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Betriebsnachfolge

Ein solides Grundgerüst

Ein Firmenchef übergibt seinen Betrieb – mit 59 Jahren. Und der Nachfolger legt einen rasanten Start hin. Eine Erfolgsgeschichte.

Gut vorbereitete Übergabe:  - Walter Hartz (links) und sein Nachfolger Mario Mayer
Walter Hartz (links) und sein Nachfolger Mario Mayer
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Einen ganz neuen Betrieb gründen? Ohne Kundenstamm und ohne eingespielte Mitarbeiter? Das konnte sich Mario Mayer nicht so recht vorstellen. Er arbeitete als Gerüstbauer in einem Betrieb in der Nähe von Osnabrück, hatte mit 43 Jahren die Meis­terprüfung abgelegt und wollte sich selbstständig machen.

Den Betrieb irgendwann auflösen? Die Mitarbeiter ins Ungewisse entlassen? Walter Hartz, Ende 50 und kinderlos, schaute sich lieber nach einem geeigneten Nachfolger um. Eine aktuelle Umfrage des Zentral­verbands des Deutschen Handwerks zeigt, wie viele Firmeninhaber derzeit vor dieser Aufgabe stehen: 18,2 Prozent der über 9000 Befragten wollen die Betriebs­übergabe in den kommenden fünf Jahren über die Bühne bringen.

Der Chef der Hartz Gerüstbau GmbH in Osnabrück kam nach einigen Jahren geduldigen Suchens mit Mario Mayer ins Gespräch. „Er kommt aus dem Geschäft und ist kompetent“, sagt Walter Hartz über den 46-Jährigen. „Das hat mir ein gutes Gefühl gegeben.“ Die beiden einigten sich darauf, dass Mayer den Betrieb kauft und die acht Mitarbeiter übernimmt.

Wertermittlung durch die Handwerkskammer
Daraufhin folgten Termine beim Steuerberater, bei den Banken und bei Manfred Hein, Betriebsberater der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim. Er ermittelte den Unternehmenswert, prüfte den Business-Plan von Mario Mayer und verfasste die erforderlichen Stellungnahmen für dessen Kreditanträge – das alles gehört zum Service für Kammermitglieder.

Fast ein Jahr dauerte es, bis alles geregelt war und die Finanzierung stand. Walter Hartz fuhr in dieser Zeit mit Mario Mayer die Kunden ab und stellte ihn als Nachfolger vor. Nach der Übergabe im Januar 2014 war Hartz noch für mindestens zwei Monate ansprechbar, das hatten sie vertraglich festgelegt.

Mario Mayer legte einen Blitzstart hin! Mehr dazu auf Seite 2.

Mario Mayer auf Erfolgskurs: - Die Stammkunden blieben ihm treu und weitere kamen schnell hinzu.
Die Stammkunden blieben ihm treu und weitere kamen schnell hinzu.
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Eigene Akzente gesetzt

Mario Mayer startete schnell durch: „Die Firma hat in Osnabrück einen guten Namen – das ist ein riesiger Vorteil“, sagt der Gerüstbauermeister. Er konnte darauf aufbauen und eigene Akzente setzen: die Arbeitsabläufe umgestalten, das Gerüstmaterial aufstocken, ein neues Logo einführen und den Fuhrpark erweitern – eine Website ist gerade in Arbeit.

„Der Großteil der Stammkunden ist der Firma treu geblieben und weitere sind hinzugekommen“, erzählt der Unternehmer. Der Gewinn sei 2014 auf das Zweieinhalbfache des Vorjahres gestiegen. Sechs neue Mitarbeiter habe er bereits eingestellt und demnächst brauche er einen größeren Lagerplatz. An Walter Hartz bewundert er, „dass er so gut loslassen konnte“. Das liege daran, dass er den Betrieb in guten Händen wisse, entgegnet sein 59-jähriger Vorgänger. „Ich kann nur jedem raten, sich frühzeitig darum zu kümmern.“

(afu)

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