Tischler Michael Haller.
Foto: Denny Gille

Digitalisierung + IT

Service Digital: Alles für die Kunden!

Wo es seinen Kunden nutzt, digitalisiert Michael Haller seine Tischlerei konsequent. Mit einigem Erfolg. Aber im Büro schwört er auf Stift und Klebezettel.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Wenn seine Kunden davon profitieren, setzt Michael Haller gerne auf Digitalisierung.
  • Die aufwendig erstellten 3D-Modelle seiner Möbelentwürfe sollen Kunden zum Kauf überzeugen. Das Konzept gehe auf.
  • Mit einem Schrankkonfigurator bietet der Unternehmer seinen Kunden auch interaktive Möglichkeiten, ihr Wunschmöbel selbst zu erstellen.
  • Der Unternehmer hat Spaß an seinen digitalen Angeboten und will sie weiter ausbauen.

Wenn Michael Haller für seine Kunden Möbelstücke entwirft, scheut er keine Mühen. Detailverliebt erstellt er sie in 3D am Computer. Damit der Kunde sich gleich zu Hause fühlt, baut der Unternehmer dessen Räumlichkeiten nach. In diese heimische Kulisse platziert er die Möbel, setzt sie mit Licht und Accessoires in Szene. Die Angebote sind kleine Kunstwerke – damit fällt der Unternehmer auf. Besonders im Internet. „Ich habe mich lange gegen die Social-Media-Nutzung gewehrt“, sagt Haller. Doch im Herbst 2017 überredete ihn schließlich eine Freundin aus einer Werbeagentur dazu. Ihre Worte: „Micha, du musst da angreifen“. Also griff der Unternehmer an. Ergebnis: „Die Reaktionen sind super! Und es macht ein bisschen süchtig.“

Digital ist besser – mit einer Ausnahme

So eine Online-Präsenz weckt Erwartungen an den Besuch vor Ort in Nienburg. Der Tischler und Holztechniker hat seinen Büroraum direkt in der Werkhalle der Tischlerei eingerichtet. Der erste Blickfang aber ist nicht der große Bildschirm an der Wand, mit dem der Handwerker seine Kunden durch ihre künftige Einrichtung führt. Es ist nicht das Hochleistungsnotebook, mit dem er seine rechenintensiven 3D-Modelle rendert.

Es ist der Terminplaner des Chefs: Hart, kühl, durchsichtig, mit Blick nach draußen – sein Bürofenster. Daran hängen nach Tagen sortiert Klebezettel an der Scheibe. „Denny Gille, zehn Uhr“ steht auf dem ersten. Der Mann, der im Netz mit allen Wassern der Digitalisierung gewaschen scheint, benutzt gewöhnliche Klebezettel, um sich zu organisieren? „Meine aktuellen Termine will ich immer im Blick haben“, sagt Haller. „Das kann mein Fenster besser als Outlook.“ Zugegeben, die Anordnung wirkt praktisch: Jeder Wochentag hat seine Spalte. Die einzelnen Termine pro Tag sind untereinander angeordnet. Ist ein Termin abgeschlossen, wird der Zettel abgenommen.

Digitalisiert wird, was dem Kunden nutzt

In Sachen Digitalisierung folgt Michael Haller einem einfachen Grundkonzept: „Wenn es meinen Kunden etwas nutzt, dann mache ich das digital.“ Da ist der Unternehmer konsequent. Seit 70 Jahren gibt es das Familienunternehmen, 2009 hat Haller es übernommen. Vor drei Jahren stellte er den Betrieb digital neu auf: „Zuerst habe ich die Website neu gemacht.“ Ansprechend und modern sollte sie sein. Zeitgleich hat der Unternehmer sich in die 3D-Modellierung eingearbeitet.

Das komme gut an: „Unsere Kunden können sich die Entwürfe dadurch viel besser vorstellen. So entscheiden sie sich leichter für uns“, erzählt der Unternehmer. Für 90 Prozent seiner Angebote würde er so den Zuschlag bekommen. Dabei müsse er selbst manchmal aufpassen, dass er nicht zu lange an den Objekten feilt. „Fertig ist man nie, aber am Angebot für einen 800 Euro Badschrank kann ich nicht fünf Stunden lang arbeiten“, sagt der Tischler. Anders sieht das bei potenziell kostspieligen Aufträgen aus. Die sollen den Kunden auf Anhieb überzeugen. „Und Spaß macht das auch noch“, gibt Haller zu.

Die Entwürfe führt er zum Beispiel am Wand-Bildschirm in seinem Büro vor. „Da kann ich auch schnell mal Dekore wechseln oder andere Armaturen wählen.“ Auch 3D-PDFs kann Haller erstellen und seinen Kunden zuschicken (ein Beispiel-PDF von Haller sehen Sie hier). Darin können sie sich ihre neue Einrichtung interaktiv von allen Seiten anschauen.

Interaktiv mit Möbelplaner

Auf Interaktion setzt der Tischler seit einem Jahr auch auf seiner Webseite: Mit dem digitalen Möbelplaner konfigurieren Kunden ihre Wunschschränke selbst. Dabei sind drei Versionen möglich: freistehend, als Einbauschrank oder unter Dachschrägen. Die Kunden legen ihre Maße fest und bestücken den Schrank nach ihren Wünschen mit den passenden Funktionen, Elementen und Dekoren. Der Preis wird immer aktuell dargestellt, so dass sie die Kontrolle über ihr Budget behalten. „Die Daten kommen so aus dem Konfigurator, dass ich sie ohne viel Mühe an die CNC-Maschine weiterleiten kann“, sagt Haller. Bevor er damit aber anfängt, macht er noch etwas anderes: „Ich rufe den Kunden an und frage ihn, ob ich nochmal messen kommen soll.“

Künftig will der Unternehmer noch mehr digital machen. Sein 3D-Programm unterstützt schon Funktionen für virtuelle Realitäten: Brille auf und der Kunde steht vor seiner neuen Einrichtung, kann sich darin umsehen, als wäre sie schon da.

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