Foto: Odewald

Fuhrpark

Der wüsteste aller Volkswagen

Der Amarok ist der Vorzeige-Offroader der Wolfsburger. Jetzt wurde der kantige Pickup technisch ordentlich aufgerüstet. Wir nutzten die Möglichkeit einer ersten Probefahrt im artgerechten Umfeld.

Auf einen Blick:

  • Aufgerüstet: Der Amarok von VW erfreut sich schon lange wachsender Beliebtheit unter den Pick-up-Fans. Nun wurde der Offroader technisch noch einmal deutlich nachgewürzt.
  • Mächtiger Motor: Euro 6 erreicht, Verbrauch laut Werksangaben gesenkt. Der neue 6-Zylinder ist nicht nur fürs Autoquartett ein Trumpf.
  • Last und Luxus: 3,5 Tonnen Zugkraft, mehr als eine Tonne Zuladung stehen beim Amarok keineswegs im Widerspruch zum sänftenartigen Dahingleiten im 14-Wege-ergoComfort-Sitz und anderem automobilen Wellness.

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Nach wie vor liegt die Fahrzeuggattung der Midsize-Pickups weltweit im Trend. Robuste Technik, viel Zuladung und enorme Offroad-Fähigkeiten sind allen Dirt-Cargo-Vans, wie die Amerikaner ihre automobilen Schätzchen treffend nennen, gemein. Leiterrahmen und Blattfedern werden in Asien und Amerika gern mit hubraumstarken Motoren kombiniert, um Ladung quer durch die Pampa zu transportieren.

Auf diesen Markt schielten die Wolfsburger, als sie ihren Amarok vor gut sechs Jahren in den Ring schoben. Und der hochbeinige Offroader erwies sich zunächst auch als der erhoffte Spaßbringer. Er kombinierte dabei die erwähnten Tugenden der knorrigen Allradler standesgemäß mit deutschem Ingenieurswesen, setzte auf möglichst perfekte Verarbeitung, hochwertige Ausstattung, imponierende Allradtechnologie und, jetzt kommt die Einschränkung, moderne 2-l-Diesel. Die den Amarok zwar je nach Ausstattung von mild bis hochpotent in Bewegung versetzten. Aber eben doch „nur“ zwei kümmerliche Liter Hubraum und spärliche vier Zylinder hatten.

Sechs fürs Marketing

Wer den Wolf im Wolfsburger Pelz tatsächlich abseits der Straße pilotierte, berichtete übereinstimmend, dass in Sachen Motor gar kein Grund zum Aufrüsten vorliegen würde. Bis zu 180 PS quetschten die 4-Zylinder-Biturbo-Turbinen an die Kurbelwelle. Das reichte für Alltag, Abenteuer und sogar Rallye-Sport. Das Problem: Die allermeisten Kritiker fuhren den Amarok nie im Gelände. Und beim Benzingespräch im Golf-Club oder der Eisdiele, den bevorzugten Standorten vom Edel-Pickup, trumpften Ford Ranger oder Nissan Navara-Kollegen eben mit imposanteren Datenblättern auf.

Also verkündeten die Strategen, gut sechs Jahre nach Markteinführung: Die Sechs muss stehen. Folgerichtig schickte Volkswagen den Amarok ins motorische Fitnessstudio und ließ einen überaus potenten Sechszylinder einbauen, der dem Allradler noch mehr Puste auf der Autobahn einhaucht. Denn nur dort, und damit sind wir beim aktuellen Test, lassen sich die zusätzlichen Zylinder und Pferdestärken auch wirklich mobilisieren. Premiere feierte der dieselbefeuerte Kraftprotz im Audi A6 und A7. Im Amarok gibt es davon eine besonders robust ausgelegte „Generation II Evo“.

Zur Verfügung stehen beim Amarok drei Leistungsstufen des 3-Liter-TDI-Sechszylinders: 163 PS mit 450 Nm Drehmoment, 204 PS mit 500 Nm und mächtige 224 PS mit 550 Nm. Damit stimmt es wieder beim Autoquartett. Und damit der Amarok (endlich) auch mehr als 200 km/h auf die Autobahnen bügelt, sind die höchsten Gänge von 6-Gang-Schalt- oder 8-Gang-Automatik deutlich länger ausgelegt. Da die Spritspartechnologie „BlueMotion“ serienmäßig eingebaut ist, wird nicht nur Euro 6 erreicht, sondern auch der Verbrauch, so zumindest Volkswagen, gesenkt.

Ausstattungsmonster

Eine Armada von Airbags sorgt für Dämpfung im Falle eines Unfalls. Damit der gar nicht eintritt, ist eine Multikollisionsbremse serienmäßig an Bord, die selbsttätig bremst, kollidiert der Amarok mit einem Hindernis. Denn rund ein Viertel aller Unfälle mit Personenschäden sind Kollisionen mit mehreren Hindernissen.

Wer möchte, kann den Amarok mittels eines 14-Wege-ergoComfort-Sitzes zu einer rollenden Wellnessoase für die Rückenwirbel machen. Reifendruck-Kontrollsystem, Einparkassistent mit Rückfahrkamera, Navigationscenter mit „App Connect“ oder „Car Net“, Multifunktionslenkrad mit Schaltwippen, Nappaleder unterm Hosenboden, BiXenon und LED-Tagfahrlicht, LED-beleuchtete Seitenschweller – die Aufpreisliste ist, typisch VW, schier unendlich.

Nutzwert

Bei all dem, was aus einem ehemals knorrigen Offroader eine Luxussänfte macht: Der Amarok kann nach wie vor deftig. Je nach Variante schleppt er nach wie vor mehr als eine Tonne Nutzlast durch die Gegend, kann bis zu 3,5 Tonnen Anhängelast ziehen und ist im Gelände, nach wie vor, über jeden Zweifel erhaben.

Von den drei angebotenen Antriebsarten sollte man von der rein Hinterrad-angetriebenen Version eher zurückweichen, denn was die potenten Motoren mit einer leichten Starrachse im Heck anstellen, wenn es feucht und rutschig ist, fängt im Zweifel auch die beste Regelelektronik nicht schnell genug ein. Und im Gelände macht dieser Antrieb wenig Sinn. Lediglich Sparfüchse mit Hang zu Rekordlasten kommen hier auf ihre Kosten, denn die maximal mögliche Zuladung wird nur in dieser Version erreicht.

Also lieber auf allen Vieren. Die modernere Version, und auch wesentlich kommoder im Alltag, ist der permanente 4Motion-Allrad mit Torsen-Differential in Kombination mit der 8-Gang-Automatik.

Eher für die Hardcore-Offroader oder Baustellen-Helden ist der zuschaltbare Allrad gedacht, der zudem nicht nur mit einer sperrbaren Hinterachse geliefert wird, sondern auch eine Geländeuntersetzung aufweist, die ihn in jeder Steigung schlicht unschlagbar macht.

Fahrfreuden

Fakten mal beiseite: Wie fährt sich der „neue“ Amarok denn jetzt? Natürlich zieht der Sechszylinder noch druckvoller an und pfeilt auf der Autobahn noch schneller über die linke Spur. Doch wer nicht gerade beide Modelle abwechselnd fährt, der war schon vom Vorgänger beeindruckt.

Was dem Amarok mit einer hinteren Starrachse und einem Schwerpunkt im zweiten Obergeschoss auf der Landstraße möglich ist, weiß nur der zu schätzen, der ansonsten mit vergleichbarem Schwermetall unterwegs ist. Wer dagegen aus „normalen“ Pkw zusteigt, wird das Fahrverhalten als „flott, aber ganz normal“ einschätzen. Was bei Pickups schlicht sensationell ist.

Nimmt man einen schwer beladenen Hänger an den Haken, wird der Bremsweg natürlich länger. Das war es dann aber auch, was der Fahrer merkt. Denn die Kraft des bärigen Motors und der enorme Drehmomentberg lassen auch gut 2,5 zusätzliche Tonnen schlichtweg vergessen.

Über die Offroad-Fähigkeiten des Amarok zu schreiben, wäre Eulen nach Athen tragen. Am Fahrwerk hat sich nichts geändert, und das ist auch gut so. Mehr Kraft und mehr Souveränität durch mehr Drehmoment? Ganz bestimmt. Doch schon im Vorgänger war der hier schreibende Fahrer trotz ernstgemeinter Versuche nicht in der Lage, die Fuhre an die Grenzen von Schwerkraft und Untergrund zu bringen. Daher sind Grenzen, die auch zuvor nicht erreicht wurden, schwer einzuschätzen.

Preisleiden

Der sechszylindrige Spaßmacher ist, gewohnt VW, technologischer Spitzenreiter unter den Pickups. Das hat seinen Preis. Zwar ist das Einsteigermodell mit 25.720 Euro nur knapp 1.000 Euro teurer geworden als der vierzylindrige Vorgänger. Doch wer 4Motion, großen Motor und Automatik ankreuzt, für den fängt der Spaß erst ab 46.525 Euro an. Die schier endlose Aufpreisliste erwähnten wir schon? Es gilt also nach wie vor: Wer schön fahren will, muss leiden …

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