Dachdeckermeister Jörg Ewald unterstützt die „Fridays for Future“-Bewegung: „Wir müssen die Wende schaffen!“
Foto: Denny Gille

Fridays for Future

Dachdecker bei Klimaprotesten: „Wir müssen die Wende schaffen“

Klimaschutz ist Dachdecker Jörg Ewald ein zentrales Anliegen. Am 29. November ging er dafür mitdemonstrieren. Hier erklärt er seine Beweggründe.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Ende November gingen bei den „Fridays for Future“-Demonstrationen Hunderttausende Teilnehmer in Deutschland für mehr Klimaschutz auf die Straße.
  • Unter ihnen war auch Dachdeckermeister Jörg Ewald. Er unterstützte die Organisatoren in Hannover mit einem seiner Elektro-Transporter. Auf der Pritsche seines umgebauten VW T4 wurde die Beschallungsanlage für Musik und Durchsagen installiert.
  • Jörg Ewalds Beweggrund ist: Überzeugung. Er macht sich mit seinem Unternehmen seit Langem für Klimaschutz stark und fordert von der Politik mehr Klimaschutzmaßnahmen, als es das aktuelle Klimapaket vorsieht.

Am 29. November versammelten sich Schüler, Studenten und andere Bürger in 2.500 Städten weltweit, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. In Deutschland beteiligten sich laut den Organisatoren 630.0000 Teilnehmer in über 500 Städten an den Demonstrationen. Dachdeckermeister Jörg Ewald war in Hannover mit dabei. Er unterstützte den Zug mit einem seiner drei Elektro-Transporter, einem umgebauten VW T4, auf dem das Organisationsteam eine Beschallungsanlage für Musik und Durchsagen installiert hatte. Hier erklärt er seine Beweggründe für die Teilnahme.

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Kein Freitag wie jeder andere

Herr Ewald, wie sieht Ihr Freitag normalerweise aus?

Jörg Ewald: Eigentlich arbeite ich bis zum späten Nachmittag. Aber ich bin froh, dass ich mir die Zeit nehmen konnte, um die Demonstranten zu unterstützen. So etwas verursacht natürlich Organisationsaufwand für mich und meinen Handwerksbetrieb. Aber das ist es mir wert.

Wie kam es zu Ihrer Teilnahme an der Demo?

Ewald: Der Chef eines Lastenfahrradhändlers hat mich wegen einer Anfrage für eine Photovoltaik-Anlage kontaktiert. Seine Frau unterstützt die Fridays-for-Future-Bewegung. Auch diese Demonstrationen brauchen Fahrzeuge für ihr Equipment. Da habe ich meinen Elektrotransporter angeboten.

Warum nehmen Sie an der Demonstration teil?

Aus Überzeugung. Ich freue mich, endlich erleben zu dürfen, dass eine Generation sich gegen die Klimapolitik und Politik der Bundesregierung auflehnt. Wir müssen die Wende schaffen! Es kann nicht sein, dass wir die Welt gegen die Wand fahren.

Man muss mal ungewöhnliche Proteste bringen

Was halten Sie davon, dass die Demonstration auf Kosten des Schulunterrichts stattfindet?

Seit 50 Jahren warnen Tausende Wissenschaftler auf der Welt vor dem Klimawandel. Die ersten Folgen spüren wir heute und doch werden die Warnungen nicht wirklich ernst genommen. Da muss man einfach mal ungewöhnliche Proteste bringen, um die Politik in die richtige Richtung zu drängen. Dass der Unterricht ausfällt ist schade, ich glaube aber, dass die Schüler an diesen Aktionen wachsen. Sie merken, dass man aufmüpfig sein kann, wenn man dafür einen guten Grund hat.

Wünschen Sie sich, dass mehr Leute aus der Mitte der Gesellschaft teilnehmen?

Politische Beteiligung ist wichtig. Protest ist das eine, machen das andere. Es gehen auch Leute mit auf die Straße, die Entscheider sind und etwas Kapital haben. Mit Solaranlagen am Balkon, guter Dämmung und dem Bemühen, Müll zu vermeiden, kann jeder positive Veränderungen anstoßen. Auch ich trage als Unternehmer bei, betreibe selbst 310 Kilowatt Peak Solarleistung und habe mich auf Dachbegrünung, Photovoltaik-Installation und ökologische Dämmung mit Naturstoffen spezialisiert.

Klimapaket: gute Ansätze, insgesamt zu lasch

Was halten Sie vom geplanten Klimapaket der Bundesregierung?

Es gibt ein paar gute Ansätze, gerade im Bereich der Förderung energetischer Sanierung. Leider ist das Paket aber an allen Ecken und Enden zu lasch. Seit dem Jahr 2000 haben es die Bundesregierungen versäumt, die Klimapolitik in die richtige Richtung zu lenken. Nach so vielen verpassten Chancen können wir jetzt nur noch mit harten Maßnahmen etwas bewirken.

Was fordern Sie politisch?

Dass die Verkehrs-, Energie-, Agrar- und Wärmewende endlich mal in Schwung kommt. Die Politik muss die Wende schaffen, aber auch jeder Einzelne. In vielen Regionen ist mit den Fridays-for-Future-Demonstrationen etwas ins Rollen gekommen. Ich wünsche mir, dass das noch mehr Leute unterstützen, anstatt dagegen anzureden.

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