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Portrait einer Unternehmerin

Ein Händchen für gute Mitarbeiter

Der Betrieb von Helma Hartgen ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen. Geholfen hat der Unternehmerin ihr Mut zur Veränderung – und ein Händchen für gute Mitarbeiter.

 - Helma Hartgen hat in gute Mitarbeiter und fortschrittliche Technik investiert.
Helma Hartgen hat in gute Mitarbeiter und fortschrittliche Technik investiert.
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Vom Konferenzraum im Obergeschoss blickt man auf grasende Kühe und Felder, von Wald umrandet. Dass hier 30 Mitarbeiter Stahlteile für den Export in die ganze Welt fertigen, ahnt man nicht.  

Die Chefin hier in Hude bei Oldenburg ist Helma Hartgen. Ihr Büro ist im Eingangsbereich der Firma. 1997 hat die gelernte technische Zeichnerin den Betrieb unvorbereitet übernommen, als ihr Mann plötzlich verstarb. Die heute 55-Jährige war zwar schon damals im Betrieb tätig, kümmerte sich aber hauptsächlich um die Finanzen. „Ich kannte zwar die Strukturen, aber steckte da nicht so tief drin wie mein Mann“, sagt Hartgen. Der oft gebrauchte Begriff „ins kalte Wasser geworfen werden“ traf auch auf sie zu.

Hartgen hat seitdem einiges verändert in dem Betrieb, der sich in den Gründungsjahren noch auf den Mühlenbau konzentrierte. Heute liegt ein Schwerpunkt im Maschinenbau. „Die Anforderungen der Kunden sind gestiegen, wir müssen uns breiter aufstellen und erfüllen viele individuelle Aufträge“, sagt Hartgen. Neue Betätigungsfelder hat das Unternehmen auch in der Automobilindustrie gefunden, in der Schüttguttechnik und in der Lebensmittelindustrie. Viele Geschäftspartner sitzen im Norden Deutschlands, einige aber auch im Ausland. Warum diese vielschichtige Ausrichtung? „Das Geschäft ist hart, die Aufträge flattern nicht einfach so ins Haus“, betont Helma Hartgen.

Der Kurswechsel hat sich auch auf das Team ausgewirkt: Acht Mitarbeiter hat Hartgen in den vergangenen acht Jahren eingestellt. Auch ein Mann für den Vertrieb ist dazugekommen. „Die Akquise ist härter geworden. Das schaffen wir nicht mehr mit unseren Kapazitäten“, erklärt sie.

Dabei ist es auch für Helma Hartgen nicht immer einfach, neue Kollegen zu finden. Ihre Ansprüche würde die Unternehmerin deswegen aber nicht herunterschrauben. Zu groß sei sonst die Gefahr, dass Teamgeist und Produktivität unter einer Fehlbesetzung leiden. Also nimmt sie sich Zeit für die Suche und schaut immer genau hin, ob die Menschen fachlich und persönlich zum Team passen.

Nächste Seite: So gelingt es der Unternehmerin, die richtigen Leute für den Betrieb zu finden.

"Wir gehen Herausforderungen gemeinsam an"
Ältere Mitarbeiter geben Wissen an die Jüngeren ab: - Ein Meister mit 26 Jahren hat Hartgen schon in die richtige Position gebracht.
Ein Meister mit 26 Jahren hat Hartgen schon in die richtige Position gebracht.
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Und wie gelingt ihr das – in Zeiten des Fachkräftemangels? Sie habe mit der Zeit wohl „ein Händchen für Mitarbeiterführung“ entwickelt, sagt Hartgen. Davon wusste sie Ende der 90er Jahre noch nichts. Vieles habe sie seitdem aus den täglichen Herausforderungen gelernt, anderes in Seminaren zum Thema Mitarbeitersuche und Personalführung.

Dieses „Händchen“ spüren die Mitarbeiter auch dann, wenn neue Aufgaben und Herausforderungen anstehen. „Ich mache mir viele Gedanken um den Betrieb und setze das gemeinsam mit den Mitarbeitern um. Und ich versuche, es so zu machen, dass andere nicht ins kalte Wasser springen müssen. Die Erfahrung muss nicht jeder machen“, sagt die Mutter von drei Kindern.

Deshalb überträgt sie jungen Menschen frühzeitig die Verantwortung. So wird ein Mitarbeiter, der schon bei ihr gelernt hat, den „alten“ Meister ablösen. In zwei Jahren geht er und übergibt seine Aufgaben Schritt für Schritt an den Kollegen, der mit 26 Jahren gerade an der Abendschule seinen Meister gemacht hat. Die beiden arbeiten Hand in Hand, lernen und profitieren voneinander – und der Betrieb auch.

Auch für den Chefposten im Familienbetrieb gibt es vielleicht schon einen Anwärter: Hartgens jüngster Sohn hat Feinwerkmechaniker gelernt und sattelt gerade eine Weiterbildung zum Maschinenbautechniker drauf. „Ich setze hier niemanden unter Druck. Aber es freut mich natürlich, dass jemand aus der Familie Interesse an der Branche zeigt“, betont Helma Hartgen. Dennoch: Bis jemand anders hier ein gutes Händchen beweisen kann, vergehen sicher noch einige Jahre.


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