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Personal

Bewerbermangel: Kein Land in Sicht

Was hilft wirklich bei der Mitarbeitersuche? Und wo sind die Grenzen, wenn der Aufwand in keinem Verhältnis zum Nutzen steht? Zwei Handwerksbetriebe berichten.

Auf einen Blick:

  • Ein Betrieb hat versucht, gezielt in strukturschwachen Regionen zu fischen.

  • Eine Unternehmerin hat nach einem Jahr der Suche eine radikale Zwischenbilanz gezogen.

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von Astrid Funck

Fachkräfte und Azubis für das Handwerk? Der Frust ist groß. Dafür sorgen zum Beispiel geplatzte Vorstellungstermine und Bewerber, die einfachste Mindestanforderungen nicht erfüllen und sich als Nullnummer im Bewerbungsgespräch erweisen. Immer mehr Handwerker machen ihrem Unmut Luft. Hier berichten zwei weitere Betriebe von ihren Erfahrungen in Zeiten des Fachkräftemangels.

Industrie schnappt viele weg

„Leider kann und muss ich die gemachten Erfahrungen bestätigen“, schreibt Andreas Maniora, Prokurist der Tschirpig Bauunternehmen GmbH in Salzgitter. „In diesem Jahr haben wir eine einzige Bewerbung für einen Ausbildungsplatz bekommen. Schrift, Form und Inhalt waren – gelinde gesagt – dürftig, was uns aufgrund unserer negativen Erfahrungen mit Auszubildenden aus den letzten Jahren dazu bewogen hat, erst gar keine Einladung auszusprechen.“

Maniora sieht sein Unternehmen in der Zwickmühle, weil es sich in einer industriell geprägten Region befindet: "Einerseits bescheren uns ansässige Weltkonzerne wie Volkswagen, MAN oder Bosch gute Aufträge, andererseits 'fischen' diese Konzerne natürlich ganz viele Jugendliche ab." Im Jahr 2016 seien sie daher einen ganz unkonventionellen Weg gegangen, um Nachwuchs zu rekrutieren. Sie hätten für den zu vergebenden Ausbildungsplatz eine Zeitungsanzeige in Mecklenburg-Vorpommern und in der Lausitz geschaltet, also bewusst in strukturschwachen Regionen. Darin hätten sie als „Starthilfe“ die Subvention einer Wohnung und Weiterbildungsmaßnahmen angeboten und auf die gute Perspektive hingewiesen, nach der Ausbildung übernommen zu werden.

„Unsere Hoffnung war, einen ausbildungswilligen Menschen zu finden, der bereit ist, seine Zelte abzubrechen, weil möglicherweise wenig Perspektive in seiner Region besteht“, erklärt der Diplom-Ingenieur. Ergebnis: Außer Spesen nichts gewesen. Nicht ein Bewerber habe sich auf die Inserate hin gemeldet.

Entgangener Umsatz und verlorene Zeit

Auch Franziska Tech, Chefin des Salons Artifex in Osnabrück beklagt, dass Kosten und Nutzen bei der Nachwuchssuche in einem ungünstigen Verhältnis stehen. Als Bewerbungen erhielt sie unter anderem „handschriftliche, geknickte Collegeblock-Abrisse ohne Namen und Foto, flapsige Facebooknachrichten und E-Mails in unzumutbarem Deutsch“. Die Handvoll einigermaßen brauchbarer Bewerber habe sie eingeladen. „Einige sind nicht gekommen, andere machten mir direkt klar, dass sie eh nicht arbeiten wollten und wieder andere weigerten sich direkt im ersten Gespräch, sich fortzubilden.“

Ein Jahr lang habe sie zu Kontrollzwecken für alle Spontanabsagen den entgangenen Umsatz durch die verlorene Zeit notiert – damit meint sie die Zeit, in der ihre Mitarbeiter Leerlauf hatten, weil die Bewerber nicht zum Termin erschienen. „Von der Summe hätte ich eine Vollzeitkraft einen ganzen Monat beschäftigen und bezahlen können“, schreibt die Unternehmerin.

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