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Schwarzarbeit

“Das fehlende Unrechtsbewußtsein ist das schlimmste”

Steigt Sie im neuen Jahr weiter an? Geht Sie aufgrund der guten Konjunktur weiter zurück? Die Prognosen zur Schwarzarbeitsentwicklung könnten unterschiedlicher nicht sein. Worin das Hauptproblem besteht, bringt eine Unternehmerin aus Dassel auf den Punkt.

 - Die Schwarzarbeit ist dem Handwerk ein Dorn im Auge.
Die Schwarzarbeit ist dem Handwerk ein Dorn im Auge.
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Ob die Schattenwirtschaft im laufenden Jahr nun zunimmt oder nicht – "Schwarzarbeit in jeglicher Form ist ein absolutes Reizthema für mich!", stellt Nicole Langer klar. Langer ist seit 2011 selbstständig. In der Handwerksammer ist sie als Kostümbildnerin und Modistin eingetragen. Hauptsächlich arbeitet sie für Filmproduktionen sowie für Kunden im Bereich Historie und Fantasy.

Was die Unternehmerin vor allem aufregt: "Am schlimmsten ist dabei für mich, das fehlende Unrechtsbewußtsein in der Bevölkerung", Damit fange nicht nur aus ihrer Sicht das Grundproblem an. Auch verschiedene Experten verweisen darauf, dass Schwarzarbeit von vielen Auftraggebern als Bagatell-Delikt gesehen wird.

Was Schneiderin Langer außerdem sauer aufstößt: "Dass man sich auch noch beschimpfen lassen muss, wenn man ,Schwarzarbeiter' auf ihr illegales Verhalten hinweist."

"Die Ehrlichen, die ihren ganzen Meldepflichten etc. nachkommen, werden noch durch immer mehr Pflichtmitgliedschaften, Mindestbeitrags-Bemessungsgrenzen und immer absurder werdende Vorschriften gemolken wie nichts Gutes", resümiert die Unternehmerin und ergänzt: "Gerade in meinem Bereich – und damit eben längst nicht nur im Baubereich – könnte ich Bücher darüber schreiben, was einem oftmals die Lust an seinem Handwerk vermiest."

Nicht zuletzt auch die sozialen Netzwerke wie Facebook leisteten dem ganzen Thema Vorschub. "Immer wieder werden dort Aufträge angeboten und regelmäßig von Privatleuten damit Umsätze generiert", ärgert sich die Unternehmerin.

Und was würde wirklich helfen? Vor allem zwei Themen bringen Schwarzarbeits-Experten ins Gespräch. Lesen Sie weiter auf Seite 2.

Weniger kalte Progression
  - Fachleute sehen gleich mehrere Ursachen.
Fachleute sehen gleich mehrere Ursachen.
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Insgesamt wird die Schattenwirtschaft im Jahr 2014 um circa zwei auf rund 339 Milliarden Euro zurückgehen, sagt Friedrich Schneider. Als Grund dafür nennt der bekannte Schwarzarbeitsexperte von der Johannes Keppler Universität in Linz das positive Wirtschaftswachstum. Das liegt nach aktuellen Prognosen bei 1,7 Prozent.

Schwarz wird in Deutschland 2014 nach Schneiders Zahlen immer noch 12,2 Prozent des Bruttosozialproduktes erwirtschaftet. Damit rangiert die Bundesrepublik Deutschland im Vergleich der 34 in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (kurz: OECD) zusammengeschlossenen Länder im Mittelfeld.

Hans-Hartwig Löwenstein, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, nennt die Zahlen "erschreckend" und weist darauf hin, dass "die Ankündigungen der neuen Bundesregierung im Koalitionsvertrag die Schattenwirtschaft weiter begünstigen werden."

Ebenso wie Schwarzarbeitsexperte Schneider prangert Löwenstein die "kalte Progression" bei der Einkommenssteuer an. Sie habe zur Folge, dass gerade die mittleren Einkommensschichten besonders belastet würden.

Beide Fachleute sind davon überzeugt, dass ein entschiedenes Handeln der Bundesregierung hier den Anreiz, mit Aufträgen in die Schattenwirtschaft auszuweichen, deutlich vermindern würde. Denn so würde sich die Schere zwischen Bruttolohn und Nettolohn schließen, veranschaulicht Löwenstein.

Stattdessen spiele die Bundesregierung nach den Berechnungen Schneiders der Schattenwirtschaft mit der Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro ab dem 1. Januar 2015 weiter in die Hände. Laut Schneider wird der die Schattenwirtschaft um rund 1,2 Milliarden Euro erhöhen. "Denn das Ausweichen in die Schwarzarbeit ist ein Weg, den Mindestlohn zu umgehen – allerdings nicht der einzige", sagt Schneider.

Welchen er noch vor Augen hat, lesen Sie auf der letzten Seite.

Mehr Kontrollen
 - Mehr Personal und bessere Ausstattung: Das fordert das Bauhandwerk für den Zoll - und hofft dann auf eine wirksamere Bekämpfung der Schwarzarbeit.
Mehr Personal und bessere Ausstattung: Das fordert das Bauhandwerk für den Zoll - und hofft dann auf eine wirksamere Bekämpfung der Schwarzarbeit.
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Auch die geplante Erhöhung des Beitrags zur Pflegeversicherung um 0,5 Prozentpunkte innerhalb der Legislaturperiode führt nach Schneiders Modellrechnungen zu einer Ausweitung der Schattenwirtschaft um 840 Millionen Euro. "Der Mechanismus ist der gleiche wie bei den Rentenbeiträgen", weiß der Wirtschaftswissenschaftler.

Vor diesem Hintergrund sieht ZDB-Präsident Löwenstein die Bundesregierung in der Pflicht. "Die Koalition muss ihren eigenen Ankündigungen im Koalitionsvertrag zur Verbesserung der Bekämpfung von Steuerhinterziehung, Sozialversicherungsbetrug, Schwarzarbeit und illegaler Beschäftigung umgehend folgen", fordert er.

Dazu müssten die rechtlichen Rahmenbedingungen unter anderem im Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz und in der Gewerbeordnung verbessert werden. Außerdem sieht der ZDB-Präsident die Regierungskoalition in der Pflicht, die personelle und die informationstechnische Ausstattung der Finanzkontrolle Schwarzarbeit zu verbessern.

"Jetzt gilt es, den Ankündigungen schnellstmöglich durch entsprechende Gesetzesinitiativen Taten folgen zu lassen. Dabei muss die Bekämpfung der Scheinselbständigkeit und jede andere Form der Umgehungsmöglichkeiten des deutschen Rechts im Vordergrund stehen", stellt Löwenstein klar.

(ha)

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