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Irreführendes Fax-Formular

"Das ist nicht von uns!"

Richtig groß steht nur eins auf dem Fax-Formular: „Gelbe Seiten“. Dabei sollte eigentlich der Preis groß zu lesen sein: 1992 Euro. Jetzt warnt ein seriöser deutscher Gelbe Seiten Verlag vor diesem Angebot.

Irreführendes Fax-Formular - Täuschend echt: So wirkt dieses Formular der Firma Direct Marketing South East Ltd. auf den ersten Blick. Fragen Sie zur Sicherheit Ihren Gelbe Seiten Berater, falls Sie sich unsicher sind, ob das Fax von ihm stammt.
Täuschend echt: So wirkt dieses Formular der Firma Direct Marketing South East Ltd. auf den ersten Blick. Fragen Sie zur Sicherheit Ihren Gelbe Seiten Berater, falls Sie sich unsicher sind, ob das Fax von ihm stammt.
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Das Geschäft mit dem Anschein muss sich wohl lohnen. Denn gerade rollt die nächste Welle irreführender Formulare über unsere Leser hinweg. So massiv diesmal, dass Hinweise, Fragen und Warnungen aus Betrieben und Kammern im Stundenrhythmus in unserer Redaktion eingehen.

Um was geht es? Um ein Fax-Formular, über dem in großen Buchstaben „Gelbe Seiten“ steht und in der Betreffzeile „Informationen zu Ihrem Unternehmensprofil“. Die Empfänger sollen angeblich ihre Kontaktdaten überprüfen, aktualisieren und bestätigen.

Die wichtigsten Infos? Im Kleingedruckten!
Nur dass dahinter keiner der bekannten deutschen Gelbe Seiten Verlage steckt, und es sich nicht um eine Bestätigung handelt, sondern um einen ganz neuen Vertrag. Das steht auch alles in dem Formular – nur eben sehr viel kleiner. Anbieter ist demnach „DMSE – Direct Marketing South East“.

Der Preis für das Angebot: 83 Euro monatlich, zwei Jahre Laufzeit, zahlbar jährlich und im Voraus. Insgesamt also 1992 Euro. Und wofür? Auch das findet sich im Kleingedruckten: für die Veröffentlichung einiger Unternehmensdaten auf einer Website namens europa.trade.

Was ist von diesem Angebot zu halten?
„Diese Formulare stammen nicht von uns“, betont Rechtsanwalt Timo Lange von der Schlüterschen Verlagsgesellschaft in Hannover, einem der deutschen Gelbe Seiten Verlage. Der Anbieter DMSE „steht in keinerlei Verbindung mit den Gelbe Seiten, die wir gemeinsam mit DeTeMedien herausgeben“, sagt Lange.

Und dann wird der Jurist deutlicher: „Es handelt sich dabei um eine der zahlreichen irreführenden Formular-Aussendungen, die dubiose Anbieter immer wieder an Unternehmer schicken. Die Absender spiegeln dabei vor, es handele sich um eine Aussendung aus unserem Haus, um den Empfängern unbemerkt eine Vertragserklärung zu entlocken.“

Ein Vertrag – mit wem eigentlich?
Wer das Formular unterschrieben zurückschickt, gehe einen Vertrag ein „mit einem dem Empfänger bis dahin völlig unbekannten Anbieter“. In diesem Fall eben mit der „DMSE – Direct Marketing ­South East Ltd.“. Lange hat ein wenig recherchiert: Kleingedruckt am Rand des Formulars steht zwar, dass die DMSE ihren Sitz offenbar in Hongkong habe. „Die Domain europa.trade wird hingegen von einer angeblichen Person in den USA gehalten und im Impressum der Website steht als angebliche Anschrift eine Adresse in Dubai.“

Nächste Seite: Wer hilft in Zweifelsfällen? Und: Was tun, wenn Sie schon unterschrieben haben?

Was tun, wenn ich mir nicht sicher bin?
Rechnungen und Mahnbescheide nicht ignorieren. - Wer irrtümlich schon unterschrieben hat, sollte einen Anwalt aufsuchen, rät Timo Lange von der Schlüterschen Verlagsgesellschaft.
Wer irrtümlich schon unterschrieben hat, sollte einen Anwalt aufsuchen, rät Timo Lange von der Schlüterschen Verlagsgesellschaft.
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Timo Langes Rat an alle Kunden der echten Gelbe Seiten: „Bitte prüfen Sie stets genau Formulare, die auf den ersten Blick nach einem Korrekturabzug oder einem Formular zum Datenabgleich aus unserem Hause aussehen.“

Erst mal nachfragen!
In Zweifelsfällen sollten sich Betroffene mit ihrem bekannten Kundenbetreuer oder Medienberater der Gelbe Seiten Verlage in Verbindung setzen. „Unsere Berater können sofort erkennen, ob so ein Formular aus unserem Haus stammt.“

Aussitzen ist keine Lösung!
Problematischer wird es für Betriebe, die schon unterschrieben haben. „Diesen empfehlen wir, sich für eine Beratung an einen Rechtsanwalt zu wenden“, sagt Lange. Der Jurist ist zuversichtlich, dass Forderungen aus derartigen Verträgen vor Gericht keinen Bestand haben.

Wovor er jedoch ausdrücklich warnt: solche Rechnungen oder gar einen gerichtlichen Mahnbescheid einfach zu ignorieren. „Das gerichtliche Mahnverfahren ermöglicht eine Vollstreckung, ohne dass zuvor die Berechtigung der Forderung geprüft wird. Wer Mahn- und Vollstreckungsbescheid ignoriert, muss zahlen. Dann hilft auch kein Anwalt mehr.“

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Und was unternimmt die Schlütersche gegen solche Anbieter? „Wir haben in diesem Fall bisher keine rechtlichen Schritte eingeleitet, weil sich Forderungen gegen ein Unternehmen in China nur unter erheblichen Schwierigkeiten durchsetzen lassen“, sagt der Jurist. Angesichts der Vielzahl betroffener eigener Kunden bereite der Verlag nun jedoch rechtliche Schritte vor.

(Hinweis: Die Schlütersche Verlagsgesellschaft verlegt neben den Gelbe Seiten auch gemeinsam mit mehreren Handwerkskammern die Zeitung Norddeutsches Handwerk und ist zudem Anbieter des Informationsportals www.handwerk.com.)

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(jw)


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