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SEPA: Firmenlastschriften erzwingen Umdenken

Brauche ich wirklich ein Geschäftskonto?

Privatkonto oder Geschäftskonto? Diese Frage stellen sich viele Gründer – und lassen jahrelang alles über das Privatkonto laufen. Bis zur ersten SEPA-Firmenlastschrift. Denn nun wird die Bank plötzlich wach.

Privates und Firmenkonten trennen?  - Langfristig überwiegen die Vorteile.
Langfristig überwiegen die Vorteile.
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Privates und Geschäft sollte man sauber trennen – auch auf der Bank. Vorgeschrieben ist das allerdings nicht. Und so nutzen manche Firmen das Privatkonto auch als Geschäftskonto. Immerhin erspart man sich so Bankgespräche, Kosten und oft auch Sicherheiten.

Nicht immer fällt das der Hausbank auf. Bis jetzt. Durch die Umstellung der Lastschriften auf die europäischen Zahlungsregeln SEPA kann sich das schnell ändern: Erteilt ein Handwerker einem Lieferanten ein SEPA-Firmenlastschriftmandat, dann wird die Bank aktiv. Denn Firmenlastschriften können nur von Firmenkonten abgebucht werden.

Der Handwerker könnte zwar mit dem Lieferanten verhandeln: Akzeptiert der Lieferant eine Basislastschrift statt der Firmenlastschrift, dann ist das Thema vom Tisch. Doch wenn der Lieferant auf der Firmenlastschrift besteht, dann ist die Rechtslage klar: „Ein SEPA-Firmenlastschriftmandat kann nur ein Unternehmen erteilen, ergo muss das über ein Geschäftskonto laufen“, sagt Carl-Dietrich Sander, Finanzierungsexperte im KMU-Beraterverband.

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Welche Auswirkungen hat die Trennung der Konten?

Doch das Konto lässt sich nicht einfach von „Privat“ auf „Geschäft“ umstellen. Ein zweites Konto muss her, ein Geschäftskonto. Die Folgen:

  • Kosten: Geschäftskonten haben andere Konditionen, in der Regel sind sie teurer als Privatkonten.
  • Überziehungskredit: Einen Dispo für ein Privatkonto richten Banken oft automatisch ein oder unbürokratisch auf Nachfrage. Die Höhe des Dispos orientiert sich an den monatlichen Gehaltseingängen. Einen Kontokorrentkredit für das Geschäftskonto gibt es nicht so einfach. „Der Kontokorrentrahmen ist Verhandlungssache. Das ist ein Kreditgespräch, auf das man sich vorbereiten muss“, sagt Sander.
  • Sicherheiten: Einen Dispo-Kredit müssen Sie nicht besichern. Einen Kontokorrentkredit auch nicht, solange Ihre Geschäftszahlen sehr gut sind. „Aber wenn die Zahlen das nicht hergeben, dann verlangt die Bank Sicherheiten – bevorzugt Grundvermögen.“
  • BWA amp; Co: Als Privatkunde können Sie jahrelang ohne persönlichen Kontakt mit der Hausbank leben. Als Geschäftskunde mit Kreditrahmen möchte die Bank in der Regel regelmäßig Infos von Ihnen, zum Beispiel Ihre Jahresabschlüsse, ggf. auch eine BWA für den Zwischenstand. Der Informationsbedarf steigt, wenn Sie Ihre Kreditlinie überwiegend voll in Anspruch nehmen oder überschreiten. Suchen Sie rechtzeitig ein persönliches Gespräch, um die Kreditlinie zu erhöhen, falls dies dauerhaft erforderlich ist.
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„In der Praxis kommt es relativ häufig vor, dass Unternehmer ein Geschäftskonto haben, aber kein Privatkonto“, berichtet Carl-Dietrich Sander. Dann wird es zwar keine Probleme mit SEPA-Lastschriften geben.

Dennoch rät der Finanzierungsexperte zur Trennung: „Sehr oft treten Probleme auf, wenn es in der Kontoführung enger wird. Das löst bei der Bank Warnsignale aus und wirkt sich negativ auf das Rating aus.“

Auslöser sind nach seiner Erfahrung häufig zu hohe Privatentnahmen: Weil der Unternehmer privat zu viel ausgibt, bekommt plötzlich der Betrieb Stress mit der Hausbank. „Ich erlebe es oft, dass wir über Liquiditätsprobleme reden und feststellen: Es liegt nicht an der Firma.“

Getrennte Konten: „Vorteile überwiegen“
Sanders Rat: „Trennen Sie Privat- und Geschäftskonto sauber“. Die Vorteile:

  • Wenn eines der Konten aus der Linie läuft, können Sie die Ursachen schneller erkennen und leichter gegensteuern.
  • Die höheren Kosten eines Geschäftskontos sind im Vergleich zu den anderen Betriebsausgaben vergleichsweise gering. Zudem sind die Kosten oft Verhandlungssache. Das gilt auch für das Privatkonto.
  • Häufig bieten Banken Privatkonten kostenlos an – regelmäßige Zahlungseingänge und Online-Banking vorausgesetzt. Das schafft einen gewissen Ausgleich für die Mehrkosten des Geschäftskontos. Zudem können Sie die Kontoführungsgebühren des Geschäftskontos von der Steuer absetzen.
Für Sander ist das eine klare Sache: „Die Vorteile getrennter Konten überwiegen. Vor allem ist die Trennung für die eigene Liquiditätssteuerung eminent wichtig.“

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(jw)
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