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Foto: DHKT/handwerk.de
Elektromeisterin Christina Harders hat mit ihren Lichtideen schon manchen Kunden ein Strahlen ins Gesicht gezaubert.

Strategie

Ein Händchen für Lichtideen

Carina Harders setzt Wohnräume in Szene – mit Lampen, Leuchten und smarten Bedienelementen. Schon manch zweifelnden Kunden hat die Elektromeisterin ein Strahlen ins Gesicht gezaubert.

Auf einen Blick:

  • Elektromeisterin Carina Harders mag die Mischung aus Handwerk, Technik, Architektur und Design - mit diesen Themen im Blick setzt sie Beleuchtungskonzepte für ihre Kunden um.
  • Die 27-Jährige Niedersächsin plant Leuchtideen vom Grundriss bis zur Umsetzung individueller Wohnkonzepte und smarten Steuerelementen, wie Heizung oder Sonnenschutz.
  • So manchen skeptischen Interessenten hat sie davon überzeugt, dass Smart-Home-Elemente ihre Vorzüge im Wohnraum haben.
  • Für die Ausbildung im Handwerk hat die Unternehmerin ihr Abitur abgebrochen. Als Frau in der Branche muss sie sich stärker behaupten als ihre männlichen Kollegen. Sie will auch andere Frauen ermutigen, in männerdominierten Branchen Fuß zu fassen.

Smart Home ist für Carina Harders mehr, als „Lampen oder die Heizung mit dem Smartphone zu bedienen“. Für die Elektromeisterin aus Bad Zwischenahn gehören dazu komplexe Zusammenhänge und individuelle Lösungen – und die Wohnraumgestaltung. Deshalb betreut die 27-Jährige die Kunden von Harders Lichtideen vom Grundriss bis zur Umsetzung individueller Beleuchtungskonzepte und der smarten Heizungssteuerung.

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Lieber Ausbildung als Abitur

Etwas mit den Händen schaffen und am Ende des Tages das Ergebnis der Arbeit sehen – das sind nur zwei Gründe dafür, dass sich Carina Harders für eine Ausbildung im Elektrohandwerk entschieden hat. Inmitten der zwölften Klasse brach sie dafür die Schule ab und startete eine Lehre im Betrieb ihres Vaters. „Je mehr ich in der späten Schulzeit von den Themen mitbekommen habe, um die es sich Betrieb drehte, desto mehr hat es mich interessiert“, berichtet die junge Meisterin. Schon morgens sei es ab dann ein anderes Gefühl gewesen, aufzustehen und zur Arbeit zu gehen. „Das hat sich gut angefühlt“, sagt Harders rückblickend. Auf die Lehre folgte 2016 die Meisterausbildung und seit 2018 führt sie das Familienunternehmern gemeinsam mit ihrem Vater Jörg.

Lichtideen: Einrichten, Gestalten und Begeistern

Ihr Betrieb im Ortsteil Ofen hat mittlerweile ein 600 Quadratmeter großes Haus als Anschauungs- und Präsentationsobjekt für die Kunden. „Wir können hier alles zeigen, was in Sachen Beleuchtung und Smart-Home-Verknüpfungen möglich ist und holen damit die Kunden ab“, betont die Chefin von 34 Mitarbeitern, davon acht Azubis.

Neben dieser Ausstellung verantwortet die Elektromeisterin die Beleuchtungsplanung, den Verkauf und den Kundendienst. Ihr Vater hingegen ist viel auf Baustellen unterwegs und immer weniger im Geschäft anzutreffen. Neben Elektronikern und Meistern haben die Harders` auch eine Lighting-Designerin eingestellt. Sie kann per 3D-Visualisierung den Kunden Beleuchtungskonzepte am Bildschirm erlebbar machen.

Herausforderung I: Der Trend Smart Home

Zeigen, was Smart Home kann und was der Betrieb zu bieten hat – das ist Carina Harders` tägliche Herausforderung; im positiven Sinne. Denn diese Spezialisierung reizt sie. „Nicht immer sind Kundenwünsche umsetzbar: In Altbauten sind Leitungen beschädigt oder das Wandmaterial hält den Anforderungen nicht stand. Dann müssen wir umdenken und kommen über Umwege ans Ziel.“ Die Mischung aus dem technischen Know-how und den gestalterischen Elementen im Wohnbereich – das motiviere sie jeden Tag neu.

Freude mache ihr auch, zögerliche Kunden von neuer Technik zu überzeugen. „Ich brenne für meinen Job und gebe gemeinsam mit unserem tollen Team die Euphorie weiter.“ Sie sei erst dann zufrieden, wenn sie ein Konzept gefunden und so umgesetzt hat, dass die Augen der Kunden so strahlen wie die Leuchten. „Der Funke Begeisterung springt dann über, wenn Kunden verstehen, dass sie ihr Beleuchtungskonzept mit der smarten Heizungsanlage verbinden und schon von unterwegs die Heizung einschalten oder den Sonnenschutz bedienen können“, sagt Carina Harders.

Noch immer falle es Kunden schwer, sich an digitale Bedienelemente zu wagen – besonders Frauen seien vorsichtig, wenn sie „App-Steuerung“ hören. Doch die Vorurteile könnten meist aus dem Weg geräumt werden. Mit dem Ergebnis, dass bei Harders der Trend Smart Home ungebrochen ist: Der Betrieb verkaufe mittlerweile fast keine konventionellen Anlagen mehr, nahezu alle Kunden steigen auf Smart Home um. Mit Beleuchtungsszenen, die auf Knopfdruck passend zum Wohnbereich bedienbar sind, konnte Carina Harders schon viele Zweifler überzeugen: „Überflüssige Schalter möchte heutzutage keiner mehr haben“, weiß sie.

Herausforderung II: Als Frau in der Elektrobranche

Auch persönlich hat Carina Harders ihr Werdegang herausgefordert: So sei es mit etwas Abstand konsequent gewesen, die Ausbildung im Familienbetrieb zu machen. „Viele Betriebe in der Branche stellen gar keine Frauen ein“, sagt die Elektromeisterin. Sie fordert deshalb zum Umdenken auf. Die Montage von Lampen und Leuchten sei etwas für „filigrane Hände“. Harders wünscht sich mehr mutige Frauen, die sich bewerben und mehr Unternehmen, die sich für Frauen öffnen – und beispielsweise Teilzeitarbeit ermöglichen.

Ihre Meisterausbildung habe sie auch aus dem Grund gemacht, weil sie technisch mit dem männlichen Personal mithalten will. „Das steigert die Akzeptanz bei den Kollegen“, betont Harders. Zudem komme der Titel gut bei Kunden an – auch wenn sie einige noch immer skeptisch anguckten, weil sie mit 27 Jahren Meisterin und Chefin ist.

Herausforderung III: Persönliche Ziele verwirklichen

Carina Harders hat ganz klare Ziele: „Der Betrieb soll bekannter werden, dazu möchte ich noch stärker in den Social-Media-Kanälen aktiv werden“, sagt sie. Wenn Kunden sich mit dem Thema Beleuchtung befassen, soll ihnen als erstes „Harders Lichtideen“ einfallen – dieses Fernziel hat sie sich gesetzt.

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