Bei der NHT-Umfrage landete das neue Datenschutzrecht auf Platz 1 der größten Herausforderungen für Handwerksbetriebe.
Foto: Gille / Hamacher

Politik und Gesellschaft

Bürokratie belastet Betriebe

Trotz aller negativen Wirtschaftsmeldungen: Handwerker sind optimistisch – obwohl Bürokratie auf die Stimmung drückt. Das ergab eine Blitzumfrage.

Auf einen Blick:

  • 855 Betriebe haben bei einer Blitzumfrage des Niedersächsischen Handwerkstages mitgemacht: Mit großer Mehrheit blicken sie optimistisch in die Zukunft.
  • Allerdings gibt es auch Dinge, die die Betriebe belasten. Bremsklotz Nummer 1 war 2018 die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO).
  • Auf Platz zwei der größten Herausforderungen landete die Fachkräftegewinnung. Laut NHT-Umfrage sieht sich jeder dritte Betrieb wegen des Bewerbermangels in seiner Entwicklung eingeschränkt.

Dem Handwerk geht noch lange nicht die Puste aus“, resümiert der Präsident des Niedersächsischen Handwerkstages (NHT), Mike Schneider, die Ergebnisse einer Blitzumfrage, an der 855 Betriebe teilgenommen haben. Nur fünf Prozent der Befragten seien mit der jetzigen Geschäftslage unzufrieden. Und über 90 Prozent gingen von einer stabilen oder besseren Wirtschaftslage im ersten Halbjahr 2019 aus. „Nicht einmal ein Prozent der Handwerker befürchtet eine deutliche Verschlechterung der eigenen Wirtschaftslage“, stellt Schneider auf einer Pressekonferenz klar.

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Handwerk rechnet für 2019 mit Umsatzplus

Die Konjunkturexperten der Handwerkskammern in Niedersachsen teilten diese Einschätzung. Sie rechnen nach Aussage des NHT-Präsidenten für das Jahr 2019 insgesamt mit einem Umsatzplus von drei Prozent auf 58,7 Milliarden Euro. Dabei würden die Beschäftigtenzahlen um fast ein halbes Prozent auf knapp 537.000 leicht steigen.

Das größte Ärgernis: die DSGVO

Und was sind die größten Herausforderungen für Handwerksbetriebe? „Unangefochten steht die Bürokratie bei den Befragten mit 68 Prozent auf dem ersten Platz. Die Bewertung hat sich im Vergleich zum Vorjahr spürbar verschärft“, erklärt Schneider. Wenn die geplante Clearingstelle „Bürokratie“ der Landesregierung ihre Aufgabe ernst nehme, werde es nicht an Arbeit mangeln.

Größtes Ärgernis des Jahres 2018 war bei den befragten Betrieben die Europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Sie zielt nach Aussage von Schneider nachvollziehbar auf multinationale Datenkraken ab. „Getroffen hat es aber viele kleine Handwerksbetriebe, ohne erkennbare Wirkung“, stellt der NHT-Präsident klar. Bund und Länder sollten künftig die europäischen Vorgaben nicht noch verschärfen, sondern auf eine 1:1 Umsetzung achten. Andernfalls würden sie der europäischen Idee schaden.

Fachkräftemangel schränkt Entwicklungsmöglichkeiten ein

Auf dem zweiten Platz der Liste „Herausforderungen“ zeigt sich auch in 2019 die Fachkräftegewinnung als deutliches Problem. „Jeder dritte befragte Handwerksbetrieb ist in seinen Entwicklungsmöglichkeiten aufgrund mangelnder Bewerberinnen und Bewerber deutlich eingeschränkt. Bei den Betrieben über 50 Mitarbeiter ist sogar jeder zweite stark in seinen Entwicklungsmöglichkeiten begrenzt. Das schadet dem Wirtschaftsstandort Niedersachsen!“, mahnt Schneider.

Viele Handwerker finden Steuerpolitik ungerecht

Die Steuer- und Sozialabgaben haben im Ranking um die größte Herausforderung deutlich aufgeholt und belegen nur mit geringem Abstand den dritten Platz. „80 Prozent der Betriebe halten die aktuelle Steuerpolitik für ungerecht“, bringt es Schneider auf den Punkt. Vor allem die Steuertricks großer Konzerne würden von kleineren Betrieben sehr kritisch gesehen. „An dieser Stelle besteht ein erheblicher politischer Handlungsbedarf“, meint der NHT-Präsident.

Als Beispiel führt Schneider die aktuell diskutierte Neuaufstellung der Grundsteuer ins Feld, die aus seiner Sicht erhebliche Nebenwirkungen hat. Sie würde nicht nur zusätzlichen bürokratischen Aufwand verursachen, sondern führe auch zu einer weiteren Verdrängung von Handwerksbetrieben an die Stadtränder oder in die Peripherie.

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