Was ein französischer Zimmermann auf seiner Arbeit hinterließ sollte erst Generationen später gefunden werden.
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Panorama

Das grausame Dielen-Tagebuch eines Zimmermanns

Zu Lebzeiten wagte Joachim Martin es nicht, sein Wissen um Kindsmorde öffentlich zu machen. Er versteckte es in seiner Arbeit, wo es gut 100 Jahre schlief.

Frankreich im Jahr 1880. Der Zimmermann Joachim Martin war gerade 38 Jahre alt und verlegte im Schloss Château de Picomtal Holzdielen. Was damals wohl niemand wusste: Der Handwerker hinterließ auf den Hölzern allerhand Bleistiftnotizen, berichtet die Nachrichtenseite n-tv.de.

72 Aufzeichnungen aus zwei Jahren kamen ans Tageslicht, als der neue Besitzer des Alpenschlosses die Fußböden im Obergeschoss erneuern lassen wollte. Die Texte ließen sich zu einem Tagebuch zusammensetzen – einem Tagebuch mit grausamen Ereignissen, die vom Leben der damaligen Zeit berichten.

So hörte Martin eines Mitternachts ein Stöhnen aus dem Stall. Die Geliebte eines alten Freundes bekam ein Kind. Eine Chance auf Leben jedoch hatte das Neugeborene nicht. Es wurde getötet und im Stall begraben. Nicht von der Mutter, sondern von Martins Freund selbst. Vier von sechs Kindern der Geliebten wurde dieses Schicksal zuteil.

Zwar war Martin entsetzt über die Kindesmorde, sah sich jedoch gezwungen, das grausame Geheimnis mitzutragen. Zu eng waren die familiären Verbindungen, um die Straftat anzuzeigen. Auch hätten im Dorf Les Crottes viele davon gewusst. Doch niemand brach sein Schweigen.

In seinem Dielen-Tagebuch konnte sich der Zimmermann die Erlebnisse von der Seele schreiben, ohne ihre Entdeckung fürchten zu müssen. Er wusste wohl, dass gute handwerkliche Arbeit sein Leben überdauern würde. So steht auch auf den hölzernen Dielen: „Glücklicher Sterblicher. Wenn du das liest, sollte ich nicht mehr sein.“

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