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Politik und Gesellschaft

Diesel: Das Warten auf die bezahlbare Alternative

Ja, was denn jetzt? Kommen Verbote für Diesel? Oder doch nicht? Muss ich mir Sorgen machen? Wir haben uns bei Kollegen umgehört – in einem Punkt sind sich die Handwerksunternehmer aller Branchen einig.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Elektromeister: „Dieselverbote nicht realisierbar“
  • Dachdeckermeister: „Wir sind nicht wehrlos.“
  • Malermeister: „Elektroautos noch zu teuer.“
  • Kanalsanierer: „Änderung der Zulassung könnte Ausweg sein.“

Software-Updates? Kaufprämien für neue Diesel? Das alles sei nicht genug, meint die Deutsche Umwelthilfe (DUH). Diesel-Fahrverbote seien „alternativlos“. In 45 weiteren Städten hat die DUH deswegen nach eigenen Angaben inzwischen Rechtsverfahren eingeleitet, jetzt sind es insgesamt 62.

Und was sagen Handwerker dazu? Der gemeinsame Punkt lautet: Abwarten und Tee trinken!

„Die Betriebe fahren zu 90 Prozent Diesel“

Der Kölner Elektromeister Jörg von der Beeck glaubt nicht daran, dass es Fahrverbote geben wird: „Das wäre einfach nicht realisierbar. Überlegen Sie einmal, wie viele Handwerksbetriebe es allein in Köln gibt, in allen Branchen. Und die fahren zu 90 Prozent Diesel. 90 Prozent Elektroautos sehe ich so schnell nicht. Benziner will auch keiner, weil die Kosten zu hoch sind.

Ich glaube nicht, dass wir da in den kommenden 5 bis 10 Jahren Probleme bekommen werden. Aber wie der Kölner sagt: ‚Et kütt wie et kütt.‘ Das lassen wir auf uns zukommen.“

„Die Hersteller hätten das längst umsetzen können“

Mario Bauer ist Dachdeckermeister in Osnabrück, seine Mitarbeiter fahren mit 4 Dieseltransportern zu den Kunden: "Darüber wird vor allem an den Stammtischen diskutiert. Aber das ist wirklich kein Thema, das den Betrieben schlaflose Nächte bereitet. Wir sind ja nicht wehrlos, selbst wenn es eine Anordnung geben würde, können wir dagegen angehen.

Die Diskussion läuft ohnehin in die falsche Richtung: Es gibt in Osnabrück einige Straßen, in denen es einen hohen Dieselabgase-Ausstoß durch Busse gibt. Das ist für die Luftqualität sehr viel gravierender als die Handwerker, die mit ihren Autos zur nächsten Baustelle und wieder zurück fahren.

Natürlich modernisieren die Betriebe ihre Fahrzeugflotten. Wir arbeiten hauptsächlich in der Stadt, und ich denke bei jedem neuen Transporter darüber nach, ob die Zeit für den Elektroantrieb reif ist. Das ist eine Kosten-Nutzenrechnung, die derzeit noch nicht aufgeht - aber das kommt. Ich denke, die Autohersteller hätten das längst umsetzen können Das wäre ein Ansatz, der mehr bringen würde als Fahrverbote."

„Die Angst vor Verboten ist groß“

Der Betrieb von Armin Reiser ist in Nürberg auf Rohrreinigung & Kanalsanierung spezialisiert:

„Das Problem ist das hü und hott, zur Zeit weiß ja keiner so genau, was kommen wird. Wir haben 11 Dieselfahrzeuge, da ist die Angst vor Verboten groß. Bei einigen Maschinen könnte die Änderung der Zulassung in selbstfahrende Arbeitsmaschinen eine Möglichkeit sein. Aber wir müssen ruhig bleiben und abwarten. Das ist die Haltung, die ich auch bei den Kollegen sehe. Wissen Sie, der Franke ist nicht gerade der extrovertierte Typ, der lebt so etwas eher nach innen.“

„Bei einer bezahlbaren Alternative wäre ich dabei“

Thorsten Herwig ist Malermeister in Köln, seine Leute sind in 3 Dieseltransportern unterwegs: "Spätestens wenn die Leasingverträge unserer Autos auslaufen, werden wir uns mit den Alternativen beschäftigen müssen. Aber was sind die Alternativen? Elektroautos sind noch zu teuer. Wir fahren relativ viel, und die Fahrtkosten sind generell ein Faktor. Wenn ein Kunde aus Leverkusen anruft, weil er eine Wand gestrichen haben will, muss ich ohnehin sagen: ‚Nein, das geht nicht, das willst Du nicht bezahlen.‘ Wenn ich da mit dem normalen Benziner losfahren würde, hätte der irre Kosten an der Backe, ohne dass ich ein Stück Tapete in der Hand gehabt habe.

Ich muss zugeben, mir fehlt das Wissen, inwieweit die Diskussion berechtigt ist. Vielleicht ist es ja für die Umwelt wirklich wesentlich besser, wenn morgen kein Diesel mehr fährt. Wenn es eine bezahlbare Alternative zum Diesel gäbe, wäre ich sofort dabei.

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