6,8 Prozent der deutschen Unternehmen schreiben aktuell drei Jahre in Folge Verluste.
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Creditreform-Studie

Billiges Fremdkapital: Überleben trotz ständiger Verluste?

Trotz brummender Konjunktur gibt es hierzulande Unternehmen, die seit Jahren Verluste verzeichnen. Besonders häufig trifft das Kleinstunternehmen.

6,8 Prozent der deutschen Unternehmen erwirtschafteten von 2014 bis 2016 durchgängig Verluste. Das ist das Ergebnis einer Studie von Creditreform. Damit bleibt ein nennenswerter Anteil der Unternehmen – trotz guter Konjunkturlage – ertragsschwach.

Allerdings gibt es deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Wirtschaftsbereichen und der Unternehmensgröße:

  • Überdurchschnittlich häufig fahren Unternehmen aus dem Dienstleistungsbereich dauerhaft Verluste ein. Dort erwirtschafteten 8,4 Prozent der Firmen drei Jahre in Folge Verluste.
  • Anders sieht es im Baugewerbe aus. Dort sind Betriebe, die drei Jahre in Folge keinen Gewinn erzielen, laut Creditreform eher eine Seltenheit. Lediglich 3,6 Prozent der Bauunternehmen waren zuletzt als chronisch ertragslos einzustufen. Im Vergleichszeitraum von 2008 bis 2010 waren es 4 Prozent.
  • 12,8 Prozent der Kleinstbetriebe mit einer Bilanzsumme von bis zu 2 Millionen Euro erwirtschafteten zuletzt mindestens drei Verlustjahre in Folge.

Unternehmen, die auf lange Sicht Verluste schreiben, können sich in der Regel kaum am Markt halten. Die Creditreform geht allerdings davon aus, dass der Marktbereinigungsprozess derzeit gestört ist. Als mögliche Ursachen nennt sie die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie die günstigen Finanzierungskonditionen. Die hätten Unternehmen das wirtschaftliche Überleben gesichert, die unter anderen Umständen aus dem Markt ausgeschieden wären. Dafür spreche, dass ertraglose Unternehmen im Verlaufe der Verlustphase ihre Verbindlichkeiten ausgeweitet und somit Fremdkapital aufgenommen hätten.

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