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Steuern

Betriebsprüfung: Wann prüft das Finanzamt?

Die Wahrscheinlichkeit einer Betriebsprüfung ist gering. Doch wie zuverlässig ist schon eine Statistik? Ob Sie wirklich mit einer Steuerprüfung durch das Finanzamt rechnen müssen, erfahren Sie hier.

Inhaltsverzeichnis

Big Data: Welche Quellen nutzt das Finanzamt noch?

Noch entscheiden Menschen in den Finanzämtern darüber, welche Betriebe die Betriebsprüfer kontrollieren. Keine leichte Aufgabe bei fast 8 Millionen Betrieben. Doch Digitalisierung, Vernetzung und die Steuer-ID, unter der alles zusammengeführt wird, erleichtern die Suche nach Steuersündern. „Das Netz wird immer engmaschiger“, sagt Steuerberater Dirk Witte.

Diese Quellen und Daten nutzen die Finanzämter digital:

  • Richtwertsammlungen: Die Finanzämter verfügen über umfangreiche Daten mit Vergleichswerten für jedes Gewerk, jede Unternehmensgröße und jede Region.
  • Sozialversicherungen: Alle Sozialversicherungsträger liefern dem Fiskus Informationen über die Höhe der abgeführten Sozialversicherungsbeiträge und über Leistungen wie Krankengeld, Arbeitslosengeld, Renten und Insolvenzgeld.
  • Andere Finanzämter: Zudem tauschen sich die Finanzämter untereinander ständig aus. Jede Handwerkerrechnung, die der Fiskus in die Finger bekommt, wird zur Kontrollmitteilung: Hat der Betrieb die Einnahme versteuert? Zugriff erhalten die Finanzämter durch Handwerkskunden, die Rechnungen beim Finanzamt einreichen, und durch Betriebsprüfungen in anderen Firmen.
  • E-Bilanz & Co: Nicht zuletzt müssen die Betriebe selbst ihre Daten digital anliefern. Mit jeder Steuererklärung, Bilanz oder Einnahmen-Überschuss-Rechnung wird die Datensammlung größer, auch mit Lohnsteueranmeldungen und Umsatzsteuervoranmeldungen.

So bemerken die Finanzämter sofort Abweichungen …

… zwischen den Angaben des Betriebs und der anderen Quellen,

… von den Durchschnittswerten der Branche und Region,

… von Vorjahreswerten des Betriebes selbst,

… zwischen Voranmeldungen und Steuererklärungen oder Jahresabschlüssen.

5 typische Schwachpunkte, die Sie erklären müssen!

Misstrauisch wird das Finanzamt vor allem in diesen Fällen:

1. Vorauszahlungen runter – Einnahmen rauf

Wer sinkende Einnahmen erwartet, kann eine Herabsetzung der Steuervorauszahlungen beantragen. Kommen mit der Steuererklärung jedoch deutlich höhere Einnahmen heraus, vermutet das Finanzamt Steuerhinterziehung.

2. Schwankende Gewinne

Gewinnschwankungen sind normal, starke Schwankungen sind es nicht. „Auch dazu hat das Finanzamt Branchenstatistiken“, sagt Steuerberater Dirk Witte.

3. Umsatz oder Gewinn sind untypisch für die Betriebsgröße

Eine Tischlerei mit zwei Mitarbeitern weist einen zu versteuernden Gewinn von eine Million Euro aus? Der Fiskus wird sich freuen über die fälligen Steuern, aber auch neugierig sein, ob nicht noch mehr zu holen ist. Denn untypisch hohe Gewinne können auch ein Zeichen für Geldwäsche sein.

4. Überraschend niedrige Lohnkosten

Den Finanzämtern ist relativ gut bekannt, welche Löhne in welcher Region gezahlt werden. „Also kann das Finanzamt vom Umsatz auf die Lohnkosten und Lohnnebenkosten schließen und umgekehrt“, sagt Witte. Zudem kennt es schon die Zahl der Mitarbeiter aus der Lohnsteueranmeldung. Wenn die Zahlen nicht zusammenpassen, sollte der Betrieb eine gute Begründung liefern. „Sonst fragt sich der Finanzbeamte, wie viel der Betrieb schwarz abrechnet.“

5. Hohe Materialkosten

Passen die Materialkosten nicht zum Umsatz, vermutet der Fiskus ebenfalls Schwarzarbeit oder Geldwäsche.

Tipp: Alles, was ungewöhnlich erscheint, sollte der Betrieb immer kurz im Jahresabschluss erläutern.

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