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Handwerker betrogen

Dreiste Masche: Ehepaar prellt Betriebe um mindestens 100.000 Euro

Ein verurteiltes Betrügerpaar aus Bremerhaven hat fleißig Handwerker und andere Dienstleister beauftragt und nicht bezahlt. Jetzt wehren sich die Opfer mit allen Mitteln.

Auf einen Blick:

  • Trotz Zahlungsunfähigkeit und Bewährungsstrafe hat das Ehepaar Aufträge vergeben.
  • Weil die beiden so vertrauenswürdig erschienen, haben die Geschädigten vorab keine Bonitätsauskunft eingeholt oder Vorkasse verlangt.
  • Sie gehen nun gemeinsam gegen die Betrüger vor, um sie zu stoppen.

Ein Ehepaar hat seit einigen Jahren systematisch Handwerksbetriebe geprellt. Zehn der Geschädigten haben sich jetzt zusammengeschlossen. Gemeinsam wollen sie dem ruinösen Treiben ein Ende setzen und andere Betriebe für das Thema Zahlungsausfall sensibilisieren.

Von diesen drei Bremerhavener Firmen kam nur eine davon

Da ist zum Beispiel Annette Geske vom Raumausstattungs- und Malereibetrieb Kleinert in Bremerhaven. Ende 2014 meldete sich das junge Ehepaar bei ihr. Für etwa 3000 Euro gaben die beiden Fensterbeschattungen in Auftrag, von dem Geld sah Geske nie etwas. Sie verzichtete damals auf eine Betrugsanzeige: „Mein Anwalt sagte zu mir, Sie bekommen Recht, aber da ist kein Geld.“

Bei Norbert Bernhardt ging es um eine größere Summe: Im Sommer 2016 beauftragte ihn das Paar mit Malerarbeiten. Seine Forderungen hätten sich am Ende auf rund 30.000 Euro summiert, sagt der Inhaber der Malerei Freye.

Bernhardt empfahl dem Paar sogar einen Kollegen, Ofenbauer Thorsten Fischer. Der Chef der Fischers Haustechnik GmbH tappte nicht in die Falle. Auch ihm sei das Paar zunächst sehr glaubwürdig erschienen. Doch Fischer verlässt sich grundsätzlich nicht auf sein Bauchgefühl: "Wenn ich Produkte bestelle, dann lasse ich mir das vorher anzahlen.“ Die Anzahlung kam nicht – und Fischer ließ die Finger von dem Auftrag.

Verurteilung scheint das Paar nicht zu beeindrucken

Doch die Sache ließ Thorsten Fischer keine Ruhe. Er stellte eine Anfrage bei der Creditreform. Ergebnis: Das Ehepaar hatte bereits eine Vermögensauskunft im Rahmen eines Zwangsvollstreckungsverfahrens geleistet, und die Bonitätsbewertung fiel schlecht aus.

Der Ofenbauer informierte Norbert Bernhardt darüber, und der zeigte das Paar daraufhin im August 2016 an. Laut Oliver Constien von der Bremer Staatsanwaltschaft wurden die beiden am 13. September 2017 vom Amtsgericht Bremerhaven rechtskräftig wegen Betruges verurteilt. Die Freiheitsstrafen von elf Monaten für die Frau und sechs Monaten für den Mann seien zur Bewährung ausgesetzt worden.

Warum so viele Betriebe in die Falle tappten

Doch wie ist das möglich, warum sind die Betriebe überhaupt auf diese vermeintlichen Kunden hereingefallen? Die beiden wirkten nett und glaubwürdig, darin sind sich alle einig. „Die kamen total sympathisch rüber, wir haben uns sogar geduzt", sagt Norbert Bernhardt. Solvent wirkten sie auch: Bei Annette Geske war sie noch im Rettungsdienst und er bei der Feuerwehr tätig. Später gab sich die Frau als Mikrobiologin am Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut (AWI) aus.

Was dran war an den soliden Jobs erfuhr Anette Geske im September 2017. Damals ging sie an dem Haus des Paares vorbei, weil sie in der gleichen Gegend wohnt. Als sie dort den Bagger eines Unternehmens sah, das mit Abriss- und Pflasterarbeiten beschäftigt war, griff sie wieder einmal zum Telefonhörer. Der von ihr gewarnte Unternehmer rief daraufhin beim AWI an und fragte nach der Frau, aber die gab es dort nicht. Dann bei der Berufsfeuerwehr, wo der Mann angeblich tätig war: Er sei rausgeflogen.

Strafanzeigen und Suche nach weiteren Opfern

Durch die gegenseitigen Warnungen erfuhren Geske, Bernhardt und acht weitere Geschädigte voneinander. Sie rechneten aus, dass sie von dem Ehepaar um insgesamt 100.000 Euro gebracht worden waren – und gründeten eine Art Selbsthilfegruppe.

Um Bewegung in die Sache zu bringen, schrieb jeder Betrieb, der das vorher noch nicht getan hatte, eine Anzeige. Diese Sammlung gab die Gruppe Anfang November bei der Bremerhavener Polizei ab.

Außerdem informierte sie die Kreishandwerkerschaft Bremerhaven-Wesermünde, die ihre Mitgliedsbetriebe daraufhin per Brief warnte. „Das Problem ist ja, dass alle Betriebe isoliert beauftragt wurden und voneinander nichts wussten“, meint Geschäftsführerin Imke Lathwesen. So seien sie reihenweise auf die Betrüger hereingefallen.

Und schließlich schaltete die Gruppe im November 2017 eine Anzeige in der Nordsee-Zeitung: "Achtung Betrug! Im Raum Weddewarden vergibt ein Ehepaar (…) Aufträge an Handwerker und Dienstleister, die anschließend nicht bezahlt werden. Die Schadenssumme beträgt zurzeit schon über 100.000 Euro (...)."

Und wie geht es finanziell für die Geschädigten weiter? Norbert Bernhardt sagt, das Paar habe mittlerweile 200 Euro an ihn überwiesen. Das sei die vom Gericht festgelegte Rate zur Rückzahlung der Schulden.

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