Foto: Torsten von Reeken

Breitbandausbau

Breitbandverlierer: Kein Netz für Handwerker

Walter Tapken ist digital gut aufgestellt – doch seine Internetverbindung sabotiert den Betrieb. Von Breitband kann er nur träumen. Wie Millionen andere Deutsche.

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Auf einen Blick

  • Stabile Verbindung – Fehlanzeige: Wenn Unternehmer Walter Tapken mal wieder eine 3D-Zeichnung verschicken muss, kann er nie sicher sein, ob die auch beim Kunden ankommt. Netz-Störungen gehören für ihn zum Alltag.
  • Breitband in Sicht, aber unerreichbar: 400 Meter vor Tapkens Betriebssitz endet der Breitbandausbau per Glasfaserkabel.
  • Paradox: Breitbandinternet von „mindestens 50 Mbit/s“ wollte die Bundesregierung flächendeckend bis 2018 errichten. Doch Gebiete, die theoretisch schon mit 30 Mbit/s erschlossen sind, erhalten überhaupt keine Förderung.

Von Astrid Funck und Denny Gille

Der Unternehmer Walter Tapken hat es nicht nur mit der harten Ware Metall, sondern auch mit großen Datenmengen zu tun. Mit digitalen 3D-Zeichnungen für Werksplanungen zum Beispiel. Er verschickt sie an alle Projektbeteiligten. Und die schicken sie mit ihren Anmerkungen versehen wieder zurück.

Abgeschnitten vom Glasfaserland

Das geschieht allerdings nur mit Verzögerungen, zum Teil auch erst beim zweiten oder dritten Versuch, denn Walter Tapken hat ein Problem: Sein Betrieb, die Meinardus + Tapken Stahl- und Metallbau GmbH im Gewerbegebiet Brake Nord, wurde beim Breitbandausbau vergessen. Die von der EWE gelegten Glasfaserkabel enden etwa vierhundert Meter von seinem Firmengelände entfernt in einem Verteilerkasten. Deshalb ist der Metallbaumeister auf Kupferleitungen angewiesen, die ihm keinen guten Dienst erweisen.

Durch Störungen und Abbrüche beim Versenden von Dateien verliert Tapken wertvolle Zeit, und die Kunden sind irritiert. „Manchmal bekomme ich noch nicht einmal eine Fehlermeldung, obwohl der Kunde die Datei gar nicht erhalten hat“, berichtet der Firmenchef. Noch schlimmer sei es, wenn mehrere Mitarbeiter gleichzeitig an den Firmenrechnern arbeiten und Datenpakete verfrachten.

Für besseres Internet im Gewerbegebiet bräuchte der Netzbetreiber EWE einen Auftrag vom Landkreis. Da es den nicht gibt, blieben Tapkens Verhandlungen mit EWE ohne zufriedenstellende Lösung: „Die hätten mir das Glasfaserkabel nur dann bis in die Firma gelegt, wenn ich einen Fünfjahresvertrag für 400 bis 500 Euro im Monat abgeschlossen hätte – mit einer zusätzlichen Anschubfinanzierung in Höhe von circa 20.000 Euro.“ Das war dem Unternehmer zu viel.

Breitbandverbindung nicht förderfähig

So werden er und sechs benachbarte Betriebe weiterhin ihr Dasein im „Kupferland“ fristen müssen. Die Bundesregierung hat zwar im Jahr 2014 das Ziel ausgegeben, ihre Bürger bis 2018 flächendeckend mit Breitbandinternet von „mindestens“ 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) zu versorgen. Tapkens Problem ist dadurch aber nicht gelöst.

Grund: „Der geförderte Breitbandausbau darf nur dort erfolgen, wo nicht bereits der eigenwirtschaftliche Ausbau mit mindestens 30 Mbit/s erfolgt ist“, erläutert Matthias Sturm, Projektleiter für den Breitbandausbau im zuständigen Landkreis Wesermarsch. Walter Tapkens Gebiet sei nicht förderfähig, denn die Internetverbindung dort liege oberhalb der 30 Mbit/s. Nur merkt der Unternehmer davon nichts: Acht bis zwölf Mbit/s kommen bei ihm laut Online-Messungen an. Die Telekom bezahlt er monatlich für 50 Mbit/s.

Flächendeckender Breitbandausbau? Nicht in Sicht

Da tröstet es wenig, dass Tapken sich mit seinem Problem laut Zahlen der Bundesnetzagentur in guter Gesellschaft befindet. Denn:

  • Knapp 30 Prozent der Internetnutzer in Deutschland bekommen weniger als die Hälfte ihrer vertraglich vereinbarten Datenübertragungsrate.
  • Der für 2018 versprochene flächendeckende Breitbandausbau mit „mindestens 50 Mbit/s“ hat im Dezember 2017 erst 77 Prozent der Haushalte erreicht.

Das für den Ausbau zuständige Bundesverkehrsministerium lässt sich angesichts solcher Zahlen allerdings nicht beunruhigen. „Das Erreichen des Ziels ‚flächendeckend mindestens 50 Mbit/s‘ wird für Ende 2018 angestrebt“, erklärt es beharrlich. Wie das gelingen soll, wenn Gebiete mit Verbindungen von 30 Mbit/s bei der Förderung keine Rolle spielen, bleibt dabei offen.

Blumige Worte werden Walter Tapken ohnehin nicht aus seiner Misere holen: „Ohne Digitalisierung läuft heute nichts mehr. Wer da kein schnelles Internet hat, wird ausgebremst und kann im Wettbewerb auf Dauer nicht mithalten“, weiß der Unternehmer. Tapken befindet sich weiterhin im Dialog mit der EWE. Falls sich nichts ändere in Sachen Breitbandversorgung, dann gebe es für ihn nur eine Konsequenz: „Ich ziehe zunächst mit meinem Büro ein paar Orte weiter und verlagere langfristig den gesamten Betrieb.“ In ein anderes Gewerbegebiet – irgendwo im Glasfaserland.

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