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Breitbandausbau

Droht uns die Breitbandpleite?

Langsames Internet bremst Tischlermeister Hermann Egbers täglich aus. Die Breitband-Pläne des Bundes sollen es richten. Doch Zeitplan, Kosten und Technologie stehen in der Kritik.

Eine Handvoll Fotos zu Kunden schicken: dauert Stunden. Ein größeres Sicherheitsupdate im Betriebsnetzwerk: Tagesaufgabe. CAD-Projektdaten austauschen: unmöglich. Seine Internetanbindung bremst Tischlermeister Hermann Egbers permanent aus. „Dadurch geht uns täglich Arbeitszeit verloren“, erklärt der Tischler. Zudem ist der Handwerker aus dem niedersächsischen Osterwald Mitglied im Baunetzwerk Holzquadrat – alle kommunizieren dort über das Internet, Egbers ist da oft im Nachteil. „Ich würde gerne mehr digital machen“, sagt er. „Aber ich brauche gar nicht über onlinegestützte Konstruktionssoftware nachdenken, wenn ich nicht weiß, wann sich die Netzsituation hier verbessert.“

Verbessern soll sich die Situation eigentlich bis Ende 2018 – für Egbers und tausende andere Unternehmen. Bis dahin soll es flächendeckend Breitbandinternet mit Downloads von 50 MBit pro Sekunde geben. Wo nötig, auch mit Hilfe staatlicher Förderung. So hat es die Bundesregierung vor einem Jahr verkündet. Doch für „2018“ wird es langsam knapp. Und ob Egbers mit dem Ergebnis am Ende zufrieden sein wird?

Stichwort „50 MBit“: Diese Mindestvorgabe soll nur für den Download gelten. Und selbst dafür sei das in Zukunft zu wenig, warnt zum Beispiel der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Ganz zu schweigen von den immer wichtiger werdenden cloudbasierten Geschäftsmodellen und digital vernetzten Wertschöpfungsketten. Die benötigen ebenfalls schnelle Übertragungsraten – auch im Upload. Doch die gebe es nur mit flächendeckenden Glasfaserleitungen.

Weder Zeit noch Geld für gute Lösungen.
Stichwort „Förderung“: 2,7 Milliarden Euro Förderung gibt es für den Breitbandausbau. Doch flächendeckend Glasfaser würde mindestens das Vierfache der 50-MBit-Leitungen kosten, hat der TÜV Rheinland errechnet.

Stichwort „Zeitdruck“: Auch rein zeitlich wäre flächendeckende Glasfaser bis Ende 2018 nicht zu schaffen, warnt der ZDH. Denn kein Ausbau, ohne konkrete, zeitaufwendige Planung durch Länder und Kommunen – und die können damit erst jetzt loslegen, nach den Vorgaben des Bundes. Dass es zudem noch keine Stelle gibt, die die Förderanträge bearbeiten wird, scheint da fast nebensächlich. Obwohl: Das zuständige Bundesverkehrsministerium will diese Aufgabe gerne vergeben. Und dafür könnte eine zeitaufwendige europaweite Ausschreibung erforderlich sein, warnt der Bundesrechnungshof.

Die „schnelle“ Lösung: Das Bundesverkehrsministerium will „2018“ anscheinend einhalten. Dafür plant es, dafür macht es Druck: So soll es die Förderung nur für Ausbauprojekte geben, die bis Ende 2018 abgeschlossen sind. Dazu passt, dass das Ministerium für die Förderung Glasfaser nicht vorschreibt. Also wären auch billigere Mischlösungen erlaubt. Zum Beispiel das etablierte VDSL, eine Verbindung aus Glasfasernetz und Kupferanschlüssen. Das Potenzial von Glasfaser habe diese Lösung jedoch nicht, kritisieren der ZDH und der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko). Der Bundesrechnungshof sieht die Gefahr, dass solche etablierten Lösungen schon bald zu neuem Investitionsbedarf und „insgesamt höheren Ausgaben“ führen könnten.

Die Alternative: Der ZDH und andere Wirtschaftsverbände kommen angesichts dieser Pläne zu einem klaren Fazit: Die derzeitige Breitband-Strategie der Bundesregierung sei „zu kurz gesprungen“. Glasfaser müsse sein, auch wenn es dann länger dauert: „Die Infrastrukturen für die Zukunft müssen heute geplant und gebaut werden – und zwar unter Berücksichtigung bereits jetzt absehbarer zukünftiger Erfordernisse.“

(deg)



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