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So schieben Sie Einbrechern einen Riegel vor!

Bollwerk gegen Bösewichte

Sie wollen Ihren Betrieb besser vor Einbrechern schützen? Fragen Sie einfach die Präventionsberater der Polizei. Kriminalhauptkommissar Jürgen Schöttke zum Beispiel. Als erstes wird er Ihnen etwas über Mechanik erzählen.

 - Kriminalhauptkommissar Jürgen Schöttke ist Experte für Einbruchschutz. Hier zeigt er gerade, wie ein
Kriminalhauptkommissar Jürgen Schöttke ist Experte für Einbruchschutz. Hier zeigt er gerade, wie ein "selbstverriegelndes Einsteckschloss mit Panikfunktion" genau tickt: Es verriegelt sich an der Außenseite von allein, gibt aber Mitarbeitern, die panikartig das Gebäude verlassen wollen, sofort den Weg frei.
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Nur wenige Sekunden macht sich Jürgen Schöttke mit einem ganz gewöhnlichen Schraubendreher an dem Fenster zu schaffen – und schon springt es auf. „Siebzig Prozent aller Einbrüche passieren durch Hebeln“, sagt der Kriminalhauptkommissar. Weil die Fenster nicht gut genug gesichert seien. Jeder Anfänger werde damit fertig.

Schöttke ist Experte für Einbruchschutz. Im Präventionszentrum der Bremer Polizei hat er schon etliche Unternehmer beraten, die ihren Betrieb wirksamer gegen Diebesbanden abschotten wollten. Das Präventionszentrum gehört zu einem bundesweiten Netzwerk von Kriminalpolizeilichen Beratungsstellen.

Wer etwas gegen Langfinger ausrichten will, braucht die richtigen Fenster und Türen oder muss bestehende entsprechend nachrüsten. Worauf es dabei ankommt, lesen Sie auf der nächsten Seite.

 - Innerhalb weniger Augenblicke hat sich ein Profi Zugang verschafft, wenn ihn kein Sicherheitsfenster abhält.
Innerhalb weniger Augenblicke hat sich ein Profi Zugang verschafft, wenn ihn kein Sicherheitsfenster abhält.
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Kommissar Schöttke hat schon viele verwüstete Betriebe gesehen: „Blitzeinbrecher“ fahren mit dem Auto durch Schaufenster hindurch, andere Profis brechen Wände auf oder steigen über das Dach ein. Die Gauner stehlen nicht nur, sondern zerstören auch. Dabei können Kundendaten und wichtige Geschäftsunterlagen verloren gehen. 2011 hatte die Polizei im Stadtgebiet Bremen bei den Gewerbeobjekten 2113 „schwere Diebstähle“ zu verzeichnen. Im Jahr darauf sank die Zahl allerdings rapide ab auf 1532 Delikte, und 2013 waren die Fälle weiterhin rückläufig. Das ist Schöttke zufolge auch auf ein Mehr an Prävention zurückzuführen. Als Basisschutz rät er den Betrieben zu einer Kombination aus mechanischer Sicherung und Alarmanlage. Die Mechanik stehe dabei an erster Stelle, „denn sie wirkt als Barriere und kostet die Einbrecher erst einmal Zeit“.

Eine wichtige Rolle bei der mechanischen Einbruchsicherung spielen Fenster und Türen. Hier einige Tipps für Neueinbau und Nachrüstung:

Tipp 1: Auf die Widerstandsklasse achten
Die Polizeilichen Beratungsstellen empfehlen Gewerbebetrieben den Einbau geprüfter und zertifizierter Türen und Fenster (nach DIN V ENV 1627), und zwar ab der Widerstandsklasse 2 (WK2). Bei ihnen ist sichergestellt, dass es in der Gesamtkonstruktion keine Schwachpunkte gibt. Außerdem sind sie durchwurfhemmend verglast. Wer keine neuen Fenster und Türen anschaffen möchte, kann sie mit WK2-Elementen nachrüsten lassen, zum Beispiel mit einbruchhemmenden Beschlägen, abschließbaren Griffen oder Vorlegestangen bei Türen. Allerdings nützt auch das sicherste Nachrüstungselement wenig, wenn die Grundkonstruktion nicht stabil genug ist. Jürgen Schöttke berichtet von einem Mann, der seine Terrassentüren mit Sicherheitsglas nachgerüstet hatte. Da die Scheiben aber nicht gut genug am Türrahmen befestigt waren, drückten die Einbrecher sie einfach heraus. „Jede Kette ist so stark wie das schwächste Glied – das gilt auch hier“, erklärt der Präventionsexperte.

Was Sie sonst noch beachten sollten, lesen Sie auf der letzten Seite.

Tipp 2: An die Anforderungen der Versicherung denken
Angst vor bösen Buben? - Sprechen Sie die Polizei darauf an. Präventionsberater wie Jürgen Schöttke können Ihnen helfen, Ihren Betrieb besser zu sichern.
Sprechen Sie die Polizei darauf an. Präventionsberater wie Jürgen Schöttke können Ihnen helfen, Ihren Betrieb besser zu sichern.
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Bei der Planung ist unbedingt zu berücksichtigen, welche Anforderungen die Versicherungen stellen. Im gewerblichen Bereich schreiben sie unter anderem die Widerstandsklasse von Türen und Fenstern vor. Die VdS Schadenverhütung, ein Unternehmen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, prüft und zertifiziert Sicherungstechnik. Auf ihrer Website finden sich Informationen über VdS-anerkannte Produkte, Firmen und Fachkräfte.

Tipp 3: Hersteller und Monteure sorgfältig auswählen
Nicht jeder Anbieter hält, was er verspricht. Bei den Kriminalpolizeilichen Beratungsstellen sind Verzeichnisse von Herstellern geprüfter und zertifizierter Produkte und von „Errichterunternehmen“ erhältlich. Mit Errichtern sind Betriebe gemeint, die mechanische Sicherungen fachgerecht montieren. Von der Polizei gelistet werden nur eingetragene Handwerksbetriebe (Tischler, Glaser, Metallbauer, Rollladenbauer), die spezielle Grund- und Aufbauschulungen durchlaufen haben.

Tipp 4: Fachgerechte Montage bestätigen lassen
Weil trotzdem gerade bei der Aufrüstung von Türen oder Fenstern so einiges schiefgehen kann, rät Präventionsfachmann Jürgen Schöttke Unternehmern dringend dazu, sich die fachgerechte Montage schriftlich bestätigen zu lassen. Damit sind Sie dann, was die Haftung angeht, auf der sicheren Seite.

Tipp 5: Nach günstigen Lösungen suchen
„Mechanische Sicherung muss nicht unbedingt teuer sein. Manchmal stellen schon dicke Feldsteine einen super Gebäudeschutz dar“, sagt Kommissar Schöttke. Auch Rollläden oder Rollgitter können ihm zufolge schon eine Menge bewirken. Er erzählt von einem Geigenbauer, der sein Schaufenster von innen mit einfachen Baustahlmatten gesichert hat. Farbig angesprüht und mit Instrumenten geschmückt seien sie dazu noch dekorativ. Lassen Sie also ihrer Phantasie freien Lauf, und schieben Sie Einbrechern gekonnt einen Riegel vor!

(afu)

Weiterführende Links:
www.polizei–beratung.de
www.polizei.bremen.de (Rat und Hilfe)
www.vds.de (VdS Schadenverhütung)

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