Mike Barthel ließ die angebliche Anruferin mit der Google-Werbung auflaufen und warnt jetzt die Kollegen im Handwerk
Foto: Roger Grabowski

Marketing und Werbung

Warnung: Betrüger drohen mit Abschalten der Google-Werbung

Gefälschte Telefonnummern, Rechnungen über 1.000 Euro und Google-Werbung als Druckmittel? Ein Handwerksmeister warnt vor dieser Masche.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Diese Betrüger geben sich als Dienstleister aus und drohen mit dem Abschalten der Google-Werbung, wenn Sie den Vertrag nicht verlängern.
  • Dabei verwenden die Betrüger gefälschte Telefonnummern, so dass sie nicht geschnappt werden können.
  • Wer auf den Trick hereinfällt, bekommt eine Rechnung per Post. Die sollten Sie nicht bezahlen.

Wie würden Sie reagieren, wenn Ihnen ein Anrufer mit dem Abschalten Ihrer Google-Werbung droht – falls Sie nicht sofort Ihren Vertrag mit einem Dienstleister verlängern? „Die Anruferin behauptete, sie arbeite für einen Telefonbuchverlag, der angeblich meine Google-Werbung schaltet“, berichtet Mike Barthel, Augenoptikermeister aus Stadthagen. „So etwas erzeugt einen starken Druck“, sagt Barthel. „Google ist sehr wichtig, da kann man leicht falsch reagieren.“

Der 44-Jährige hat richtig reagiert, als der Anruf kam. Er ließ die Anruferin auflaufen. „Ich wusste ja genau, dass ich niemanden beauftragt habe, weil ich mich mit meinem Schwager selbst um meine Google-Werbung kümmere.“

Also fragte Barthel nach, von wann der Vertrag sei. „Darauf wusste sie keine Antwort und drängte, ich müsse in den nächsten zwei Tagen eine Entscheidung treffen, sonst würde ich ganz schnell von der ersten Seite bei Google verschwinden.“ Per Mail habe die Frau keine weiteren Infos schicken wollen, sondern nur die Vertragsverlängerung per Post. „Aber da ist bis heute nichts gekommen.“ Stattdessen meldete sich Barthel in unserer Redaktion – um andere zu warnen.

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Angst um die Google-Werbung: Viele Selbstständige zahlen

Die Masche ist beim Verbraucherportal Onlinewarnungen.de nicht unbekannt: Seit einem Jahr warnt es vor solchen Anrufern, die sich als Mitarbeiter von Google ausgeben oder als Dienstleister, der für seine Kunden die Suchmaschinen-Werbung betreut. Immer gehe es um eine angebliche Vertragsverlängerung für eine gute Suchmaschinenplatzierung, meist bei Google, aber auch bei Bing oder Yahoo. Die angeblichen Kosten: bis zu 1.000 Euro pro Jahr.

Das Ziel der Anrufer kennt Kai Sommer, Redakteur von Onlinewarnungen.de: „Wenn man sich darauf am Telefon einlässt, bekommt man von denen eine ganz normale Rechnung – für einen nicht existenten Vertrag und ohne Gegenleistung.“ Theoretisch wäre diese Rechnung für Betroffene eine gute Gelegenheit, das ganze noch zu stoppen. „Aber die Erfolgsquote ist sehr hoch. Überraschend Viele bezahlen das einfach“, sagt Sommer. „Gerade bei Selbstständigen, die auf eine gute Suchmaschinenplatzierung angewiesen sind, erzeugt das Angst.“

Was tun, wenn die Rechnung kommt?

Kai Sommers Rat an Betroffene: Keine Panik, nichts zusagen und nicht vorschnell bezahlen. „Google ruft nicht einfach an und verlangt Geld.“ Wer seine Google-Anzeigen selbst verwaltet, finde alle Informationen zu Vertragsverlängerungen oder Rechnungen in seinem Google-Konto. Wer einen Dienstleister mit dieser Aufgabe beauftragt hat, sollte erst einmal dort unter der bisherigen Nummer anrufen und nachfragen.

Und wie sollten Handwerker reagieren, wenn nach so einem Anruf eine betrügerische Rechnung eingeht? „Ist die Rechnung nicht berechtigt, muss man auch nicht zahlen – erst einen gerichtlichen Mahnbescheid müsste man ernst nehmen, doch so weit gehen Kriminelle nie“, sagt Kai Sommer. „Wenn man sich unsicher ist, ob die Rechnung berechtigt ist, sollte man nicht vorschnell zahlen, sondern sich erst einmal rechtlichen Rat holen.“

Betrüger arbeiten mit falschen Telefonnummern

Unternehmen könne man jedoch wenig gegen solche Anrufer, sagt Sommer. „Die rufen immer wieder unter anderen Firmenbezeichnungen und mit anderen Nummern an. Die Nummern werden jeden Tag durchgewechselt, dadurch sind die Anrufer kaum zu ermitteln.“ Die angezeigten Rufnummern nützten nichts: „Die können in ihren Telefonanlagen jede beliebige Telefonnummer für abgehende Anrufe programmieren und dann von irgendwo auf der Welt einen Anruf aus Deutschland vortäuschen“. Call-ID-Spoofing nennt sich dieser Trick mit gefälschten Telefonnummern, die es entweder nicht gibt oder deren Besitzer von dem Betrug nichts wissen. „Deswegen können Polizei und Bundesnetzagentur auch nichts unternehmen, weil jede Spur ins Leere läuft“, sagt Sommer.

Auch der Anruf bei Mike Barthel scheint so ein Fall zu sein. 798 Euro sollte ihn die angebliche Vertragsverlängerung pro Jahr kosten. Die Nummer, von der aus er angerufen wurde, ist nicht zu erreichen. Wer sie wählt, hört nur eine Bandansage: „Diese Nummer ist ungültig.“

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