Dann sollten Sie sich diese 3 Fragen ehrlich beantworten.
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Unternehmensfinanzierung

Corona: Ist mein Betrieb überlebensfähig?

Corona geht an die Existenz. Wer wissen will, wie es um die Überlebensfähigkeit seines Betriebs bestellt ist, sollte diese 3 Fragen ehrlich beantworten.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Ob ein Betrieb während und nach der Corona-Krise überlebensfähig ist, hängt von vielen Faktoren ab. Doch mit 3 einfachen Fragen kommen Sie schnell zu einer ersten Einschätzung.
  • Dabei sollten Sie nicht nur ihre kurzfristige Liquidität berücksichtigen, sondern auch die Lage Ihrer Konkurrenz.
  • Und wie steht es um Ihre eigenen Akquisefähigkeiten? Die könnten entscheidend sein für das langfristige Bestehen Ihres Betriebs.

Wochenlange Schließungen, wegbrechende Umsätze und stornierte Aufträge hinterlassen wirtschaftliche Spuren –mancher Inhaber bangt um die Zukunft seines Betriebs. Sanierungsberater Olaf Marticke weiß, wie Sie die Überlebenschancen ihres Betriebs schnell einschätzen.

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1. Wie liquide bin ich kurzfristig?

Marticke rät, eine kurzfristige Liquiditätsplanung für die nächsten drei Wochen zu erstellen: Welche Ausgaben kommen auf Sie zu? Und welche liquiden Mittel stehen dem gegenüber: Kontoguthaben, Kontokorrentkredit, Zahlungseingänge?

Übersteigen die Ausgaben ihre liquiden Mittel, dann müssen Sie aufgrund der in der Corona-Krise geänderten Insolvenzregeln nicht automatisch Insolvenz anmelden. Stattdessen müssen Sie prüfen, ob es sich um einen Corona-bedingten Engpass handelt, den Sie beseitigen können. Dazu sieht der Unternehmensberater die folgenden Möglichkeiten:

  • Nutzen Sie Kurzarbeitergeld, Steuerstundungen und die neue Überbrückungshilfe vom Bund.
  • Verhandeln Sie mit Ihren Gläubigern über neue Zahlungsziele und treffen Sie schriftliche Vereinbarungen.
  • Schreiben Sie zügig Rechnungen für alle fertigen Arbeiten.
  • Ziehen Sie nach Möglichkeit bestehende Aufträge vor, um sie frühzeitig abzurechnen.
  • Planen Sie Sie neue Aufträge möglichst so, dass Sie schnell Leistungen oder Teilleistungen abrechnen können.

Warum drei Wochen? Weil das die Frist ist, innerhalb derer Sie einen Insolvenzantrag stellen müssten, falls es keine anderen Ausweg gibt.

Zudem sollten Sie Sie laut Marticke in jedem Fall, auch bei ausreichender Liquidität, die Liquiditätssituation für weitere drei Wochen prüfen: „Es kann durchaus sein, dass sie in den ersten drei Wochen eine massive Unterdeckung haben und in den weiteren drei Wochen höhere Einzahlungen haben.“ Oder umgekehrt.

2. Wie geht es meiner Konkurrenz?

Wichtig ist natürlich auch, wie sich die Nachfrage weiter entwickelt. Es gehen weniger Anfragen ein und bei Angeboten kommen Sie seltener zum Abschluss? Handwerkern, die keine Angebote mehr offen haben, empfiehlt Marticke: „Befassen Sie sich mit Ihrem persönlichen Absatzmarkt.“ Zum Beispiel lohne sich ein Blick auf den Wettbewerb: Haben Ihre direkten Wettbewerber geschlossen oder Probleme? „Dann können Sie dort eventuell Potenzial abschöpfen“, sagt der Sanierungsberater. Aber nicht nur, wenn es beim Wettbewerb schlecht läuft, können Sie das zu Ihrem Vorteil nutzen: „Schauen Sie auch, was Ihre Wettbewerber besonders gut machen“, rät Marticke. „Vielleicht können Sie sich etwas abgucken.“

3. Wie gut bin ich in der Akquise?

Vor der Corona-Krise konnten sich viele Handwerker vor Aufträgen kaum retten und mussten selten Akquise betreiben. Durch Corona könnte sich die Marktsituation laut Marticke ändern, weil es Stornierungen gibt oder Kunden mit neuen Aufträgen zurückhaltend sind. Sein Tipp: Überlegen Sie wie gut Sie darin sind, Kundenaufträge aktiv zu generieren.

Akquise ist kein Problem für Sie? „Dann kennen Sie Ihre Stärken und wissen, was am Markt gefragt ist“, meint der Sanierungsberater.

Falls Sie sich jedoch damit schwer tun, aktiv auf Kunden zuzugehen und neue Aufträge zu akquirieren, „sollten Sie sich intensiv mit der Akquise und Ihrem Geschäftsmodell auseinandereinsetzen“, rät Marticke. Wichtige Fragen in diesem Zusammenhang seien:

  • Wie sind Sie in der Vergangenheit an neue Aufträge gekommen?
  • Was können Sie besonders gut?
  • Welche der Leistungen sind aktuell und zukünftig am Markt gefragt?
  • Wird sich das auf Ihr Geschäftsmodell auswirken?

Sofern Sie eine Änderung des Geschäftsmodells aktuell nicht für erforderlich halten, spricht laut Marticke einiges dafür, dass der Zugang zu Kundenaufträgen nur temporär schwierig ist. Kommen Sie jedoch zu dem Ergebnis, dass Ihr bisheriges Geschäftsmodell nicht mehr zukunftsfähig ist, müssen Sie sich dem Unternehmensberater zufolge mit weiteren Fragen auseinandersetzen – etwa, wie hoch der Investitionsbedarf sein wird oder ob sie für das neue Geschäftsmodell die richtigen Mitarbeiter haben.

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