Foto: Jahn

Hohe Nachfrage, wenig Fachkräfte

Ein Hufschmied kämpft für sein Handwerk

Mathias Straßner ist Hufschmied. Als er gelernt hat, war es noch ein Handwerksberuf. Genau das wünscht sich der Metallbaumeister heute zurück - weil er sieht, was der Fachkräftemangel anrichtet. Ein Besuch vor Ort.

Auf einen Blick:

  • Der Beruf des Hufschmieds war vor Jahren ein Ausbildungsberuf im Handwerk.
  • Seitdem er das nicht mehr ist, hat sich die Qualität der Arbeit verschlechtert.
  • Das merkt nicht nur der Hufschmied Mathias Straßner, sondern auch die Pferdebesitzer.
  • Straßner setzt sich deshalb dafür ein, den Beruf zurück ins Handwerk zu holen - mit Erfolg.

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von Marie Dinske und Martina Jahn

Schon früh am Morgen steht Mathias Straßner mit seinem Team auf dem Hof eines Stalls in Schillerslage bei Celle. Es müssen einige Pferde beschlagen werden. Daher sind die Metallbauer heute mit zwei komplett ausgestatteten Fahrzeugen angerückt. Es riecht nach verbranntem Horn und Rauchwolken wabern durch die Luft. „Die Pferde stört das nicht“, weiß Mathias Straßner, denn sie sind die Hufpflege von klein auf gewöhnt.

Ohne enge Tourenplanung läuft nichts

Alle sechs bis acht Wochen kommt der Handwerksmeister nicht nur zu diesem Stall. Die Hufe muss er in regelmäßigen Abständen bearbeiten. Wie oft hängt von der Nutzung der Tiere ab.

Mathias Straßner ist auf dem Land aufgewachsen und hatte schon früh Kontakt zu Pferden. Nach seiner Ausbildung zum Metallbauer und der Meisterprüfung, stieg er in den Betrieb seines Schwagers ein. Seit 1989 ist bei Heldt+Straßner in Burgdorf bei Hannover Hufschmied – und das aus Leidenschaft: Der Bezug zu Pferden kommt aus der Familie, dem Reitsport ist er eng verbunden.

Straßner, sein Kompagnon Michael Matlage und Hufschmiedgeselle Matthias Schill teilen sich die Touren zu den insgesamt etwa 1400 tierischen Kunden auf. Die Tourenplanung der drei Fahrzeuge im Umkreis von 30 Kilometern des Firmensitzes übernehmen seine Schwester und seine Frau. Die Tage sind vollgepackt, Pausen nur kurz und Urlaub selten möglich.

Hufschmiede gehören zum Handwerk - dafür setzt sich der Handwerksmeister ein

Doch trotz der großen Nachfrage gibt es immer weniger Hufschmiede. Der Hauptgrund: Seit 1987 ist dieser Beruf kein handwerklicher Ausbildungsberuf mehr. Aus- und Fortbildung ist fast nur noch in der Erwachsenenfortbildung möglich. Die Qualität der Arbeit sinkt, da sich jeder Hufschmied ohne Probleme selbstständig machen kann - egal wie gut er ausgebildet ist. „Das kann fatale Folgen für die Gesundheit der Pferde haben“, betont Straßner. Die weitere Konsequenz: Kaum einer bleibt nach der Ausbildung noch in einem Anstellungsverhältnis.

Weil ihm der Beruf und die Tiere am Herzen liegen, hat er es sich zur Aufgabe gemacht, den momentanen Zustand zu ändern. Sein Ziel: „Es soll auch in Zukunft noch qualifizierte Hufschmiede geben.“

Deshalb engagiert er sich seit Jahren auf Landes- und Bundesebene in den Fachverbänden. Mit Erfolg: „Es geht langsam voran. Im nächsten Jahr wollen wir eine Bundesfachklasse installieren. 50 Kollegen haben sich schon bereit erklärt, auszubilden“, berichtet der 53-Jährige.

Pro Pferd etwa eine Stunde

An diesem Tag warten abwechslungsreiche Aufgaben. Gerade spricht Mathias Straßner mit ruhiger Stimme mit dem brauen Vierbeiner vor der Box. Er streicht von oben nach unten an einem Bein entlang, nimmt den Huf auf seine Oberschenkel. Erst entfernt er das Eisen mit einer großen Zange vom Huf, kürzt dann das Horn. „Man beschlägt immer das ganze Pferd“, erklärt er. Das bedeutet: Er achtet auf die Anatomie: auf Größe, Gewicht und Alter des Tieres, auch auf Fehlstellungen und wie es im Alltag eingesetzt wird.

Während das Pferd die „Maniküre“ genießt, heizt der Ofen vor. 800 Grad hat das Eisen, wenn es in die grobe Form geschlagen wird. Es folgt die Probe am Pferdehuf. Dabei qualmt es stark, doch dieses Pferd bringt nichts aus der Ruhe. Dann ein letztes Mal erhitzen und in die finale Form bringen. Bei den wenigen Hammerschlägen auf das glühende Eisen sprühen die Funken. Vor dem Einsatz am Huf wird es noch geschliffen - das vermeidet Verletzungen. Mit sechs Nägeln befestigt Straßner das Eisen. „Der Pferdehuf ist wie ein Fingernagel. Das Pferd merkt kaum etwas beim beschlagen, vorausgesetzt, man trifft kein lebendes Gewebe.“

Zum Beruf des Hufschmieds gehört auch die Materialkenntnis. Kunden werden anspruchsvoller und wollen über Trends aufgeklärt werden. Da gibt es beispielsweise Hufschuhe oder alternative Hufeisen aus Kunststoff oder Aluminium. „Die Kunden schätzen unsere Beratungsleistung, denn nicht für jedes Pferd sind alle Beschläge geeignet“, erklärt Straßner. Dieser Beruf sei sehr vielfältig und benötige umfassendes Wissen und jede Menge Erfahrung.

Arbeit im Akkord

Nachdem alle Pferde wieder in der Box sind, packen Mathias Straßner und sein Partner Michael Matlage zusammen. Anschließend wollen auf der Fohlenweide die Hufe der sogenannten Jährlinge gepflegt werden. Das Einfangen dauert hier länger als die Hufpflege selbst – zu wild sind die Jungen noch. Den Spaß an der Arbeit haben die beiden aber trotz des Zeitdrucks nicht verloren und liefern sich auf der Weide einen kleinen Wettbewerb. Am Ende geht der Punkt an den Kompagnon. Der Meister nimmt das sportlich.

Als die Jungpferde wieder auf der Weide rumspringen, sind die Hufschmiede schon auf dem Weg zu ihren nächsten Kunden. Mit einem klaren Ziel vor Augen.

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