel. „Irgendwann werden die Behörden das kontrollieren“, ist sich der Unternehmer aus Burgdorf sicher. Ein Bußgeld will er nicht riskieren – denn das kann bei bis zu 100.000 Euro liegen.

Papierverbrauch – der wird steigen!

Auch Claudia Beil will die neuen Dokumentationspflichten deshalb nicht auf die leichte Schulter nehmen. Trotzdem sind sie ihr ein Dorn im Auge: „Wir müssen nur wieder mehr Papier ausfüllen“, klagt sie. Für die Kunden bleibe im Alltagsgeschäft des Malereibetriebs immer weniger Zeit. Der Grund: die zahlreichen Dokumentationspflichten. „Bei all dem braucht man fast eine Schreibkraft mehr“, meint die Betriebswirtin. Doch das sei schier unmöglich.

Gegen das Trennen von Abfällen hat Beil ebenso wie Manuela Nemela und Jörg Matthies nichts einzuwenden. „Wir trennen aus Überzeugung“, sagt die Unternehmerfrau. Dabei geht der Betrieb im bayerischen Erding sogar noch einen Schritt weiter. Laut Beil verlassen die Mitarbeiter die Baustellen grundsätzlich sauber. Das heißt: Sie nehmen allen anfallenden Müll wieder mit in die Werkstatt, wo er dann getrennt wird. „Deshalb überlegen wir ständig, wie wir Müll vermeiden können“, so die Betriebswirtin. So würden beispielsweise schon seit vielen Jahren Malerstofftücher zum Abdecken verwendet, die regelmäßig gewaschen werden.

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