Kollegen vor ehemaligen Mitarbeitenden warnen: Kann erlaubt sein – aber nur, wenn Chefs eine stichhaltige Begründung haben.
Foto: Krakenimages.com – stock.adobe.com
Kollegen vor ehemaligen Mitarbeitenden warnen: Kann erlaubt sein – aber nur, wenn Chefs eine stichhaltige Begründung haben.

Recht

Dürfen Betriebe vor ehemaligen Mitarbeitern warnen?

Mit einer ehemaligen Mitarbeiterin war dieser Chef überhaupt nicht zufrieden. Deshalb warnte er ihren neuen Arbeitgeber – und wurde verklagt.

Der Fall: Unentschuldigtes Fehlen bei der Arbeit, Weitergabe vertraulicher Daten, unwahre Angaben im Lebenslauf, Überschreiten der Befugnisse – aus Sicht des Betriebs hatte sich eine Mitarbeiterin innerhalb kürzester Zeit mehrere Fehltritte geleistet. Nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses griff der Chef griff deshalb zum Hörer, um den neuen Arbeitgeber der Frau zu warnen. Das bekam die ehemalige Mitarbeiterin heraus und sah sich zu Unrecht diffamiert. Daher forderte sie vom Betrieb eine Unterlassungserklärung. Doch das machte er nicht uns so reichte die Frau Klage gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber ein.

Reicht Arbeitsverweigerung für eine Kündigung?

Handelt es sich schon um Arbeitsverweigerung, wenn ein Mitarbeiter um eine andere Aufgabe bittet – und wenn ja: Ist das ein Kündigungsgrund?
Artikel lesen

Das Urteil: Das Landesarbeitsgericht (LAG) Rheinland-Pfalz entschied zu Gunsten der Frau. Der ehemalige Arbeitgeber habe in diesem Fall die Persönlichkeitsrechte der Mitarbeiterin zu Unrecht verletzt.

Allerdings stellten die Richter klar, dass Arbeitgeber nicht grundsätzlich daran gehindert seien, Auskünfte über die Leistung und das Verhalten von Mitarbeitenden während des Arbeitsverhältnisses zu erteilen. Diese Auskünfte seien auch gegen Willen der ausgeschiedenen Arbeitnehmer möglich – zum Beispiel, wenn andere Arbeitgeber so bei der Wahrung ihrer Belange unterstützt werden. Voraussetzung dafür sei im Einzelfall jedoch eine Güter- und Interessenabwägung. Dabei müsse geprüft werden, ob dem Persönlichkeitsrecht des Arbeitnehmers andere „gleichwertige und schutzwürdige Interessen anderer gegenüberstehen“. (Urteil vom 5. Juli 2022, Az. 6 Sa 54/22)

Tipp: Sie wollen keine wichtigen Infos zum Thema Arbeitsrecht verpassen? Dann abonnieren Sie hier den handwerk.com-Newsletter. Jetzt hier anmelden!

Auch interessant:

Teurer Fehler – wann haftet der Mitarbeiter?

Kann ein Mitarbeiter haftbar gemacht werden, wenn er einen teuren Schaden anrichtet? Eine Arbeitsrechtsexpertin gibt Auskunft.
Artikel lesen

Rechtfertigen gefälschte Gehaltsabrechnungen eine Kündigung?

Ein Mitarbeiter fälscht seine Gehaltsabrechnungen, um an einen Immobilienkredit zu kommen. Als das auffliegt, kündigt ihm sein Arbeitgeber. Zu Recht?
Artikel lesen

Fitnessstudio statt Prüfung: Fristlose Kündigung für Azubi?

Ein Azubi meldet sich krank von der Prüfung ab. Dann fliegt auf, dass er trotz Attest im Fitnessstudio war und kassiert die Kündigung. Zurecht?
Artikel lesen

Wir haben noch mehr für Sie!

Praktische Tipps zur Betriebsführung und Erfahrungsberichte von Kollegen gibt es dienstags und donnerstags auch direkt ins Postfach: nützlich, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.
arbeitszeugnis.jpeg

Urteil

Arbeitszeugnis: Haben Mitarbeiter Anspruch auf eine Schlussformel?

Weil in ihrem Arbeitszeugnis die Schlussformel und gute Wünsche fehlen, zieht eine Mitarbeiterin gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber vor Gericht – allerdings ohne Erfolg.

    • Recht, Arbeitsrecht
Die elektronische Lohnabrechnung zum Selbstabruf erfordert laut einem Urteil, dass Mitarbeiter dieser Form der Übermittlung zustimmen müssen.

Urteil

Lohnabrechnung zum Selbstabruf: Mitarbeiter müssen zustimmen!

Statt gedruckter Lohnabrechnungen erhält ein Mitarbeiter nur noch eine elektronische Version. Damit ist er nicht einverstanden und verklagt seinen Arbeitgeber – mit Erfolg.

    • Recht, Arbeitsrecht
Handwerk Archiv

Arbeitszeugnis

Mitarbeiter muss gute Leistung beweisen

Ein Mitarbeiter ist mit einem durchschnittlichen Arbeitszeugnis nicht zufrieden? Dann muss er belegen, dass er besser war.

    • Archiv
Lieber erstmal auskurieren: Mitarbeiter, die sich vom Arbeitgeber gut behandelt fühlen, schleppen sich selten krank zur Arbeit.

Personal

Fehlzeitenreport: Sozialere Betriebe haben gesündere Mitarbeiter

Fast 5 Fehltage pro Jahr und Mitarbeiter weniger: So viel macht es im Schnitt aus, wenn Mitarbeiter ihren Arbeitgeber als sozialverantwortlich einstufen.

    • Personal, Work-Life-Balance