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Betriebsnachfolge

Börsen: So bieten Sie Ihren Betrieb anonym zum Verkauf an

Online nach einem Betriebsnachfolger suchen, ohne dass die Konkurrenz von den Plänen umgehend Wind bekommt? Bei Börsen ist genau das möglich.

Auf einen Blick:

  • Um einen Nachfolger zu suchen, können Inhaber ihren Betrieb bei Unternehmensbörsen registrieren – anonym, unter Chiffre.
  • Das geht zum Beispiel bei den Betriebsbörsen der Handwerkskammern und dem Internetportal nexxt-change.org.
  • Wer sich mit Hilfe der Handwerkskammer registriert, bleibt zunächst anonym. Denn wenn Interessensbekundungen eingehen, landen die bei der Kammer. Die leitet die Informationen dann an den Betrieb weiter.
  • Inhaber können selbst entscheiden, ob sie sich bei einem Interessenten melden wollen oder nicht.

In der Familie steht kein potenzieller Nachfolger bereit und auch im Betrieb ist kein geeigneter Kandidat in Sicht. „In solchen Fällen kann es für Unternehmer sinnvoll sein, den Betrieb über eine Plattform zum Verkauf anzubieten“, sagt Jan-Michael Hobelsberger. Der Nachfolgemoderator der Handwerkskammer Hannover weiß, wie das gelingt, ohne dass die Konkurrenz sofort von den Plänen Wind bekommt.

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Welche Möglichkeiten gibt es, Betriebe anonym zum Verkauf anzubieten?

„Inhaber können ihren Betrieb bei Unternehmensbörsen anonym unter Chiffre inserieren“, sagt Hobelsberger. Dafür nennt der Nachfolgemoderator zwei Plattformen, die Handwerker zum Beispiel nutzen können:

  • Die Betriebsbörse der Handwerkskammer: Hier können sich Betriebsinhaber kostenlos eintragen lassen. Dazu müssen sie sich an ihre Handwerkskammer wenden.
  • Die Börse nexxt-change: Das ist eine Internetplattform, hinter der unter anderem das Bundeswirtschaftsministerium, der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und die KfW Bankengruppe stecken. „Wer sich bei der Betriebsbörse registrieren lässt, wird dort ebenfalls eingetragen“, sagt der Mitarbeiter der Handwerkskammer Hannover.

Welche Infos werden für ein Inserat benötigt?

Um ein Inserat zu erstellen, genügen nach Einschätzung von Jan-Michael Hobelsberger relativ wenige Informationen über den Betrieb. Dazu gehören für ihn:

  • Informationen zum Betrieb (Art des Betriebs, Tätigkeitsschwerpunkte, Zukunftspotenzial, Anzahl und Qualifikation der Mitarbeiter sowie Kundenstruktur),
  • der geplante Zeitpunkt für die Übergabe und
  • gegebenenfalls besondere Wünsche an den Nachfolger.

Unternehmern rät der Nachfolgemoderator, den Text für das Inserat liebevoll zu gestalten. Wie viele Informationen im Inserat erscheinen sollen, sei eine sehr individuelle Entscheidung. „Man muss nicht direkt den Kaufpreis nennen aber ein detaillierter Anzeigentext liefert einem potenziellen Käufer wichtige Informationen“, meint der Nachfolgemoderator.

Wie geht es weiter, wenn sich Interessenten melden?

Wer seinen Betrieb mit Hilfe seiner Handwerkskammer anonym über Chiffre zum Verkauf anbietet, braucht keine Sorgen zu haben, dass das Telefon nach der Veröffentlichung pausenlos klingelt. „Wenn Interessenbekundungen eingehen, landen die bei der Handwerkskammer“, erläutert Jan-Michael Hobelsberger. Die übermittle diese Informationen an den Betrieb, der das Inserat geschaltet hat. „Unternehmer können dann entscheiden, wie sie reagieren wollen“, sagt der Nachfolgemoderator.

Kein Interesse – was ist dann?

Ein harter Wettbewerber bekundet Interesse an der Betriebsnachfolge. Für so manchen Unternehmer ist in so einer Situation klar, dass sie ihren Betrieb an den nicht verkaufen wollen. Doch was dann? „Betriebe sind nicht verpflichtet, sich bei den Interessenten zu melden“, sagt Jan-Michael Hobelsberger.

Unbeantwortet müssen sie die Anfrage aber nicht verhallen lassen. „Wir vermitteln bei Bedarf nach beiden Seiten“, so der Mitarbeiter der Handwerkskammer Hannover. Dazu könne auch gehören, dass einem Interessenten mit der nötigen Sensibilität widergespiegelt werde, dass kein Interesse bestehe.

Interessanter Kandidat – wie geht es weiter?

Meldet sich ein interessanter Übernahmekandidat auf das Inserat, sind Unternehmer am Zug: „Sie können sich dann zum Beispiel telefonisch bei dem Interessenten melden und ein erstes persönliches Treffen vereinbaren“, sagt Jan-Michael Hobelsberger.

Aus Erfahrung weiß der Nachfolgemoderator, dass das Persönliche im Handwerk eine wichtige Rolle spielt: „Gespräche sind sehr wichtig“, sagt er. Schließlich sei die Betriebsnachfolge ein wichtiger Schritt im Leben eines Unternehmers. „Da sind viele Faktoren zu berücksichtigen, die passen müssen“, sagt Hobelsberger. Dazu gehöre etwa:

  • ob der potenzielle Nachfolger zum Betrieb und zu den Mitarbeitern passt,
  • ob beim Verkaufspreis eine Einigung erzielt werden kann und
  • ob der Nachfolger die Summe auch finanzieren kann.

Wie lässt sich der Verkaufspreis ermitteln?

Verlaufen die Gespräche vielversprechend, kommt irgendwann die Frage nach dem Kaufpreis. Betriebsinhaber, die sich unsicher sind, wie viel ihr Betrieb wert ist, können sich laut Nachfolgemoderator Jan-Michael Hobelsberger Rat bei der Handwerkskammer holen. Angewendet werde das sogenannte AWH-Verfahren. Dieses Bewertungsverfahren wurde von der „Arbeitsgemeinschaft der Wert ermittelnden Betriebsberater im Handwerk“ (AWH) speziell für Handwerksunternehmen entwickelt.

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„Dabei wird auch der Zeitwert der Anlagen und Maschinen, der sogenannte Substanzwert, ermittelt“, so der Mitarbeiter der Handwerkskammer Hannover. Das sei bei anderen Verfahren nicht unbedingt der Fall. „Bei Betriebsbewertungen nach dem AWH-Verfahren kommen Werte heraus, die oftmals tatsächlich erzielt werden“, sagt der Nachfolgemoderator. Trotzdem sei das, was dabei herauskomme, nicht in Stein gemeißelt. „Es ist aber eine gute Verhandlungsgrundlage“, so Hobelsberger. Das gelte auch für Gespräche mit der Bank, wenn es um die Finanzierung der Betriebsübernahme geht.

Der Nachfolgemoderator weist darauf hin, dass es auf dem Markt auch Bewertungsverfahren für Unternehmen gibt, bei denen höhere Werte herauskommen als beim AWH-Verfahren. „Das ist für Inhaber schmeichelhaft, aber oft nicht realistisch“, meint er. Dennoch könnten Unternehmer selbstverständlich frei wählen, auf welches Verfahren sie bei der Betriebsbewertung setzen.

Was ist der ideale Zeitrahmen für die Nachfolgesuche?

Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger braucht Zeit. Schließlich gilt es, viele wichtige Fragen zu klären. „Unter Umständen ist das ein langwieriger Prozess“, sagt Jan-Michael Hobelsberger. Er rät Unternehmern deshalb, die Suche rechtzeitig anzugehen. Einen Zeitrahmen von drei bis fünf Jahren hält der Nachfolgemoderator für ideal. Er sagt: „So viel Zeit vergeht zwischen der Entscheidung für die Betriebsnachfolge bis zur Unterschrift unter den Kaufvertrag schnell.“

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