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Strategie

Die Tischlerei für kleine Räume

Kleine Haushalte, wenig Wohnraum – so entwickelt sich das Stadtleben. Doch wie baut man kleine Räume geräumig und repräsentativ aus? Diese Tischlerei zeigt es – in einem Hochhaus an der Hamburger Reeperbahn.

Auf einen Blick:

  • Der Trend zu Ein- und Zweipersonenhaushalten setzt sich weiter fort, gerade in den Großstädten.
  • Ein Unternehmer-Ehepaar aus Jork entwickelt dafür intelligente Raumkonzepte.
  • In einem 42-Quadratmeter-Apartment an der Hamburger Reeperbahn zeigen die beiden, wie eine innovative Lösung aussehen kann.

Alle Infos

von Astrid Funck

Reeperbahn 157: Ein Hochhaus mit 150 Apartments auf 17 Etagen mitten im Hamburger Vergnügungs- und Rotlichtviertel St. Pauli. In den 80er und 90er Jahren war das Haus als "Nuttenbunker" berüchtigt, heute ist es eine begehrte Immobilie mit schicken kleinen Eigentumswohnungen. Im zwölften Stock öffnen Susann Witte und Friedrich Gilhaus die Tür.

Vorzeige-Wohnung an der „geilen Meile“

Die beiden sind ein Paar, privat und als Unternehmer, sie ist eine studierte Kommunikations- und Betriebswirtin, er Tischlermeister. Gemeinsam führen sie die Geschäfte der "Tischlerei & Objektdesign Friedrich Gilhaus GmbH" in Jork. Auf der "geilen Meile", wie Udo Lindenberg die Reeperbahn in einem Song besingt, haben sie sich nicht etwa eine Privatwohnung, sondern einen Showroom eingerichtet. „Wir wollen hier zeigen, wie man auf 42 Quadratmetern wohnen könnte – allein oder zu zweit, denn dahin geht der Trend“, sagt Susann Witte. Diese Einschätzung teilt auch das Statistische Bundesamt in der Publikation „Entwicklung der Privathaushalte bis 2035“. Demnach könnten die deutschen Haushalte im Jahr 2035 zu 80 Prozent aus ein oder zwei Personen bestehen.

“Wir haben diesen Trend als super Nische für unsere Tischlerei entdeckt“, erklärt Witte. Dabei sei auch zu berücksichtigen, dass es immer mehr Freiberufler gebe, die von zu Hause aus arbeiten und dort vielleicht auch Kunden empfangen. „Deshalb gilt es, intelligente Raumkonzepte für kleine Wohnungen zu entwickeln, in denen gelebt, aber auch gearbeitet werden kann.“

Doch worin liegen dabei die besonderen Herausforderungen? „Es geht vor allem um die Frage, wie man es schafft, den Platz optimal zu nutzen und die Wohnung trotzdem hell, geräumig und repräsentativ wirken zu lassen“, erklärt Friedrich Gilhaus. Die Antworten sind im Reeperbahn-Hochhaus zu besichtigen.

Rundgang: Raffinierte Tricks mit großer Wirkung

Die Wohnung bietet Stauraum, ohne wie ein enges „Hochregallager“ zu wirken. Da sind zum Beispiel eine kleine Abstellkammer mit Regalböden zum Herausziehen, eine geräumige Küchenzeile und ein Einbauschrank vor dem Schlafzimmerfenster. Das Polster auf dem halbhohen Schrank lädt zum Sitzen ein, Gilhaus hat sogar an einen ausziehbaren Getränkehalter gedacht.

Lichtdurchflutet ist das Vorzeige-Apartment, weil sich über die gesamte Südseite ein Panoramafenster mit Balkon dahinter erstreckt. Vom Bett aus hat man einen freien Blick über die Dächer von St. Pauli. Dahinter sind drei Bullaugen in die Wand zwischen Küche und Schlafbereich eingelassen. Dank der Spiegelfläche über der Küchenzeile kann man beim Kochen durch die Bullaugen nach draußen schauen. Gilhaus hat noch weitere Licht- und Sichteffekte eingebaut: Lichtbänder laufen unter den Küchenschränken und dem Bett im Schlafzimmer entlang. Sie reagieren auf Bewegung und tauchen den Boden in farblich steuerbares Licht. Die Möbel scheinen zu schweben. Auch die Balkonbrüstung ist unterleuchtet.

Geräumig und repräsentativ wirkt die Einrichtung, weil die Wände nicht vollgestellt sind und weil Gilhaus als Mobiliar kleine, aber feine Einzelstücke ausgesucht hat. So verpasste er etwa einer alten Georgetti-Vitrine ein neues Untergestell aus Holz und verwendete die bogenförmigen Metallfüße für eine Sitzbank. Daneben sind im Showroom auch eigene Entwürfe zu sehen. Der Fernsehständer aus Ebenholz zum Beispiel hat die Form eines Krähenfußes – er ist stabil und wirkt dennoch leicht.

Treffpunkt zur Kundenbeziehungspflege

Ihre Firma haben Witte und Gilhaus im Jahr 2000 von Hamburg nach Jork ins Alte Land umgesiedelt, und dort in der Nähe wohnen sie auch. Die meisten ihrer Auftraggeber sind aber in der Hansestadt ansässig. Dazu zählen vor allem Innenarchitekten, Designer, Einrichter und Hotels, also gewerbliche Kunden. Deshalb nutzen die beiden das Apartment auf der Reeperbahn auch als Treffpunkt, um ihre Kundenbeziehungen zu pflegen. „Das ist hier ein netter Ort, wo jeder hinkommen kann", meint Friedrich Gilhaus.

Im Januar wollen sie die Innenarchitekten unter ihren Kunden zum Vortrag einer Wohnpsychologin einladen. Es werde darin unter anderem um die Frage gehen, welche Rückzugsmöglichkeiten nötig sind, wenn man zu zweit auf engem Raum lebt. Und um Sharing – noch so ein Trend. Braucht man zum Beispiel eine eigene Waschmaschine, oder kann man sich die nicht mit anderen Hausbewohnern teilen? Ziel sei dabei, sich auf das Wesentliche zu beschränken, sagt Friedrich Gilhaus. Deshalb gebe es in der Vorzeige-Wohnung auch keinen Geschirrspüler – bei so wenig Geschirrverbrauch könne man ja schließlich von Hand abwaschen. Wie die echten Kleinraumbewohner das sehen, wird die Zukunft zeigen.

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